Islam und Homosexualitaet:
الحمد لله - ich bin Muslim, und ich bin schwul!

Fakten 2: Welche konkreten Texte gibt es in muslimischen Quellen aus dem 1. oder 2. Jahrhundert nach der Hidschra,, die islamische Urteile über Homosexualität dokumentieren? Gibt es aus dieser Zeit Berichte über Urteile zu Homosexualität bei den Muslimen?“ 

Fakten 2: Fakten aus dem Qur'ân, der Ḥadîṯ-Geschichte mit Fragen an ChatGPT: Ende März - Ende Juli 2025 (über Homosexualität, in Sodom, über AT,  AT-Geschichte)

Hauptartikel:

1 Die allmähliche Durchsetzung des Sodom-Mythos

Folgende weitere Themen wurden anschließend hinzugefügt:
2 Einige Anmerkungen dazu
3 Zur Strafbarkeit von Homosexualität
4 Einige Worte über die immense Arbeit und die Akribie von Hadîṯ-Sammlern
5 Welche Autoren, welche Bücher gibt es zum Thema 'Islam und Homosexualität'? (Frage an ChatGPT 27.08.2025)
6 'Islam und Homosexualität': Welche Personen, Gruppen, Organisationen, Moscheen sind homofreundlich? (Fragen an ChatGPT 27.08.2025 und 28.08.2025)
7 Ein Hinweis zur menschlichen Natur (fiṭra -فطرة)
8 Nachträge zu Feststellungen auf der Unterseite „Fakten 1“
9 Fazit der bisherigen Untersuchungen


1 Die allmähliche Durchsetzung des Sodom-Mythos

Homosexualität im Islam

Das Ergebnis der Beschäftigung vieler Jahre mit dem Thema „Islam und Homosexualität“ ist in den folgenden Zeilen zu finden und wurde mit Hilfe der künstlichen Intelligenz (ChatGPT) ergänzt: Die Annahme dabei war, dass ChatGPT Literatur durchsucht, die nicht ohne weiteres zugänglich ist und weitere Argumente liefert (ChatGPT, Ende März - Ende Juli 2025).

Für muslimische Gelehrte, Kommentatoren und andere, die sich bei dem vorliegenden Thema mit dem Qur'ân befassen, dem offenbarten Wort Allahs, ist es durch alle Jahrhunderte bis heute unwichtig, ob die Basis, die Voraussetzungen, auf der sie Ihre Aussagen und Meinungen stützen, beweisbar und belegbar sind. Sie verlassen sich, wie hier gezeigt wird, auf legendenhafte Erzählungen, phantasievolle Narrative, statt einzig nach den Fakten zu fragen und ihre zu Grunde gelegten Annahmen kritisch zu prüfen, zu hinterfragen. Und entsprechend fehlerhaft fallen ihre abgeleiteten Meinungen aus. Und die noch weniger Gebildeten ihrer Anhänger folgen ihnen und machen deren Standpunkte zur Basis ihrer Entscheidungen, was  Islam für sie sein soll.

Der Qur'ân und damit der Islam waren nie homophob und sind nicht homophob.
Aber viele Muslime sind es weiterhin.

Wer sich mit der Frage beschäftigt, ob im Islam Homosexualität zulässig sei, erfährt sehr schnell, dass viele Muslime sie als verboten ansehen, manchmal in einer Weise, als ob der Islam gleichzusetzen sei mit einer homophoben Grundeinstellung, so dass Homosexuelle sogar zu Nicht-Muslimen erklärt werden.

Warum der Rückgriff auf Künstliche Intelligenz?

ChatGPT

Auf die Frage:„Wie begrenzt sind die Quellen für Künstliche Intelligenz, wie verlässlich sind ihre Aussagen?“ gibt ChatGPT u.a. folgende Selbsteinschätzung:
Wie sollte man KI-Aussagen einschätzen?
Gut bei allgemeinen Themen: Geschichte, Wissenschaft, Sprache, Technik, Erklärungen usw.
Vorsicht bei sensiblen Themen: Medizin, Recht, Ethik, Religion – da sollte man immer noch Fachleute oder Primärquellen hinzuziehen.
Ideal als Startpunkt: KI eignet sich super zum Ideen sammeln, Strukturieren oder Verstehen – aber nicht als alleinige Autorität.“

ChatGPT stufte sich bei Themen wie Geschichte und Wissenschaft als gut ein, d.h. auf Gebieten, zu denen es im nachfolgenden Text befragt wird. Die Antworten auf Fragen an ChatGPT werden (wie in diesem Beispiel) etwas nach rechts verschoben wiedergegeben.

Die folgende Abhandlung bietet viele Beispiele und Anregungen, sich mit dem Thema „Homosexualität im Islam“ auseinanderzusetzen. Viele Vertreter traditioneller Ansichten hinterfragen die Geschichte und Entstehung ihrer Meinungen nicht. Sie glauben sogar, dass eine über viele Jahrhunderte vertretene Meinung „richtig“ sein muss, sie prüfen nicht einmal die Herkunft ihrer Position. Nicht die Worte des Qur'âns stehen im Zentrum ihrer Vorstellungen, sondern die Ansichten von Gelehrten, Menschen, in der Vergangenheit.

Der Aufbau dieser Web-Seite:

Was ist Islam?
Qur'ân und Qur'ân-Kommentare
Was ist Homosexualität?
Ist Homosexualität eine Krankheit?
Wie hoch ist der prozentuale Anteil von Schwulen in einer Population?
Was wissen wir über die Bewohner von Sodom?
Historische Belege für Homosexualität bei den Bewohnern von Sodom?
Alte, vor-qur'ânische Quellen zu dem Thema
Zur Entstehungsgeschichte der Thora
Moderne wissenschaftliche Sicht (Quellenhypothese / Pentateuchkritik)
Lebensdaten wichtiger Personen im Alten Testament
Der hebräische Text von Genesis 19,5 (1. Mose 19,5)
Die ältesten Texte, die Homosexualität in Genesis 19,5 (1 Mose 19,5) sehen:
1. Jüdische Texte aus dem Zweiten Tempel (ca. 2. Jh. v. Chr. – 1. Jh. n. Chr.)
2. Frühchristliche Autoren
3. Rabbinische Literatur (Midraschim, Talmud)

Die Qumran-Schriftrollen über Sodom und Lot und sein Volk

Der Sodom-Mythos
Gibt es einen Sodom-Mythos?
Was ist ein Mythos?

Die allmähliche Durchsetzung des Sodom-Mythos

Die ältesten bekannten Fälle homosexueller Lebensweise
Religiöse Verbote von Homosexualität?
Das Alte Testament
Das Neue Testament
Die Aussage des Qur'âns
Erlaubt (ḥalâl) und verboten (ḥarâm) im Qur'ân
Die Textstellen über Lot und sein Volk

Eine dem Wortlaut des Qur'âns nähere Interpretation

Hinweis zu dem Wort شهوة – šahwa

Gibt es den Einfluss des Korans, ca. 610 - 632 entstanden und ca. 644 - 656 kodifiziert, oder besser: gibt es Belege für den Einfluss der ältesten Koran-Kommentare auf die ältesten arabischen Wörterbücher, deren Verfasser ja nach dieser Zeit lebten? Beispiel: das Wort šahwa = شهوة"

Zeitpunkt der Offenbarung von (3:14)
Der Vers (30:21) über zwischenmenschliche Partnerschaften
Nachdenken statt einfach vorhandenen Meinungen zu folgen
Die Vorgeschichte der traditionellen Interpretation
ḥadîṯe - الاحاديث
Das abschließende Fazit

Schlussfrage


Die Abhandlung zum Thema „Homosexualität im Islam“

Was ist Islam?

Der Islam und damit die islamische Lehre, so wie sie hier verstanden werden, beruhen ausschließlich auf dem arabischen Wortlaut des Qur'âns und authentischen Ḥadîṯen. Alles was darüber hinausgeht, ist eher so etwas wie Muslimtum, d.h. Vorstellungen, Annahmen, Überzeugungen, wie Muslime sie oft haben.

Daher: Islam ist mehr als die Summe aller „Muslimtümer“, weitaus mehr.

Wenn jemand sagt, dass er/sie Muslim ist, ist damit oft die Zugehörigkeit zu einem bestimmten maḏhab (Rechtsschule, fiqh-System) verbunden oder einer bestimmten, historisch gewachsenen Gruppe.
Das jedoch darf niemals dazu führen, die Aussagen einer solchen Gruppierung ohne nachzudenken als unbestreitbares Dogma zu akzeptieren. Denn sie alle sind das Ergebnis von Menschen, die unter bestimmten Einflüssen und Denkschulen lebten, vielleicht ohne die Möglichkeit, die Voraussetzungen für ihre Entscheidungen zu überprüfen.

Deren Aussagen, Meinungen, Rechtsauffassungen usw. sind gegen den Qur'ân-Text und die heute bekannten Fakten zu prüfen, bevor sie akzeptiert werden.

Menschen sind Geschöpfe  Allahs, und leben in der von Ihm geschaffenen Welt, über die sie durch Forschung ein immer genaueres, realeres Bild gewinnen, seien es die Naturwissenschaften, die Geschichte usw.

Qur'ân und Qur'ân-Kommentare

Wenn wir den Qur'ân kommentieren wollen, so sollten wir das Folgende berücksichtigen:
Muhammad Ali, The Religion of Islam, S. 45 – 47, schrieb:
"Der wichtige Grundsatz, den man sich bei der Auslegung des Heiligen Qur'âns merken sollte, ist, dass die Bedeutung innerhalb des Qur'âns gesucht werden sollte, und niemals sollte eine Stelle auf solche Weise interpretiert werden, dass sie im Widerspruch zu einer anderen Stelle steht. [...] In diesem Zusammenhang habe ich nur hinzuzufügen, dass Ḥadîṯh auch eine Erklärung des Heiligen Qur'ân darstellt; aber ein ḥadîṯh kann nur akzeptiert werden, wenn er zuverlässig ist und nicht im Gegensatz zu dem steht, was klar im Qur'ân ausgesagt wird."

Im Kapitel "Berichte in Biographien und Kommentaren“ heißt es bei ihm auf S. 78 f.:
"[...] Viele nachlässige Kommentatoren warfen den Hadith mit jüdischen und christlichen Geschichten durch­einander und machten von letzteren freien Gebrauch, als ob sie so viele Berichte wären. Wie
ibn H̱aldûn  [732–808 AH/1332 – 1406, muslimischer Gelehrter, Historiker, Philosoph, Soziologe] über die Kommentare sagt:
'Der Grund dafür ist, dass
die Araber ein ungebildetes Volk ohne Literatur und ohne Wissen waren, und Wüstenleben und Unwissenheit ihre Hauptmerkmale waren, und wann immer sie wie die Sterblichen wünschten, Wissen über die Ursache der Existenz und den Ursprung der Schöpfung und die Geheimnisse des Universums zu erlangen, wandten sie sich für Informationen an die Anhänger des Buches, die Juden und die Christen, die ihren Glauben praktizierten. Aber diese Leute des Buches waren wie sie selbst, und ihr Wissen über diese Dinge ging nicht weiter als das Wissen der unwissenden Massen. Als diese Leute den Islam annahmen, behielten sie ihre Geschichten bei, die nichts mit den Geboten des islamischen Gesetzes zu tun hatten, wie die Geschichten über den Ursprung der Schöpfung und Dinge, die sich auf die Zukunft und die Kriege beziehen. Diese Leute waren wie kaʿb aḥbâr und wahb ibn munabbih und ʿabdu`llâh ibn salâm und andere. Die Kommentare zum Heiligen Qur'ân wurden bald mit diesen Geschichten von ihnen gefüllt. Und in solchen Dingen gehen die Berichte nicht über sie hinaus, und da diese nicht mit Geboten zu tun haben, wird ihre Richtigkeit nicht in dem Maße gesucht, dass man nach ihnen handelt, und die Kommen­tatoren nehmen sie eher nachlässig, und so haben sie ihre Kommentare mit ihnen gefüllt.' (Mq. I, S. 481, Kap. ʿulûm al-qur'ân).'
„[...] In der Tat sind einige der Kommentare, die zitierten Berichte, kindischer Unsinn. Sogar auf den Kommen­tar von ibn jarîr [aṬ-Ṭabarî], mit all seinem Wert als literarisches  Erzeugnis, kann man sich nicht verlassen. [...].“

Ein gewisser Dünkel, ein Gefühl der Überlegenheit auf Seiten der Konvertiten (mawâlî) gegenüber den oft weniger gebildeten Arabern und deren Unterlegenheitsempfinden, spielte dabei wohl auch eine nicht zu unter­schätzende Rolle, wie Maulana Muhammad 'Ali, The Religion of Islam, von ibn H̱aldûn zitiert, der weitaus drastischere Worte ver­wendet. Eine brisante Gemengelage, wie das Ergebnis in vielen der Kommen­tare zeigt. Und der Verdacht regt sich, dass es eine bewusste Einflussnahme in größerem Umfang gab auf einem Markt von Nach­frage und Angebot, mit Erfindern, Geschichtenerzählern, den quṣṣāṣ, und anderen.

Wenn wir Quellen, Argumente neben dem Qur'ân verwenden, so sollten ihre Aussagen auf überprüfbaren Fakten beruhen. Und wir sollten sie erst verwenden, wenn wir uns davon überzeugt haben. Alles andere würde bedeuten, den Qur'ân als das Wort Allahs nicht ernst zu nehmen.

Wie jeder überzeugte Muslim bin ich ganz sicher, dass Allah bei Seiner Offenbarung sich nicht auf solche Phantasiegeschichten bezieht, wie sie im Sodom-Mythos auftauchen und zweifelhafter Herkunft sind.

Was ist Homosexualität?

Auf diese Frage antwortete ChatGPT:

ChatGPT

„Homosexualität ist eine sexuelle Orientierung. Sie beschreibt das romantische oder sexuelle Interesse eines Menschen an Personen des gleichen Geschlechts. Das bedeutet zum Beispiel:
Ein Mann fühlt sich zu Männern hingezogen,
oder eine Frau fühlt sich zu Frauen hingezogen.
Menschen, die homosexuell sind, werden oft als schwul (für Männer) oder lesbisch (für Frauen) bezeichnet. Es gibt auch den Überbegriff queer, unter dem sich viele Menschen sammeln, deren sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität nicht der gesellschaftlichen „Norm“ entspricht.
Homosexualität ist eine ganz natürliche Variation der menschlichen Sexualität. Sie kommt in allen Kulturen, Regionen und Zeiten vor – auch im Tierreich.“

 

Die gleiche Aussage mit den Worten eines Muslim:

Allah in Seiner Weisheit und Barmherzigkeit erschuf alles Existierende. Er erschuf in der Vergangenheit homosexuelle Lebewesen und Er erschafft sie weiterhin. Homosexualität ist somit ein schöpfungsinhärentes Phänomen, von Allah so gewollt. Und der Qur'ân kennt weder ein Verbot noch eine Verurteilung dieser Lebensweise.
Homosexuelle schaden durch ihre gelebte sexuelle Orientierung niemandem.

Ist Homosexualität eine Krankheit?

Auf diese Frage antwortete ChatGPT:

ChatGPT

„Nein, Homosexualität ist keine Krankheit“ und gibt als Fazit: „Homosexualität ist eine normale, natürliche und nicht pathologische sexuelle Orientierung. Der Versuch, sie zu „heilen“ (z. B. durch sogenannte Konversionstherapien) wird von allen großen medizinischen und psychologischen Fachgesellschaften als unwissenschaftlich und schädlich abgelehnt“

Zu den von Allah geschaffenen Fakten gehören ebenso wissenschaftliche Forschungsergebnisse, z.B.:

„Im Jahr 1990 streicht die WHO Homosexualität von der Liste der Krankheiten – vier Jahrzehnte, nachdem eine Psychologin gezeigt hatte, wie falsch solch eine „Diagnose“ ist.“ ('Der Tagesspiegel', 17.05.2023).
Daraufhin wurden vielerorts auch sog. „Konversions-“, „Reorientierungs-“ und „Reparativ-Therapien“ wegen ihrer Schädlichkeit verboten.

Wie hoch ist der prozentuale Anteil von Schwulen in einer Population?

Auf diese Frage gab ChatGPT als Fazit an:

ChatGPT

„Der Anteil von Menschen, die sich ausschließlich als homosexuell identifizieren, liegt in den meisten Studien zwischen 2–5 %. Wenn man sexuelle Fluidität und gleichgeschlechtliche Erfahrungen mit einbezieht, können die Zahlen deutlich höher (bis zu 10 % oder mehr) sein.“


Was wissen wir über die Bewohner von Sodom?

Die Antwort auf diese Frage von ChatGPT war u.a.:

ChatGPT

„Die Bewohner von Sodom sind vor allem aus biblischen Erzählungen bekannt, insbesondere aus dem Buch Genesis im Alten Testament. Sodom wird oft zusammen mit Gomorra als Symbol für moralische Verderbtheit und Gottlosigkeit betrachtet. Die Stadt soll für ihre unmoralischen Handlungen, insbesondere für Gewalt, Unzucht und mangelnde Gastfreundschaft bekannt gewesen sein.“

Zu den von Allah geschaffenen Fakten gehören ebenso wissenschaftliche Forschungsergebnisse.

Die traditionelle Interpretation der Geschichte von Lot und seinem Volk im Qur'ân beruht lediglich auf erfundenen Erzählungen ohne jeden historischen Wert.
Denn es gibt keine belastbaren historischen Belege über das Volk Lots, wo es lebte und wie es lebte, oder etwa welche sexuellen Vorlieben es hatte, so wie es im sogenannten Sodom-Mythos auftaucht.

Historische Belege für Homosexualität bei den Bewohnern von Sodom?

Auf die Frage: „Gibt es historische Belege für Homosexualität bei den Bewohnern von Sodom?“ antwortete ChatGPT:

ChatGPT

 „Nein, es gibt keine historischen Belege dafür, dass die Bewohner von Sodom tatsächlich homosexuell waren. Die Geschichte von Sodom und Gomorra stammt aus der Bibel (Genesis 19) und wurde über Jahrhunderte theologisch und kulturell unterschiedlich interpretiert.“
Und:
„Fazit:
Die Behauptung, dass die Bewohner Sodoms „homosexuell“ gewesen seien, ist eine spätere Interpretation bestimmter religiöser Gruppen, die den Text wörtlich oder in einem bestimmten moralischen Kontext lesen. Historisch und kulturell betrachtet, handelt es sich eher um eine Erzählung über Gewalt, Ungerechtigkeit und fehlende Gastfreundschaft als über sexuelle Orientierung.“


Alte, vor-qur'ânische Quellen zu dem Thema

Die ältesten Texte zu Lot und seinem Volk finden wir im Alten Testament. Der hebräische Text von Genesis 19,5 (1. Mose 19,5) lautet:
וַיִּקְרְאוּ אֶל־לוֹט וַיֹּאמְרוּ לוֹ אַיֵּה הָאֲנָשִׁים אֲשֶׁר־בָּאוּ אֵלֶיךָ הַלָּיְלָה? הוֹצִיאֵם אֵלֵינוּ וְנֵדְעָה אֹתָם.
Wörtliche Übersetzung: „Und sie riefen Lot und sagten zu ihm: Wo sind die Männer, die zu dir gekommen sind in dieser Nacht? Bring sie zu uns heraus, dass wir sie
erkennen

Die Vorstellung, dass die Bevölkerung in Lots Stadt homosexuelle Wünsche an Lots Besucher/Gäste richtete, erwies sich als eine sehr phantasievolle, aber falsche Interpretation eines einzigen Wortes in nur einem Vers im 1. Buch Mose (1 Mose 19, 5, = Gen. xix. 5, siehe Derrick Sherwin Bailey, Homosexuality and Western Christian Tradition, 1955, auf Seite 1 - 8). Bailey (1910 - 1984) war ein Anglikanischer Theologe mit überzeugenden und klaren linguistischen und kontextuellen Argumenten. Er erwähnt auch, dass alle Bezugnahmen auf Lots Stadt in den anderen Büchern des Alten Testaments nie von einem sexuellen Fehlverhalten der Menschen in Lots Stadt sprechen.

In der englisch-sprachigen Wikipedia heißt es u.a. über Bailey:
„[...] Anerkannt als führender Experte der Kirche für Sexualethik, ... halfen Baileys Schriften der Church of England, auf die theologische Frage der Homosexualität, auf die Homosexuellen selbst sowie auf die Gesetze Englands zu reagieren. Diese Periode von 1954 bis 1955 im Moral Welfare Council lieferte wichtige konzeptionelle Leitlinien für spätere Diskussionen über Homosexualität, nicht nur in der Church of England, sondern im gesamten Christentum“.

Zu diesem Vers sagt Derrick Sherwin Bailey, Homosexuality and the Western Christian Tradition, S. 2:
„Der Vers, der bisher oft als Hinweis auf homosexuelles Ansinnen verstanden wurde, ist 1 Mose, 19, 5:
5 Sie riefen Lot und sagten: 'Wo sind die Männer, die heute abend zu dir gekommen sind? Bringe sie zu uns heraus, damit wir sie erkennen!'

Weiter sagt Derrick Sherwin Bailey, Homosexuality and the Western Christian Tradition:
"Die herkömmliche Auffassung von der Sünde Sodoms [...] rührt von der Tatsache her, dass das Wort, das hier mit 'erkennen' (yâdha') übersetzt ist, 'geschlechtlich verkehren' bedeuten kann. Ist das in diesem Passus gemeint?"
Er beantwortet diese Frage folgendermaßen:
"Das [hebräische] Verb yâdha' kommt sehr häufig im Alten Testament vor [in der Fußnote: Nach F. Brown, S. R. Driver und C. A. Briggs, A Hebrew and English Lexikon of the Old Testament (Oxford, 1952), 943 mal], doch mit Ausnahme dieses Textes und seiner unzweifelhaften Ableitung in Richter 19, 22 wird es nur zehnmal (ohne Einschränkung) gebraucht, um Geschlechtsverkehr zu bezeichnen [in der Fußnote: 1 Mose 4, 1, 17, 25; 19, 8; 24, 16; 38, 26; Richter 11, 39; 19, 25; 1 Samuel 1, 19; 1 Könige 1, 4.]. In Verbindung mit mishkâbh, das in diesem Zusammenhang den Vorgang des Liegens bezeichnet, kommt yâdha' an fünf weiteren Stellen vor [in der Fußnote: 4 Mose 31, 17, 18, 35; Richter 21, 11 [...], 12 [...] ]. Auf der anderen Seite findet man shâkhabh (von dem mishkâbh herkommt) etwa fünfzigmal in der Bedeutung 'liegen' im geschlechtlichen Sinne. Während yâdha' sich immer auf heterosexuellen Geschlechtsverkehr bezieht (wenn man zunächst die kontroversen Stellen 1 Mose 19, 5 und Richter 19, 22 außer Betracht lässt), wird shâkhabh überdies sowohl für homosexuellen Geschlechtsverkehr als auch den mit Tieren verwendet zusätzlich zu dem zwischen Mann und Frau.

So findet man yâdha' also nur ausnahmsweise im geschlechtlichen Sinne gebraucht [...].
Linguistische Betrachtungen allein unterstützen daher [... die Ansicht], dass es hier nichts weiter als ‘kennenlernen’ bedeuten kann. Warum wurde dann aber eine anscheinend vernünftige Forderung auf so heftige Art und Weise vorgebracht? Was für eine Schlechtigkeit war es, die Lot erwartete und von der er die Sodomiter abbringen wollte? [...] Unsere Unkenntnis der lokalen Gegebenheiten und sozialen Verhältnisse lässt uns keine andere Möglichkeit als die Motive zu erraten, die dem Verhalten der Sodomiter zugrunde liegen; da aber yâdha' meistens ‘kennenlernen’ bedeutet, kann die Forderung, die Besucher, die Lot bewirtete, ‘zu erkennen’, gut einen ernsthaften Bruch der Regeln des Gastrechts [wörtlich: hospitality = Gastfreundschaft] eingeschlossen haben. [...]“

Zur Entstehungsgeschichte der Thora:

ChatGPT antwortet auf die Frage: „Wann wurden die Mose-Bücher verfasst?“ ausführlich. Hier einige Ausschnitte:

ChatGPT

„Die Mose-Bücher (auch Tora oder Pentateuch genannt – Genesis, Exodus, Levitikus, Numeri, Deuteronomium) werden traditionell Mose zugeschrieben, aber die moderne Bibelwissenschaft sieht ihre Entstehung deutlich komplexer – mit mehreren Quellen, Redaktionen und Jahrhunderten Entwicklungszeit.
Hier ist ein Überblick:
„Traditionelle Sicht:
Mose sei der Autor aller fünf Bücher.
Diese Ansicht findet sich in jüdischer, christlicher und islamischer Tradition.
Problem: Die Texte enthalten Berichte über Mose’ Tod (z. B. in Deuteronomium 34) – also schwerlich von ihm selbst verfasst. […]


Moderne wissenschaftliche Sicht (Quellenhypothese / Pentateuchkritik)

ChatGPT  

Moderne wissenschaftliche Sicht (Quellenhypothese / Pentateuchkritik)
Die Mose-Bücher wurden nicht auf einmal verfasst, sondern aus mehreren Quellen zusammengefügt, über einen Zeitraum von ca. 900–400 v. Chr.
Die vier Hauptquellen (klassische „Quellenhypothese“):

Kürzel   Name                Geschätzte Entstehung               Merkmale
   J         Jahwist             ca. 950 v. Chr., Südreich Juda        Menschlich-anthropomorphes Gottesbild, „JHWH“ als Gottesname
   E        Elohist              ca. 850 v. Chr., Nordreich Israel     „Elohim“ als Gottesname, distanzierteres Gottesbild
   D       Deuteronomist  ca. 620 v. Chr., unter König Josia   Ethik, Gesetz, Zentralisierung des Kults in Jerusalem
   P       Priesterschrift   ca. 500–400 v. Chr., Babylon.         Exil Liturgie, Ordnung, Priestergesetze, Schöpfung, Reinheit
Redaktion / Endfassung:
Die endgültige Redaktion der Thora erfolgte vermutlich im babylonischen Exil oder kurz danach (6.–5. Jh. v. Chr.).

Viele Theolog*innen sprechen deshalb von einem literarischen Mosaik – also kein einzelner Autor, sondern eine komplexe redaktionelle Geschichte. […]
Fazit:
Die Mose-Bücher wurden nicht von Mose selbst geschrieben, sondern sind das Produkt mehrerer Jahrhunderte literarischer, religiöser und politischer Entwicklung. Ihre heutige Form entstand zwischen 950 und 400 v. Chr., mit einer Endredaktion wohl im babylonischen Exil.“


 Lebensdaten wichtiger Personen im Alten Testament:

ChatGPT

„Die Frage, wann Mose, Lot und Abraham lebten, ist spannend – und komplex, weil wir hier zwischen religiöser Überlieferung und historischer Rekonstruktion unterscheiden müssen. Es gibt keine archäologischen Beweise, die eindeutig belegen, dass diese Personen historisch genau so existiert haben wie beschrieben – aber es gibt zeitliche Einordnungen, die in der Forschung verwendet werden.
Hier ein Überblick:
Name       Traditionelle Datierung   Biblische Rolle                             Historische Einschätzung
Abraham   ca. 2000–1800 v. Chr.      Stammvater Israels                        Symbolfigur, kein Beleg
Lot            ca. 2000–1800 v. Chr.      Neffe Abrahams, lebte in Sodom    Mythischer Kontext
Mose        ca. 1300–1200 v. Chr.      Führer der Israeliten, Gesetzgeber Symbolfigur, kritisch gesehen


Der hebräische Text von Genesis 19,5 (1. Mose 19,5)

ChatGPT

Der hebräische Text von Genesis 19,5 (1. Mose 19,5) lautet:
וַיִּקְרְאוּ אֶל־לוֹט וַיֹּאמְרוּ לוֹ אַיֵּה הָאֲנָשִׁים אֲשֶׁר־בָּאוּ אֵלֶיךָ הַלָּיְלָה? הוֹצִיאֵם אֵלֵינוּ וְנֵדְעָה אֹתָם.
Transliteration: Vayyikre'u el-Lot vayomru lo: Ayyé ha-anashim asher ba'u elekha hallayla? Hotzi'em elenu vene'da otam.
Wörtliche Übersetzung: „Und sie riefen Lot und sagten zu ihm: Wo sind die Männer, die zu dir gekommen sind in dieser Nacht? Bring sie zu uns heraus, dass wir sie erkennen“.


Die ältesten Texte, die Homosexualität in Genesis 19,5 (1 Mose 19,5) sehen

Die Antwort auf die Frage „Welches sind die ältesten Texte, in denen Genesis 19,5 als Homosexualität verstanden werden?:

ChatGPT

Die ältesten Texte, in denen Genesis 19,5 (die Geschichte von Sodom) explizit als Verurteilung von Homosexualität interpretiert wird, stammen nicht aus der hebräischen Bibel selbst, sondern aus späteren jüdischen und frühchristlichen Auslegungen. In Genesis 19,5 steht (Aus dem Hebräischen übersetzt):
„Wo sind die Männer, die zu dir gekommen sind in dieser Nacht? Bring sie zu uns heraus, dass wir sie erkennen (וְנֵדְעָה אֹתָם).“
Das Wort „erkennen“ (yada) wird hier oft als sexuell konnotiert verstanden – was aber nicht zwingend ist. Die hebräische Bibel liefert selbst keine klare Interpretation, dass hier Homosexualität das Hauptproblem sei. Die Sünde von Sodom wird im Tanach später oft mit Gewalt, Ungerechtigkeit oder Unterdrückung erklärt (z. B. Hesekiel 16,49–50).

Hier eine chronologische Übersicht der frühesten bekannten Quellen von ChatGPT:
"1. Jüdische Texte aus dem Zweiten Tempel (ca. 2. Jh. v. Chr. – 1. Jh. n. Chr.)
Jubiläenbuch (ca. 2. Jh. v. Chr.): nennt „Unzucht“ als Sünde Sodoms, ohne Homosexualität explizit zu erwähnen.
Philo von Alexandria (ca. 20 v. Chr. – 50 n. Chr.): interpretiert Sodom als Symbol sexueller Ausschweifung, inklusive „unnatürlicher“ Praktiken, was als Hinweis auf Homosexualität gelesen wurde.
Josephus Flavius (1. Jh. n. Chr.): schreibt, die Sodomiten hätten „Gäste vergewaltigen wollen“, erwähnt aber eher allgemeine sexuelle Ausschweifung als spezifisch homosexuelle Handlung.
➤ Philo ist vermutlich der erste, der deutlich in Richtung einer Interpretation von Genesis 19,5 als homosexuelle Handlung deutet, mit moralisch ablehnendem Unterton.

2. Frühchristliche Autoren
Brief des Judas (Neues Testament, ca. 80–100 n. Chr.): spricht von Sodom als einem Ort, wo man „anderem Fleisch nachging“ (Judas 7) – was später oft als homosexuelles Begehren gedeutet wurde.
Kirchenväter wie Tertullian, Augustinus, Johannes Chrysostomus (2.–5. Jh.) schreiben explizit von der „unnatürlichen“ Lust in Sodom und verbinden diese klar mit homosexuellem Verhalten.
Im frühen Christentum etabliert sich zunehmend die Deutung von Sodom als Symbol für homosexuelle Sünde.

3. Rabbinische Literatur (Midraschim, Talmud)
Die frühen rabbinischen Texte (Mischna, Talmud) konzentrieren sich mehr auf Gewalt, Gastfreundschaftsbruch, Grausamkeit, aber manche spätere Midraschim (ca. 6.–8. Jh.) sprechen auch von sexuellen Perversionen – teilweise mit homoerotischen Anspielungen.
Fazit:
Die älteste erhaltene Interpretation, die homosexuelles Verhalten explizit mit Genesis 19,5 verbindet, stammt vermutlich von Philo von Alexandria im 1. Jh. n. Chr.
Im Neuen Testament wird das Thema angedeutet (z. B. Judasbrief), aber erst in der patristischen Theologie (ca. 100 n. Chr. bis 750 n. Chr.) wird die Verbindung von Sodom und Homosexualität systematisch etabliert.
Die hebräische Bibel selbst legt den Schwerpunkt jedoch eher auf Gewalt, Ungastlichkeit und allgemeine moralische Verderbtheit.“

Als kurze Zusammenfassung:

Angenommene Lebenszeit von Lot und Abraham:ca. 2000–1800 v. Chr.
endgültige Redaktion der Thora ca. 6.–5. Jh. v. Chr.
Philo von Alexandria im 1. Jh. n. Chr.

ca. 2000–1800 v. Chr.
ca. 500 – 400 v. Chr.

ca. 20 v. Chr. – 50 n. Chr.

Zeitspanne von Abraham/Lot bis zur endgültigen Redaktion der Thora mindestens 1300 Jahre
Zeitspanne der endgültigen Redaktion der Thora bis Philo: mindestens 400 Jahre.

Zeitspanne von Abraham/Lot bis Philo mindestens 1800 Jahre.

Ein solches Verständnis des Verses 19:5 (Genesis 19:5) in einem homosexuellen Sinn gab es in den frühen Tagen mindestens 400 (gerechnet ab der endgültigen Redaktion der Thora  bis zum Beginn der christlichen Zeitrechnung) oder 1800 Jahre lang nicht (gerechnet ab der angenommenen Lebensspanne von Lot/Abraham bis zum Beginn der christlichen Zeitrechnung), mithin gab es so etwas damals nicht.


Die Qumran-Schriftrollen über Sodom und Lot und sein Volk

Die Antwort auf die Frage: „Was sagen die Qumran-Schriftrollen über Sodom und Lot und sein Volk?“ :

ChatGPT

Die Qumran-Schriftrollen (auch „Dead Sea Scrolls“ genannt) enthalten eine Vielzahl von Texten, die im Zusammenhang mit der hebräischen Bibel stehen, sowie viele Schriften aus dem Judentum der Zweiten Tempelzeit (ca. 200 v. Chr. – 70 n. Chr.). Einige dieser Texte beziehen sich auch auf die Erzählung von Sodom und Gomorra und Lot, wie sie aus dem Buch Genesis (Kap. 18–19) bekannt ist. In Qumran wird die Geschichte oft neu interpretiert oder moralisch ausgeschmückt.
1. Erwähnung von Sodom und Lot
Einige Texte aus Qumran, vor allem in den sogenannten Pescharim (Schriftkommentaren), sowie in moralischen und liturgischen Schriften, erwähnen Sodom als Symbol für extreme Bosheit, göttliches Gericht und moralischen Verfall.
Zum Beispiel:
4Q252 (Genesis-Apokryphon/Genesis-Midrasch): Diese Handschrift paraphrasiert und kommentiert Abschnitte aus Genesis. In Bezug auf die Geschichte von Lot und Sodom werden Details hinzugefügt oder moralisch interpretiert, zum Beispiel, dass die Stadt wegen ihrer „sündhaften Taten“ zerstört wurde. Der Text legt dabei ein starkes Gewicht auf Gesetzesbruch und Hochmut, weniger auf sexuelle Aspekte.
1QGenesis Apocryphon (1QapGen): Eine narrative Nacherzählung von Teilen der Genesis, darunter auch Lot und Sodom. Dieser Text ergänzt die biblische Erzählung mit zusätzlichen Einzelheiten: zum Beispiel, dass Lot als gerechter Mann dargestellt wird, der sich von der Verderbtheit Sodom bewusst distanziert.
2. Was war die "Sünde" von Sodom?
In den Qumran-Texten wird der Fokus der Kritik an Sodom oft auf folgende Punkte gelegt:

  • Hochmut und Reichtum (wie auch im Buch Ezechiel 16,49 angedeutet)
  • Gewalt, Unterdrückung, Gesetzlosigkeit
  • Ablehnung der Armen und Bedürftigen
  • Gotteslästerung und mangelnde Gastfreundschaft

Die berühmte Geschichte mit den zwei Engeln in Genesis 19 wird dabei selten explizit als Anklage wegen homosexueller Praktiken verstanden. Vielmehr betonen Qumran-Texte – wie auch manche prophetischen Schriften – soziales Unrecht und Gottesverachtung als Ursache für das Gericht über Sodom.
3. Lot als Vorbild
Lot wird in einigen Qumran-Texten positiv dargestellt, als jemand, der sich von der Sünde fernhält und den Geboten Gottes treu bleibt, ähnlich wie später in 2. Petrus 2,7 im Neuen Testament.
Fazit:
Die Qumran-Schriften:

  • bestätigen die biblische Geschichte von Sodom und Lot,
  • legen den Schwerpunkt auf moralischen, sozialen und religiösen Verfall, nicht speziell auf Sexualität,
  • stellen Lot als gerechten Mann dar, der das Böse meidet.

 

Der Sodom-Mythos
Gibt es einen Sodom-Mythos?

Die Antwort auf die Frage "Gibt es einen Sodom-Mythos und was besagt er?“:

ChatGPT

„Ja, es gibt einen sogenannten Sodom-Mythos, der besonders in den abrahamitischen Religionen (Judentum, Christentum und Islam) eine wichtige Rolle spielt. Er bezieht sich auf die biblische Geschichte von Sodom und Gomorra, die unter anderem in der Tora, der Bibel (Genesis 18–19) und auch in islamischen Überlieferungen im Qur'ân (z. B. Sure 11:77–83, Sure 29:28–35) erzählt wird. […]. Viele konservative religiöse Auslegungen sahen in der Geschichte eine Verurteilung von Homosexualität, da die Männer von Sodom Sex mit den männlichen Gästen wollten. Diese Interpretation hat stark zur Homophobie in religiösen Kontexten beigetragen. […] Moderne jüdische, christliche und muslimische Theologinnen, sowie viele Queer-Theologinnen, interpretieren den Mythos anders:
Es geht nicht primär um Homosexualität, sondern um Gewalt, Vergewaltigung, Machtmissbrauch, fehlende Gastfreundschaft und Ungerechtigkeit.
Die Bibel selbst bezieht sich an anderer Stelle (z. B. in Ezechiel 16:49) auf die Sünde Sodoms als Hochmut, Überfluss und Gleichgültigkeit gegenüber den Armen, nicht als sexuelle Perversion. [...]“


Was ist ein Mythos?

Unter einem Mythos versteht ChatGPT:

ChatGPT

„Ein Mythos ist mehr als nur eine „alte Geschichte“ – es ist ein sinnstiftendes Narrativ, das versucht, grundlegende Fragen des Lebens, der Welt und des Menschseins zu beantworten.“
und: 

„Ein Mythos ist eine symbolische Erzählung, die auf tiefere Wahrheiten über Mensch, Welt, Gott und Gesellschaft zielt – oft unabhängig davon, ob sie historisch „wahr“ ist.“

Unter einem Mythos wird hier daher etwas verstanden wie eine Fabel, Fantasie-Geschichte, Legende, ein Märchen, eine Sage oder Überlieferung ohne nachprüfbaren Hintergrund, aber kein Faktum, kein tatsächliches historisches Ereignis.

Und unter dem Sodom-Mythos wird hier daher die unter Christen und Muslimen gängige Vermutung verstanden, dass Lot bei einem Volk lebte, in dem die Männer durchweg homosexuell gewesen seien, eine Annahme, die unter Berücksichtigung von Evolution und Biologie absurd ist. Diese Situation könnte daher nur durch ein „Wunder“ entstanden sein, ein Begriff, den der Qur’ân nicht kennt. Und ein „Wunder“ könnte ja nur von Allah veranlasst worden sein, und damit wären die Männer für ihr Verhalten nicht verantwortlich.

Bevor wir jedoch voreilig eine Passage im Qur'ân als die Beschreibung eines „Wunders“ im Sinne von etwas Übernatürlichem, außerhalb von Naturgesetzen und von natürlichen Abläufen Stehendes, deuten, sollten wir uns zunächst bewusst machen, dass der Qur'ân eine klare Aussage macht über Allahs Wirken in Seiner Schöpfung. Es heißt in (35:43) u.a.

فَلَن تَجِدَ لِسُنَّتِ اللَّهِ تَبْدِيلًا ۖ وَلَن تَجِدَ لِسُنَّتِ اللَّهِ تَحْوِيلًا
„Und du wirst in Allahs Vorgehensweise (arab.: fî sunnati`llâhi) keine Änderung finden, und du wirst in Allahs Vorgehensweise keinen Wechsel finden.“

Ebenso (30:30):

فَأَقِمْ وَجْهَكَ لِلدِّينِ حَنِيفًا ۚ فِطْرَتَ اللَّهِ الَّتِي فَطَرَ النَّاسَ عَلَيْهَا ۚ لَا تَبْدِيلَ لِخَلْقِ اللَّهِ ۚ ذَٰلِكَ الدِّينُ الْقَيِّمُ وَلَٰكِنَّ أَكْثَرَ النَّاسِ لَا يَعْلَمُونَ
So richte dein Gesicht aufrichtig zur Religion hin als Anhänger des rechten Glaubens, - (gemäß) der natürlichen Anlage Allahs, in der Er die Menschen erschaffen hat. Keine Abänderung gibt es für die Schöpfung Allahs. Das ist die richtige Religion. Aber die meisten Menschen wissen nicht.

Weitere ähnliche Passagen hierzu im Qur'ân sind: (17:77), (33:38), (33:62), (40:85) und (48:23).

Die allmähliche Durchsetzung des Sodom-Mythos

Wie sie in alten Sammlungen sichtbar wird, zeigt das Buch "Islam und Homosexualität im Qur’ân und der Hadîth-Literatur, Teil 2 mit dem Untertitel: Hadîth-Literatur, Die Überlieferungen“ auf rund 340 Seiten.
Ein Beispiel: Die aus dem Namen Lot, arabisch lûT, neu gebildeten Wörter lûTî (wörtl.: Anhänger Lots) und lûTiyya (wörtl.: die Tat, die Vorstellungen von Lot) als Bezeichnung für einen Homosexuellen bzw. Homosexualität setzten sich mit dieser verdrehten Bedeutung erst gegen Ende des 1./Anfang des 2. Jahrhunderts muslimischer Zeitrech­nung als Gelehrtenmeinung durch und zeigten sich in den Überlieferun­gen, die in der Regel nicht auf den Propheten zurückgeführt wurden, sondern aus der christlichen patristischen Theologie stammten.

Die ältesten bekannten Fälle homosexueller Lebensweise

Wie ist es möglich, dass - wie muslimische Sodom-Mythos-Anhänger oft annehmen - der männliche Teil der Bevölkerung homosexuell gewesen sei? Homosexualität ist nach allem, was wir wissen, keine Krankheit. Die Antwort darauf ist für Muslime, die der traditionellen Interpretation folgen, besonders schwierig: Sie gehen gemäß ihrem Qur’ân-Verständnisses oft davon aus, dass es vor Lot keine Homosexualität gegeben habe. Doch es gibt historische Belege, Texte, über Menschen vor Lot, die homosexuelle Beziehungen mit einander hatten (Encyclopedia of Homosexuality, Stichwort “Egypt, Ancient”). Mit anderen Worten: Auch diese Offenbarung Allahs spricht vor dem Hintergrund der historischen Belege gegen eine sexuelle Deutung.

Auch ChatGPT beantwortete die Frage: „Die ältesten Fälle homosexueller Lebensweise?“ mit Bezug auf Ägypten:

ChatGPT


„Die ältesten bekannten Fälle homosexueller Lebensweise reichen tief in die Geschichte zurück – lange vor der Moderne oder gar dem Mittelalter. Es gibt archäologische, literarische und künstlerische Hinweise auf gleichgeschlechtliche Beziehungen in vielen Kulturen weltweit. Hier ein paar bemerkenswerte Beispiele:
Altägypten (ca. 2400 v. Chr.)
Niankhkhnum und Khnumhotep: Zwei Männer, die als königliche Hofbeamte dienten, wurden in einem gemeinsamen Grab beigesetzt, das auffällig intime Darstellungen von ihnen zeigt – sie berühren sich Nase an Nase (eine intime Geste im alten Ägypten). Viele Forscher interpretieren ihre Beziehung als homosexuell oder zumindest als sehr eng partnerschaftlich.“ 

und: 

„Fazit: Homosexuelle Lebensweisen sind kein modernes Phänomen, sondern historisch weit verbreitet und vielfältig gewesen. In vielen Kulturen galten sie je nach Kontext als spirituell, normal oder zumindest toleriert – oft bevor spätere Gesellschaften durch koloniale oder religiöse Dogmen repressiver wurden.“

Wie könnte Homosexualität in Sodom entstanden sein? Über veränderte Erbeigenschaften bei einem Individuum, vielleicht sogar eine dominante? Es würde selbst dann eine Unzahl Generationen dauern, bis sie sich durchgesetzt hätte, zumal zudem homosexuelle Männer andere Männer als Geschlechtspartner vorziehen, so dass eine Weitergabe dieser Eigenschaft sehr spärlich sein würde. Und woher kamen die Frauen, von denen der Qur’ân spricht? Und wie konnte die Bevölkerung eine Stadt füllen - sie müsste eigentlich allmählich ausgestorben sein? Und Homosexualität müsste zudem mit der Vernichtung dieser Stadt beendet sein.

ChatGPT

Auf die Frage „Gibt es ein Gen für sexuelle Disposition?“ antwortete ChatGPT:
„Es gibt kein einzelnes „Gen für Homosexualität“ oder für eine bestimmte sexuelle Orientierung. Die sexuelle Disposition ist ein komplexes Zusammenspiel aus genetischen, hormonellen, epigenetischen und umweltbedingten Faktoren.[...]“, weiter: 

„Fazit: Die sexuelle Orientierung hat eine genetische Komponente, aber sie wird nicht von einem einzelnen Gen gesteuert. Vielmehr ist sie das Ergebnis einer komplexen Wechselwirkung zwischen Genetik, Hormonen und Umweltfaktoren. Es gibt also kein „Schwulen-Gen“, sondern eher ein biologisches Spektrum, das durch viele verschiedene Einflüsse geprägt wird.“


Da es „kein einzelnes „Gen für Homosexualität“ oder für eine bestimmte sexuelle Orientierung“ gibt, es gibt ebenso kein Gen für Heterosexualität oder jede andere sexuelle Disposition.

Über die Lage oder Überreste der Stadt Sodom gibt es keine wissenschaftlichen Erkenntnisse. Im Archäo­logisches Bibel-Lexikon von 1991, Hrsg. Avraham Negev, S. 412, heißt es dazu:
„Die Versuche S. [= Sodom] zu lokalisieren, blieben also bislang ohne Erfolg. Es wurde am Süd- oder Nord­ende des Toten Meeres vermutet und sogar auf seinem Boden. Der Name „S.“ [= Sodom] hat sich in dem arabischen Gebel Usdum, einem Bergrücken aus Salz nahe dem Südwestufer des Toten Meeres erhalten.“

Mit anderen Worten: Wir wissen nichts über die Stadt, und da selbst ihre Lage unbekannt ist, gibt es auch keine Schriftzeugnisse oder sonstigen Funde, die über das soziale Leben Auskunft geben könnten. Was über sie und ihre Bewohner später erzählt wird, ist damit nichts als bloße Spekulation, willkürliches Phanta­sie­gebilde.

Es gibt keine historisch verlässlichen Zeugnisse über Lot und sein Volk und das, was in ihrer Stadt geschah und was sein Volk wirklich tat. Es gibt nur eine Erwähnung im Alten Testament der Bibel, wo ein einziges Wort in einem der Bücher Mose zu einer verbreiteten Fehlinterpretation führte (die Quelle für bestimmte mawâlî-(موالي) –Überlieferungen).

Religiöse Verbote von Homosexualität?

Das Alte Testament
Es gibt 2 Stellen im AT: 3 Mose 18, 22-23 und 3 Mose 20, 13, die oft als Verbot von homosexuellem Verhalten verstanden werden.:
3 Mose 18, 22,:
וְאֶת־זָכָר לֹא תִשְׁכַּב מִשְׁכְּבֵי אִשָּׁה תוֹעֵבָה הִוא
Und du sollst nicht bei einem Mann liegen wie bei einer Frau. es ist eine Abscheulichkeit.
3 Mose 20, 13:
וְאִישׁ אֲשֶׁר יִשְׁכַּב אֶת־זָכָר מִשְׁכְּבֵי אִשָּׁה תּוֹעֵבָה עָשׂוּ שְׁנֵיהֶם מוֹת יוּמָתוּ דְּמֵיהֶם בָּם
Und wenn ein Mann bei einem Mann liegt, wie bei einer Frau, werden beide sterben; Ihr Blut soll auf ihnen liegen.

Es sicherlich nicht unwichtig, wer diese Verse liest. Jemand mit einem gewissen homophoben Hintergrund wird überzeugt sein, dass sie homosexuellen Verkehr verbieten, und er wird nicht weiter über den Wortlaut nachdenken.
In beiden Passagen wird – so wie ich sie auf Grund der deutschen Übersetzung verstehe - von einem Mann gesprochen, der bei einem Mann liegt, wie bei einer Frau, mit anderen Worten: Damit kann vom Wortlaut hier kaum ein Homosexueller gemeint sein.“

Das Neue Testament

In den 4 (kanonischen) Evangelien äußerte sich Jesus nicht zur Homosexualität und kennt als Sünde Sodoms allein die Missachtung des Gastrechts (Matthäus 10, 11 - 15, Matthäus 11, 23 – 24, Lukas 10, 10 - 12).

Dieser Befund deutet darauf, dass der Sodom-Mythos wie auch die Verbindung von Homophobie mit der Religion zur Zeit der Entstehung der Evangelien keine allgemeine Verbreitung fand, er auch nicht Teil der Lehre von Jesus war, sondern auf andere religiöse Strömungen zurückging, die dann ihren Weg über die mawâlî zu den Muslimen fanden und auch in andere Schriften des Neuen Testaments, jedenfalls nicht auf jene, auf deren Umfeld die Texte der Evangelien beruhen.

Unter dem Stichwort 'Gastfreundschaft' führt Reclams Bibellexikon, Seite 154 f., über die Bedeutung des Gastrecht in der Zeit des Alten Testaments Folgendes an:
"[...] Der Reisende war in der Antike vielfach auf die G. [Gastfreundschaft] angewiesen, die ihm unentgeltlich Unterkunft und Verpflegung bot. Sie zu verweigern galt als Schande [...], sie zu verletzen als Frevel [...]."

Zusammenfassung

Auch der Rückgriff auf die übliche Interpretation von Lot und seinem Volk im Qur'ân macht keinen Sinn, weil  diese im Sodom-Mythus behauptete Form und Ausprägung von Homosexualität historisch nicht nachweisbar ist.

Was es jedoch gibt, sind von Generation zu Generation weitergegebene erfundene Geschichten, die später willkürlich mit dem Qur'ân-Text verknüpft wurden. Es sind erdachte, d.h. unwahre Geschichten, Lügen. Und die Tatsache, dass sie jahrhundertelang wiederholt wurden, macht sie nicht zur Wahrheit.

Diese Geschichten entstanden viele Jahrhunderte nach Lot auf Grund eines einzigen missverstandenen Wortes in einem der Mose-Bücher des Alten Testaments.

Und erst in der christlichen patristischen Theologie in der Zeit von ca. 100 n. Chr. bis 750 n. Chr. zeigte sie sich unübersehbar im Sodom-Mythos. Da die Zeit für die endgültige Redaktion der Thora vermutlich das babylonische Exil oder kurz danach (6.–5. Jh. v. Chr.). war, gab es etwa 4 – 5 Jahrhunderte – soweit man es wissen kann – keinen Sodom-Mythos.

Die Aussage des Qur'âns

Zunächst: Es gibt keinen Vers im Qur'ân, auch gibt es keinen (im Wortsinn) authentischen ḥadîṯ, (ḥadîṯ ṣaḥîḥ – حديث صحيح), der Homosexuelle verurteilt oder ihre Lebensweise verbietet, es gibt daher auch keinen Vers über eine Bestrafung von Homosexualität.

Erlaubt (ḥalâl) und verboten (ḥarâm) im Qur'ân

Der Qur'ân untersagt zudem, etwas aus bloßer Willkür als erlaubt (ḥalâl) oder verboten (ḥarâm) zu erklären (16:116):

وَلَا تَقُولُوا لِمَا تَصِفُ أَلْسِنَتُكُمُ الْكَذِبَ هَٰذَا حَلَالٌ وَهَٰذَا حَرَامٌ لِتَفْتَرُوا عَلَى اللَّهِ الْكَذِبَ ۚ إِنَّ الَّذِينَ يَفْتَرُونَ عَلَى اللَّهِ الْكَذِبَ لَا يُفْلِحُونَ
„Und sagt nicht von dem, was eure Zungen als Lüge behaupten: "Das ist erlaubt (ḥalâl), und das ist verboten (ḥarâm)", um gegen Allah eine Lüge zu ersinnen. Gewiss, denjenigen, die gegen Allah eine Lüge ersinnen, wird es nicht wohl ergehen.“

Die Textstellen über Lot und sein Volk

Zunächst eine kurze Zusammenfassung des qur'ânischen Berichts:
Lot und seinen Anhängern wurde in der Stadt als Fremde das Gastrecht gewährt, so dass sie dort im Schutz, aber unter einschränkenden Bedingungen leben konnte. Als Lot aber weitere Fremde bei sich als Gäste aufnahm, kam es zum Eklat.
Unter dem Stichwort 'Gastfreundschaft' führt Reclams Bibellexikon, Seite 154 f., über die Bedeutung des Gastrechts in der Zeit des Alten Testaments Folgendes an:
"[...] Der Reisende war in der Antike vielfach auf die G. [Gastfreundschaft] angewiesen, die ihm unentgeltlich Unterkunft und Verpflegung bot. Sie zu verweigern galt als Schande [...], sie zu verletzen als Frevel [...]."

Die Bewohner der Stadt bilden offenbar eine Gemeinschaft, die nicht tolerieren kann, dass es Widerstand gegen bestimmte Aspekte ihrer Lebensform gibt, so dass Lot mit seinen Anhängern nur die Möglichkeit bleibt, in einem Haus zusammenzuleben, wenn sie sich davon fernhalten wollen. Zur Aufrechterhaltung ihrer besonderen sozialen und/oder kultischen Verhältnisse beschuldigen die Leute Lot der Lüge.

Lots Wirken offenbart die unduldsame Haltung der Bevölkerung und führt dazu, dass die Leute einander anstacheln, ihn aus der Stadt zu vertreiben. Niemand will zunächst dafür die Verantwortung übernehmen, da der Anlass anscheinend nicht ausreichend für eine solche Maßnahme ist. Doch wird ihm - wohl um für die Zukunft nicht ohne formale Handhabe ihm gegenüber zu sein - jede weitere Aktivität unter Androhung der Vertreibung untersagt. Außerdem darf er keinen Kontakt zu Außenstehenden aufnehmen. Damit soll offensichtlich verhindert werden, dass er Unterstützung und Schutz außerhalb der Stadt sucht.

Als Folge dieser Maßnahmen macht sich jeder Fremde verdächtig, der sich an ihn wendet oder gar als Gast zu ihm kommt. Diese Situation legt Lot äußerste Umsicht und Vorsicht im Umgang mit Fremden auf; denn jeder Besucher kann seine Lage unhaltbar machen.

Er befindet sich in einer schier ausweglosen Lage: Verhält er sich ruhig entsprechend den Auflagen der Stadt, so wird er seiner Aufgabe als Gesandter Gottes nicht gerecht, die Menschen zum rechten Weg aufzurufen. Setzt er hingegen seine Arbeit offen fort, so gefährdet er seine Sicherheit und die seiner Anhänger; und wird er infolgedessen vertrieben, so kann er ebenfalls seine Aufgabe bei diesen Menschen nicht mehr erfüllen.
Unter diesen schwierigen Gegebenheiten kommen die Gesandten zu ihm. Er kann und will ihnen das ihnen zustehende Gastrecht nicht vorenthalten, und Lot gewährt seinen Besuchern seinerseits das Gastrecht und nimmt sie auf. Ihm sind die Folgen bewusst, sagt dies auch seinen Gästen und erklärt ihnen seine Hilflosigkeit in dieser gefährdeten Lage.

Im Qur’ân wird die prekäre Lage Lots deutlicher. Ihm wurden von den Bewohnern der Stadt Außenkontakte verboten (15: 70). Als er dennoch Fremden durch sein Gastrecht Schutz gewährt (15: 68) spitzt sich die Lage zu. Die Stadtbewohner drängten ihn, es ihnen wieder zu entziehen (54: 37):

وَلَقَدْ رَاوَدُوهُ عَن ضَيْفِهِ فَطَمَسْنَا أَعْيُنَهُمْ فَذُوقُوا عَذَابِي وَنُذُرِ
Und sie versuchten, ihn von seinen Gästen abzuhalten. Daher blendeten Wir ihre Augen. "Kostet nun Meine Strafe und Meine Warnung."

Froh über diesen 'Verstoß' gegen ihre Auflagen kommen die Bewohner der Stadt zu ihm geeilt und wollen ihre Absichten ihm gegenüber verwirklichen. Zunächst suchen sie Lot zu veranlassen, sich von seinen Gästen abzuwenden und ihnen dadurch das Gastrecht zu entziehen, und wollen ihn auf diese Weise bloßstellen und in Schande stürzen. Denn gibt Lot nach, so setzt er sich vor seinen Gästen ins Unrecht, straft vor allen Leuten seinen Anspruch Lügen, ein zuverlässiger, vertrauenswürdiger Gesandter zu sein, und bestätigt damit den Vorwurf, ein Lügner gegenüber seiner Mission zu sein. Weigert er sich, muss er mit den angekündigten Gegenmaßnahmen rechnen. In dieser ausweglosen Situation versucht er, die Leute zum Einlenken zu bewegen, zumindestens die Vernünftigen unter ihnen, verweist auf seine Töchter und bietet sie als Garanten/Bürgen für sein und seiner Gäste Wohlverhalten an. Doch die Leute sind blind und trunken angesichts dieser günstigen Gelegenheit, sich seiner zu entledigen. Sie sehen nur die formalen Aspekte von Lots Verstoß, nicht aber die Unrechtmäßigkeit ihres eigenen Verhaltens. Sie lehnen folglich seinen Vorschlag ab und verweisen darauf, dass sie keinen Anlass sehen, aus seinem Verstoß gegen ihr Verbot ein Recht auf seine Töchter abzuleiten.
Die Gesandten hingegen versichern Lot, dass die Bewohner der Stadt ihn mit ihren Absichten nicht erreichen werden, sondern er sich zuvor von sich aus mit den Seinen aus der Stadt entfernen soll. Dann wird sie mit allen verbliebenen Bewohnern vernichtet.

Beziehen sich die Verse von Lot und seinem Volk auf Homosexualität?

Für einen Muslim darf und kann Basis für eine Antwort nur der Wortlaut des Qur’âns sein. Und es stellte sich die Frage, ob und inwieweit diese Sodom-Legende, die ja schon früh in Qur’ân-Kommentare gelangt ist, mit dem Wortlaut des Qur’âns zu vereinbaren ist. Eine entsprechende Analyse ergab für mich ein vergleichbares Bild. Im Qur’ân heißt es an einer Stelle (die angepasst an die gängige Deutung oft ungenau übersetzt wird), dass Lot zu seinem Volk (allen Männer und Frauen im Volk) sprach und es mit den Worten tadelte (sûra 7: Vers 81, 27: 55):

„Ihr kommt zu den Männern bei einem Begehren anstatt (oder: nicht auch) zu den Frauen“.

Lot versteht sich als „zuverlässiger Gesandter“ (rasûl amîn, 26: 162), so dass das, was er sagt, nicht im Sinne von ‚Stammtischparolen’ verstanden werden darf, indem er z.B. alle anklagt für ein Vergehen weniger unter ihnen.

Da der Ausdruck ‚Volk’, zu dem er spricht, in der Regel im Qur’ân alle Männer und Frauen umfasst, kann der Wahrheitsgehalt einer Interpretation als ausgeübte Homosexualität leicht überprüft werden, indem man das Wort ‚ihr’ (= das angesprochene Volk) durch die Bestandteile des Volkes (= Frauen bzw. Männer) ergänzt:

„Ihr Frauen kommt zu den Männern bei einem Begehren anstatt zu den Frauen“

(hiermit würde Lot - im Sinne einer Interpretation mit sexuellem Hintergrund - bei den Frauen heterosexuelles Verhalten tadeln),

„Ihr Männer kommt zu den Männern bei einem Begehren anstatt zu den Frauen“.

Da immer nur eine Minderheit unter Männern einer Population zu homosexuellen Beziehungen in der Lage ist, würde Lot damit auch die Mehrheit der heterosexuellen Männer ungerechtfertigterweise in seinen Tadel einbeziehen.

Die Anwendung eines Minimums an Logik sowie das Festhalten am bloßen Wortlaut des Qur’âns (Lot sagt ja nicht: „Ein Teil von euch Männern tut das“) zeigt, dass das übliche Interpretationsmuster einfach nicht dem arabischen Text entspricht, sondern ihm ziemlich gewaltsam übergestülpt wurde.

Das gilt sowohl für die Textstellen 7: 80, 81 und 27: 56, 57, wo als Beweggrund dafür, dass das Volk „zu den Männern kommt“, šahwatan = bei einem Begehren genannt wird. Anders als in den Versen 26: 165, 166 und 29: 28, 29, wo dieses Wort nicht erwähnt wird.

Zudem gibt es an zwei Stellen die Ergänzung (7: 80, 29: 28):

„Eine Abscheulichkeit, wie sie kein Geschöpf auf der Welt vor euch je begangen hat.“

Homosexuelles Verhalten gab es nachweislich vor der Zeit von Lot, so dass es in diesen Versen nicht gemeint sein kann (und ebenso ist es schöpfungsinhärent). Das Abstoßende muss daher etwas sein, wozu gleichermaßen die Frauen und Männer in der Lage sind, wenn sie ‚zu den Männern bei einem Begehren kommen anstatt (auch) zu den Frauen’.

Die Textstellen über Lot und sein Volk im Qur'ân:

Die Textstellen über Lot und sein Volk, seine Leute, in deren Stadt er mit seinen Anhängern und Verwandten unter eingeschränkten Rechten des Gastrechts lebte:
(6:86), (11:77-83), (15:57-77), (21:74,75), (26:160-175), (27:54-58), (29:26, 28-30, 33-35), (37:133-138), (51:31-37), (54:33-39), (66:10).
Bei den 4 Textstellen (7:80, 81; 27:54, 55; 26:161, 162; 29:28, 29), in denen Lot sein Vok tadelt, heißt es ausdrücklich:

وَلُوطًا إِذْ قَالَ لِقَوْمِهِ
„Und (Wir sandten) Lot, als er zu seinem Volk (
sein Volk, seine Leute, dazu gehören alle Männer und Frauen) sagte:“

Ob Lots Worte in seinem Tadel (7:81, 27:56) „Kommt ihr zu den Männern anstatt/und nicht zu den Frauen bei einem Begehren (arabisch: شهوة - šawatan)“ eine sexuelle Bedeutung haben, kann man sehr leicht durch Anwendung einfacher Logik prüfen: Sein Tadel richtet sich an القوم (al-qaum), das Volk, die Leute (d.h alle Männer und Frau­en). Wenn seine Worte auf beide Gruppen im sexuellen Sinne anwendbar sind, könnten sie eine sexuelle Bedeutung haben, wenn nicht, müssen wir diese Bedeutung ausschließen.

Angewendet auf die Frauen: Glaubt wirklich jemand ernsthaft, dass das beabsichtigte Ergebnis seines Tadels “kommt ihr zu den Männern anstatt zu/neben den Frauen” ist, dass Lot wollte, dass die Frauen sich lesbisch ver­halten? Warum sollte er das tun?

Eine dem Wortlaut des Qur'âns nähere Interpretation basiert darauf, dass die Männer im Volk eine bevorzugte Stellung in der sozialen Ordnung und im Rechtssytem hatten, was offenbar auch von den Frauen (mehr oder weniger freiwillig) akzeptiert wurde. So haben die Verse, die überwiegend in einer Weise verstanden werden, dass Männer zu anderen Männern wegen sexueller Anliegen kommen, die Bedeutung, dass sie zu ihnen kommen, um ihre materiellen Anliegen und Erwartungen voranzubringen, weil das auch nur durch privilegierte Männer erfolgen kann, ihnen eine Frau dabei also wegen ihrer sozialen und rechtlichen Minderstellung nicht helfen kann. Und Lot tadelt sie, die Männer und Frauen, dafür und zielt dabei auf Änderung dieser Zustände.
Dafür spricht ebenfalls der Vorgang, bei dem Lot dem Volk, den Männern und Frauen, seine Töchter als Garanten/Bürgen anbot, als die Leute (15:67-72) empört zu ihm kamen, weil er Fremden, nun seine Gäste, das ihnen zustehende Gast­recht gewährte.

وَجَاءَ أَهْلُ الْمَدِينَةِ يَسْتَبْشِرُونَ ‎
‏ قَالَ إِنَّ هَٰؤُلَاءِ ضَيْفِي فَلَا تَفْضَحُونِ ‎
وَاتَّقُوا اللَّهَ وَلَا تُخْزُونِ
‏ قَالُوا أَوَلَمْ نَنْهَكَ عَنِ الْعَالَمِينَ ‏
قَالَ هَٰؤُلَاءِ بَنَاتِي إِن كُنتُمْ فَاعِلِينَ
‎ لَعَمْرُكَ إِنَّهُمْ لَفِي سَكْرَتِهِمْ يَعْمَهُونَ
Und die Bewohner der Stadt kamen voller Freude.
Er sagte: "Das sind meine Gäste, so stellt mich nicht bloß.
Und fürchtet Allah und stürzt mich nicht in Schande."
Sie sagten: "Haben wir dir nicht die Weltenbewohner verboten (als Gäste aufzunehmen)?
Er sagte: "Hier sind meine Töchter, wenn ihr etwas tun wollt." 

 Bei deinem Leben, sie irrten wahrlich in ihrer Trunkenheit umher.

Er tat das sicherlich nicht, um ihnen seine Töchter für irgendwelche sexuellen Miss­hand­lungen auszuliefern, sondern um dem Volk damit zu gewährleisten, dass weder er noch seine Gäste irgend­welche illegalen Pläne verfolgen und ihm zu zeigen, dass Frauen auch als Garanten/Bürgen den Männern gleichgestellt sind.

In seinem Qur'ân-Kommentar (ابو جعفر ابن جرير الطبري: جامع البيان جامع البيان - abû ǧaʿfar ibn ǧarîr aṭ-ṭabarî: ǧâmiʿu-l-bayân) führt aṭ-ṭabarî (224 - 310 AH) eine Überlieferung an, die die hier vertretene Ansicht, dass seine Töchter  Garanten, Bürgen sind. Es heißt bei ihm: Er sagte: 'O mein Volk, dies hier sind meine Töchter. Sie sind reiner für euch (sûra hûd, sûra 11:78), also werde ich mit ihnen für meine Gäste vor euch bürgen (فأنا أَفْدِي ضَيْفي منكم بهنَّ) - (fa-anâ afdî ḍayfî min-kum bi-hinna)', und er forderte sie nur zu dem Erlaubten hin­sicht­lich der Ehe auf.“ Aber dieser Kommentar steht bei ihm sehr allein (aus dem Buch „Islam und Homosexualität im Qur’ân und der ḥadîṯ-Literatur, Teil 4, Untertitel: tafsîr-Geschichte, der Einfluss der mawâlî auf das Denken der Muslime, wie er sich in alten Kommentaren widerspiegelt“, S. 123).
Es gab also laut diesem Kommentar auch die Idee, dass Lot seine Töchter als Bürgen, Garanten für (das Wohlver­halten) sei­ner Gäste anbot: fadâ, yafdî = sich verbürgen, bürgen. Aber sie hat nie das Bild ersetzt, dass Lot seine Töchter dem Volk aus sexuellen Gründen angeboten habe. So stützte eine Fehlvorstellung die andere.

Die Behauptung, Lot habe zwei Töchter, ist in in vielen Kommentaren zu finden:
Der Qur'ân bezieht sich auf die Töchter Lots im Plural, nicht im Dual. Das Alte Testament dagegen spricht von zwei Töchtern (1 Mose 19,8, 19,16 und 19,30). Und bei aṭ-ṭabarî werden sogar angebliche Namen der beiden aufgeführt.

Auch verweist die Antwort der Leute (11:79), als Lot ihnen seine Töchter anbietet, auf etwas ande­res als in der traditionellen Interpretation behauptet, sie sagen

قَالُوا لَقَدْ عَلِمْتَ مَا لَنَا فِي بَنَاتِكَ مِنْ حَقٍّ وَإِنَّكَ لَتَعْلَمُ مَا نُرِيدُ ‎
: "Du weißt doch, dass wir kein Recht [= mâ la-nâ fî banâti-ka min ḥaqq, nicht: sexuelles Interesse] in Bezug auf deine Töchter haben, und du weißt auch, was wir wollen."

Die Meinung, dass nur die Männer gemeint seien, die Lot anspricht, und dass diese sexuelle Absichten gegenüber anderen Männern hätten, geht auf den sogenannten Sodom-Mythos zurück, phantasievollen erfundenen Geschichten, für die als einziger Beleg ein einziges missverstandenes hebräisches Wort im Alten Testament benutzt wird.

Die traditionelle Interpretation widerspricht auch der bestehenden Tatsache, dass nur eine Minderheit einer Population homosexuell ist, nicht ein ganzes „Volk“.

Die Idee, dass der Qur'ân Lots Volk der Homosexualität beschuldigt, stammt aus vormuslimischer Zeit und wurde durch die mawâli (Plural von maulâ) weitergegeben, Muslime, die früher Christen oder Juden waren und bald die Mehrheit der Muslime bildeten, und so in Qur'ân-Kommentare und als erfundene ḥadîṯe zu den Muslimen gelangte.

Aus ISLAM UND HOMOSEXUALITÄT, im Qur’ân und der Hadîth-Literatur, Teil 4, „tafsîr-Geschichte, Der Einfluss der mawâlî auf das Denken der Muslime, wie er sich in alten Kommentaren widerspiegelt“, S. 25:
„Viele dieser mawâlî sind in Bezug auf ihre Überlieferungen umstritten. Aber unabhängig davon beein­druckten sie ihre muslimischen Umwelt mit ihrem „Wissen“, das sie in ihrer früheren Zeit vor ihrer Konver­tierung erwarben und das für sie Grundlage vieler ihrer Deutungen ist. Nachdem sich der mus­limische Ein­fluss über Syrien und den Irak ausgebreitet hatte, nahmen zahlreiche der dort lebenden Menschen den Islam an. In diesen Ländern gab es die christlichen Kirchen und Gruppen von Juden. Neben einfachen Gäubigen gab es in der organisierten Kirche u.a. Gemeindeverantwortliche, Priester, Bischöfe, Mönche, Lehrer und andere, die einerseits eine religiöse Unterweisung erhielten und die andererseits, wenn sie ihre Religion wechselten, ihren alten Job und damit ihre Einkünfte verloren. Anders als die Mehrheit der arabischen Muslime genossen einige zuvor eine intensive religiöse Ausbildung und brachten ihr bisheriges Weltbild, diese Glaubens­sätze, Über­zeugungen mit sich. Wenn sie zum Islam übertraten, schlossen sie sich damals einem der arabischen Stämme als sog. mawâlî (Singular: maulâ) = Klienten an. Und durch ihr altes Wis­sen  waren sie für viele der weniger gebildeten arabischen Muslime bald gefragte Quellen, die das, was sie bei ihnen erfuhren, oftmals kritiklos übernahmen.“

Ein maulâ zu sein, ist an sich kein negativer Tatbestand oder ein grundsätzlicher Makel. Denn sie brachten Kenntnisse und Fähigkeiten mit, die sie in ihre neue Religion einbringen konnten, wenn sich - wie sich in der Unter­suchung der Qur'ân-Kommentare zeigte -, die Autoren an den Wortlaut des Qur'âns halten und keine phantasievollen Ergänzungen versuchen. Ganz anders verhält es sich jedoch, wenn spätere muslimische Gelehrte ihnen „Anleihen bei den ahlu`l-kitāb (Christen und Juden) vorwarfen“ oder „Rückgriff auf christliche und jüdische Quellen“, worin sich erkennbar ein starker Vorbehalt ausdrückt.

Muhammad Asad (The Message of the Qur'ân) vertritt die Ansicht, Homosexualität sei verboten und schreibt im Kommentar 50 zu (27:54) auf S 583: „So betonen Zamakhsharî [abū al-qāsim maḥmūd ibn ʿumar al-zamaẖšarī, ca. 1074–1144 (11./12. Jh.)] und Razî [faẖr ad-dīn muḥammad ibn ʿumar ar-rāzī, ca. 1149–1209 (12./13. Jh.)] den Grundsatz, dass eine Revolte gegen die von Gott gewollte Natur der Heterosexualität eine Revolte gegen Gott selbst sei.
Muhammad Asad beruft sich ganz klar nicht auf eine Aussage des Qur'âns, sondern auf eine Behauptung von muslimischen Autoren, und er übersieht, dass Homosexualität auch zu der "von Gott gewollten Natur" gehört. Diese darin geäußerte Ansicht lässt sich jedoch mit keinem Wort im Qur'ân belegen und hat daher einen ganz anderen ideengeschichtlichen Hintergrund.
Die Fakten der Schöpfung Allahs, zu denen homosexuelle Lebewesen gehören, sprechen zudem gegen diesen Standpunkt. Homosexuelle Menschen wenden sich mit ihrer Disposition nicht gegen Allah, sondern möchten lediglich ein ihrer Natur entsprechendes Leben führen.
Ebenso verfolgt er seine Erkenntnisse nicht zur Überprüfung des übrigen Qur'ân-Textes, wenn er in The Message of the Qur'ân, S.519, Kommentar 3, schreibt.: „Wörtl. „oder mit denen, die ihre rechten Hände besitzen (au mâ malakat aymânu-hum)“. Die meisten Kommentatoren nehmen an, ohne es zu hinterfragen, dass sich das auf weibliche Sklaven beziehe und die Partikel au („oder“) eine zulässige Alternative bezeichne. Diese herkömmliche Auslegung ist meiner Ansicht nach insofern ungültig, als sie auf der Annahme basiert, dass Geschlechtsverkehr mit der eigenen Sklavin ohne Heirat zulässig sei:“ Er fährt fort: „Da der Koran den Begriff „Gläubige“ in gleicher Weise auf Männer und Frauen anwendet und da der Begriff azwâǧ („Ehepartner“) sich ebenfalls sowohl auf die männlichen als auch auf die weiblichen Partner in der Ehe bezieht, gibt es keinen Grund, der Phrase mâ malakat aymânuhum die Bedeutung „ihre Sklavinnen“ zuzuschreiben; und da es andererseits ausgeschlossen ist, dass hier weibliche und männliche Sklaven gemeint sein könnten, ist es offensichtlich, dass sich dieser Ausdruck überhaupt nicht auf Sklaven bezieht, sondern dieselbe Bedeutung hat wie in 4:24 - nämlich "diejenigen, die ihnen durch die Ehe rechtmäßig gehören" (siehe Anmerkung 26 zu 4:24) - mit dem bedeutenden Unterschied, dass sich dieser Ausdruck im vorliegenden Kontext sowohl auf Ehemänner als auch auf Ehefrauen bezieht, die einander kraft der Ehe "rechtmäßig besitzen". [...]".

Es gibt weder im Qur'ân noch in der Schöpfung eine Beschränkung auf eine „von Gott gewollte Natur der Heterosexualität°. Und Muhammad Asad betont gleichfalls, die Regel der arabischen Sprache, dass der männliche Plural verwen­det wird, um beide Geschlechter anzusprechen, wenn er schreibt, dass „der Qur'ân den Begriff „Gläubige“ in gleicher Weise auf Männer und Frauen anwendet und da der Begriff azwâǧ („Ehepartner“) sich ebenfalls sowohl auf die männlichen als auch auf die weiblichen Partner in der Ehe bezieht, gibt es keinen Grund, der Phrase mâ malakat aymânu-hum die Bedeutung „ihre Sklavinnen“ zuzuschreiben“.


Muhammad Asad liefert damit weiteres Material, das bestätigt, was unter „Der Vers (30:21) über zwischen­menschliche Partnerschaften“ festgestellt wurde. Aber er vermeidet entsprechende, ihnen innewohnende Schlussfolgerungen, sodass er eine nicht-qur'ânische, auf heterosexuelle Einschränkung beruhende Sicht akzeptiert und über Homosexualität behauptet, sie „eine Revolte gegen die von Gott gewollte Natur der Heterosexualität“ und  „eine Revolte gegen Gott Selbst“

Hinweis zu dem Wort شهوة – šahwa

Ein kurzer Hinweis zu dem Wort شهوة – šahwa):
Das Wort šahwa kommt einschließlich der Verbformen an 13 Stellen im Qur’ân vor:
- šahwa (sing.): 7:81 und 27:55, d.h. der Singular erscheint nur im Zusammenhang mit dem Volk Lots und wird von Übersetzern, Kommentatoren überwiegend im sexuellen Sinn ver­stan­den.
- šahawât (pl.): 3:14, 4:27 und 19:59 (zur Bedeutung: s.u.)
- als Verbum (VIII. Stamm): 16:57, 21:102, 34:54, 41:31, 43:71, 52:22, 56:21, 77:42, das an keiner dieser Stellen einen sexuellen Nebensinn hat.
(3:14):

زُيِّنَ لِلنَّاسِ حُبُّ الشَّهَوَاتِ مِنَ النِّسَاءِ وَالْبَنِينَ وَالْقَنَاطِيرِ الْمُقَنطَرَةِ مِنَ الذَّهَبِ وَالْفِضَّةِ وَالْخَيْلِ الْمُسَوَّمَةِ وَالْأَنْعَامِ وَالْحَرْثِ ۗ ذَٰلِكَ مَتَاعُ الْحَيَاةِ الدُّنْيَا ۖ وَاللَّهُ عِندَهُ حُسْنُ الْمَآبِ
Verschönt ist den Menschen die Liebe [ḥubb] zu den begehrten [Dingen, Wünschen - as-šahawât]: Frauen, Kinder, aufgespeicherte Haufen von Gold und Silber, wohlgezüchteten Pferden, Viehherden und Saatfeldern. Das ist die Versorgung für dieses Leben; und Allah ist es, bei Dem die schönste Heimstatt ist.

Bubenheim und Elyas übersetzen (hier wird das Wort šahwa besser erkennbar) folgendermaßen:

Ausgeschmückt ist den Menschen die Liebe zu den Begierden, nach Frauen, Söhnen, aufgehäuften Mengen von Gold und Silber, Rassepferden, Vieh und Saatfeldern. Das ist der Genuss im diesseitigen Leben. Doch bei Allah ist die schöne Heimstatt.

Im diesem Vers (3:14) werden Frauen, Kinder, aufgespeicherte Haufen von Gold und Silber, wohlgezüchtete Pferde, Viehherden und Saatfelder als šahawât und als Versorgung Allahs für dieses Leben bezeichnet; und jenen, die Allah fürchten, wird - wie der folgende Vers zeigt - im Jenseits noch Besseres verheißen. An einer anderen Stelle, in (2:267), werden die irdischen Güter "gute Dinge" genannt, um von ihnen zu spenden.

Die gleichzeitige Nennung von anderen Wunschzielen neben den Frauen zeigt, dass auch hier kein sexueller (auch kein homosexueller) Aspekt des Begehrens (wie etwa das Wort Sinnenlust o.ä., das in manchen Übersetzungen der Verse von Lot und seinem Volk verwendet wird) im Vordergrund steht, sondern der Wunsch, das Begehren nach einer Vielzahl und nach wertvollen materiellen Dingen, und von Letzteren große Mengen von dem, was das Leben in deren Augen angenehmer und lebenswerter macht.
Der Ausdruck ' شَهْوَةً šahwatan' – bei einem Begehren -, den Lot gemäß dem Qur'ân in 2 der 4 Verse verwendet, in denen er sein Volk tadelt, dass sie zu Männern kommen, nicht (auch) zu Frauen, wird von Qur'ân-Übersetzern auf Grund des von ihnen akzeptierten Sodom-Mythos nur an diesen Stellen im homosexuellen Sinne verstanden, und sie übersehen im Zusammenhang mit dem weiteren Lot-Bericht, dass Lot damit den deutlich minderen Rechtsstatus der Frauen im Volk tadelt.

Das Wort 'šahwa' ist mehrdeutig und kommt einschließlich der Verbformen an weiteren 11 Stellen neben den beiden im Zusammenhang mit Lots Tadel im Qur’ân vor, an denen es jedoch nicht in einem sexuellen oder sogar homosexuellen Sinn verstanden wird. Im Vers (3:14) wird es in Verbindung mit unterschiedlichen Objekten genannt und umschreibt in allen Fällen das 'Begehren', 'Habenwollen' einer großen Menge.

Um zu erfahren, ob es Untersuchungen zur wechelseitigen Beeinflussung zur Bedeutung von Wörtern im Qur'ân durch Qur'ân-Kommentare auf die frühen arabischen Wörterbücher gab, wurde die folgende Frage an ChatGPT gestellt Die Idee dahinter war, dass der Sodom-Mythos mit seinem sexuellen Ansatz als akzeptierte Erklärung für die Geschichte Lots die Bedeutung vom Wort شهوة – šahwa beeinflusste und diese wiederum rückwirkend als Beleg für einen solchen Wortsinn verwendet wurde:

Gibt es den Einfluss des Korans, ca. 610 - 632 entstanden und ca. 644 - 656 kodifiziert, oder besser: gibt es Belege für den Einfluss der ältesten Koran-Kommentare auf die ältesten arabischen Wörterbücher, deren Verfasser ja nach dieser Zeit lebten? Beispiel: das Wort šahwa = شهوة"

Die Antwort von ChatGPT:

ChatGPT


Ja, es gibt durchaus interessante Belege und Forschung zu den Wechselwirkungen zwischen den ältesten Koran-Kommentaren und den arabischen Wörterbüchern, insbesondere wenn es um die Entwicklung und Präzisierung der Bedeutung von Wörtern geht. Die Frage nach dem Einfluss von Koran-Kommentaren (Tafsir) auf die Entstehung der arabischen Lexikografie ist dabei besonders relevant, wenn man bedenkt, dass sowohl der Koran als auch die ersten arabischen Wörterbücher in der Zeit nach der Sammlung des Korans und seiner Kodifizierung (ca. 644–656 n. Chr.) entwickelt wurden.
1. Der Koran und die Entstehung der arabischen Wörterbücher:
Die ersten Wörterbücher der arabischen Sprache wurden im Wesentlichen im 8. bis 9. Jahrhundert verfasst, etwa mit Werken wie "al-Ayn" von al-Farrāʾ (gest. 822) und "al-Muhkam" von Ibn Sīda (gest. 1066). Diese Werke zielen darauf ab, die Bedeutungen von Wörtern zu sammeln, ihre Etymologie zu erklären und oft auch regionale Varianten oder unterschiedliche Lesarten zu dokumentieren.
Gleichzeitig wurden zu dieser Zeit auch die ersten Tafsir-Kommentare des Korans verfasst, die die Bedeutung und den Kontext der koranischen Verse erklärten. Diese Tafsir-Werke beeinflussten die Wortbedeutungen, insbesondere in den Fällen, in denen der Koran Textstellen enthält, die mehrdeutig sind oder auf Wörter zurückgreifen, deren Bedeutung im klassischen Arabisch nicht immer eindeutig war.
2. Beispiel: Das Wort „šahwa“ (شهوة):  
Das Wort „šahwa“ bedeutet in der Regel „Lust“, „Begierde“ oder „Verlangen“. Es taucht in verschiedenen Kontexten im Koran auf und bezieht sich meist auf sinnliche Begierden oder das Verlangen nach weltlichen Dingen. In den Tafsir-Kommentaren wird das Wort oft im Zusammenhang mit den Verlockungen der Welt (dunya) oder der menschlichen Natur erklärt.
In den älteren arabischen Wörterbüchern wird „šahwa“ typischerweise als „körperliche Begierde“ oder als „Lust“ beschrieben, insbesondere in einem sexuellen Kontext. Diese Bedeutungen finden sich auch in den Tafsir-Kommentaren wieder, wo „šahwa“ häufig in Verbindung mit menschlichen Schwächen oder Versuchungen diskutiert wird.
Ein Beispiel für den Einfluss der Tafsir-Tradition auf die lexikalische Bedeutung findet man, wenn die Erklärung eines Koranverses, der „šahwa“ verwendet, detaillierte Einblicke in die feinen Unterschiede der Bedeutung des Wortes gibt. So könnte ein Kommentator wie al-Tabari (gest. 923) oder Ibn Kathir (gest. 1373) spezifische Kontexte hervorgehoben haben, die später auch die Definition und Verwendung des Begriffs in Wörterbüchern beeinflussten.
3. Der Einfluss der Tafsir-Kommentare auf die Wörterbuchdefinitionen:
Einige Wörterbücher, die nach der Zeit der ersten Tafsir-Kommentare verfasst wurden, integrieren die lexikalischen und semantischen Entwicklungen, die durch die Tafsir-Tradition geprägt wurden. Diese Kommentatoren könnten eine spezifische Bedeutung von „šahwa“ aus dem Koran und seinen Kommentaren übernommen haben, und sie halfen somit, die präzisere und kontextualisierte Bedeutung von Wörtern im klassischen Arabisch zu etablieren.
Die Wörterbuchverfasser stützten sich auf die Tafsir-Kommentare als eine Art kanonische Quelle für die richtige Interpretation von Wörtern im Koran. Diese Bedeutungsklärung konnte dann auf die Definitionen im Wörterbuch übertragen werden, um die korrekte Interpretation der Begriffe zu sichern.
Fazit:
Die ältesten Koran-Kommentare (Tafsir) hatten definitiv Einfluss auf die Entstehung und Entwicklung der arabischen Lexikografie. Sie gaben den Verfassern der ersten arabischen Wörterbücher eine wertvolle Grundlage, um die Bedeutung von Wörtern im Kontext des Korans präzise zu definieren. Der Fall des Wortes „šahwa“ zeigt, wie Wörter, die im Koran verwendet wurden, nicht nur aus einem rein linguistischen, sondern auch aus einem theologischen und kulturellen Kontext heraus verstanden wurden, was wiederum die lexikalische Definition beeinflusste."

ChatGPT gibt als Fazit an: „Die ältesten Koran-Kommentare (Tafsir) hatten definitiv Einfluss auf die Entstehung und Entwicklung der arabischen Lexikografie. Sie gaben den Verfassern der ersten arabischen Wörterbücher eine wertvolle Grundlage, um die Bedeutung von Wörtern im Kontext des Korans präzise zu definieren. Der Fall des Wortes „šahwa“ zeigt, wie Wörter, die im Koran verwendet wurden, nicht nur aus einem rein linguistischen, sondern auch aus einem theologischen und kulturellen Kontext heraus verstanden wurden, was wiederum die lexikalische Definition beeinflusste.“
So ist davon auszugehen, dass die in den Kommentaren unter dem Einfluss des Sodom-Mythosdie stark sexuelle, im Falle der Verse von Lot und seinem Volk die homosexuell gefärbte Bedeutung, den weiteren Gebrauch bestimmte.

Zeitpunkt der Offenbarung von (3:14)

Dafür spricht auch der Zeitpunkt der Offenbarung von (3:14), (aus dem Buch „Islam und Homosexualität im Qur’ân und der ḥadîṯ-Literatur, Teil 4, Untertitel: tafsîr-Geschichte, der Einfluss der mawâlî auf das Denken der Muslime, wie er sich in alten Kommentaren widerspiegelt“:

Im Vorwort zu sûra 3 (âl ʿimrân), S. 65, The Message of the Qur'ân, von Muhammad Asad, heißt es u.a.:
„Diese sûra ist die zweite oder (nach einigen Autoritäten) die dritte, die in Medina offenbart wurde, offenbar im Jahr 3 AH: Einige ihrer Verse gehören jedoch zu einer viel späteren Periode, nämlich zum Jahr vor dem Tod des Propheten (10 AH).“

Vorwort sûra 4 (an-nisâ'), S. 100, The Message of the Qur'ân, von Muhammad Asad, u.a.
„Es besteht kein Zweifel, dass diese sûra in ihrer Gesamtheit in die Zeit von Medina gehört. In der Reihen­folge der Offenbarung folgt sie entweder unmittelbar auf âl ʿimrân [...]. Im Großen und Ganzen ist es jedoch am wahrscheinlichsten, dass sie im vierten Jahr nach der hiǧra offenbart wurde, obwohl einige ihrer Verse zu einer früheren und Vers 58 zu einer späteren Periode gehören könnten.“

Mit anderen Worten: Es ist nicht auszuschließen, dass der Vers (3:14) vor dem Vers (4:3), der sich auf die Situ­ation nach der Schlacht bei uḥud im Jahre 3 AH bezieht, in der viele muslimische Männer ihr Leben ließen und als Folge ihre Frauen Witwen und ihre Kinder Waisen wurden, offenbart wurde. Im Letzteren wird die maximale Anzahl der Frauen, die ein Mann heiraten darf, auf 4 beschränkt.

Fasst man die Angaben bei Abû 'Abdallāh al-Zanǧâni, Die Geschichte des Qur'an, Hamburg 1999, im Kapitel 'Die Datierung der Suren' (S. 50 - 55) über die Reihenfolge der Offenbarungen in Medina, hier mit weiteren Angaben bei Muhammad Asad über die betroffenen Suren, zusammen, so ergibt sich folgendes Bild:

al-baqara (sûra 2, außer Vers 281)
al-anfâl (sûra 8)                                ca. 2 AH
âl ʿimrân (sûra 3) mit Vers (3:14)
al-aḥzâb (sûra 33)                           ca. ab Ende 6 AH bis 7 AH
al-mumtaHanâ (sûra 60)                 in 7 AH - 8 AH
an-nisâ' (sûra 4) mit Vers (4:3)
usw.

Das bedeutet wohl, dass in Vers (3:14) wirklich eine große Zahl an Frauen angesprochen wird, die die Män­ner sich neben vielen Kindern usw. wünschten, so wie es vor der Offenbarung von (4:3) möglich war.“

Der Vers (30:21) über zwischenmenschliche Partnerschaften

Im Qur'ân (30:21) setzt Allah zudem alle zwischenmenschlichen Partnerschaften auf eine und dieselbe Stufe, ohne Ausnahmen und Einschränkungen:

وَمِنْ آيَاتِهِ أَنْ خَلَقَ لَكُم مِّنْ أَنفُسِكُمْ أَزْوَاجًا لِّتَسْكُنُوا إِلَيْهَا وَجَعَلَ بَيْنَكُم مَّوَدَّةً وَرَحْمَةً ۚ إِنَّ فِي ذَٰلِكَ لَآيَاتٍ لِّقَوْمٍ يَتَفَكَّرُونَ
„Und unter Seinen Zeichen ist dies, dass Er (männliche bzw. weibliche) Partner (ازواج) für euch (Männer und Frauen) aus euch selber erschuf, auf dass ihr (Männer und Frauen) Frieden bei ihnen findet, und Er hat Liebe und Zärtlichkeit zwischen euch gesetzt. Hierin sind wahrlich Zeichen für ein Volk, das nachdenkt.“

Im Qur'ân (30:21) beschreibt Allah alle sexuellen Partnerschaften unter den Menschen als gleichwertige, wünschenswerte, von Ihm so gewollte Verbindungen, wenn man nicht willkürlich einfache Regeln und Möglichkeiten der arabischen Sprache missachtet.

Damit diese Partner eine sexuelle Beziehung eingehen können, gibt es die Ehe, die daher analog auch für Partner des gleichen Geschlechts gilt; da sie im Wortlaut eingeschlossen sind.

Zwei Menschen werden im eigentlichen Sinn erst durch eine Ehe zu Partnern (ازواج , azwâǧ), und für zwei Menschen des gleichen Geschlechts gilt das ebenso per Analogieschluss (arabisch: قياس: - qiyās).

Der Qur'ân sagt hier, dass Allah (männliche und weibliche) Partner (ازواج) für euch (Männer und Frauen) aus euch selber erschuf:
Aus euch selber, nämlich aus jeweils einem Mann und einer Frau. Und wie wir wissen, wird ein kleiner Teil von deren Nachkommenschaft homosexuell und das auf Grund der in der Schöpfung angelegten Möglichkeiten. Und Allah erklärt alle, ausnahmslos alle, zu „Partnern (ازواج) für euch“, d.h jeder kann einen Partner/eine Partnerin unter ihnen finden.

Er bezeichnet sie als „Seine Zeichen“ und sagt im letzten Teil des Verses, dass es Zeichen für Leute seien, die nachdenken, wirklich nachdenken, und das bedeutet auch, kritisch nachdenken, hinterfragen, über den Inhalt des Verses und seine Auswirkungen auf das Leben der Menschen.

Der verwendete Plural أَزْوَاجً (azwâǧ) – Partner, Gatten, Gattinnen in dem Vers ist der Plural sowohl von زوج (zauǧ, m. – Teil eines Paares, Paar, Partner, Partnerin ...) als auch زوجة (zauǧa, f. – Partnerin, Gattin, ..), er ist somit geschlechtsneutral, umfasst beide Geschlechter. Ebenso spricht Allah hier zu allen Menschen, unabhängig von ihrem Geschlecht, da das Arabische die männliche Form verwendet, wenn Frauen und Männer angesprochen werden.

Der Ausdruck إِلَيْهَا – ilay-hâ – (hier wiedergegeben mit: bei ihnen) ist ein Femininum Singular und bezieht sich auf das vorstehende Wort أَزْوَاجًا  - azwâǧ – (Partner, Partnerinnen), ein arabisches Wort in gebrochener Pluralform. Dazu Carl Brockelmann, Arabische Grammatik, S. 94 f.: „...Auch die sog. (= so genannten) gebrochenen Plurale ... sind eigentlich bloß Kollektivformen. Die Sprache betrachtet sie als Singulare generis feminini und konstruiert sie demgemäß.“

Aus dem qur'ân-widrigen Verbot von Homosexualität seitens einiger Muslime resultieren zahllose unglückliche Zwangsehen, Selbsthass der Betroffenen und Selbstmorde.

Zu der Frage, ob eine Ehe ohne Kinder gültig sei, gibt es im Qur'ân eine klare Antwort. Einerseits sind alle Regeln für einen نكاح (nikâḥ = Ehe (-vertrag/-bund) bzw. زواج  (zawâǧ = Ehe, Partnerschaft) für alle gültig. Denn er macht die Menschen erst zu Partnern (ازواج , azwâǧ). Zumal es nirgendwo im Qur'ân ein Heiratsverbot gibt zwischen Menschen desselben Geschlechts. Ebenso ist und bleibt eine Ehe auch ohne Nachkommen gültig, Qur’ân Verse (42: 49, 50):

لِّلَّهِ مُلْكُ السَّمَاوَاتِ وَالْأَرْضِ ۚ يَخْلُقُ مَا يَشَاءُ ۚ يَهَبُ لِمَن يَشَاءُ إِنَاثًا وَيَهَبُ لِمَن يَشَاءُ الذُّكُورَ
أَوْ يُزَوِّجُهُمْ ذُكْرَانًا وَإِنَاثًا ۖ وَيَجْعَلُ مَن يَشَاءُ عَقِيمًا ۚ إِنَّهُ عَلِيمٌ قَدِيرٌ

Allahs ist das Königreich der Himmel und der Erde. Er schafft, was Ihm beliebt. Er beschert Mädchen, wem Er will, und Er beschert Knaben, wem Er will:
Oder Er gibt beides, Knaben und Mädchen; oder Er macht unfruchtbar, wen Er will; Er ist allwissend (und) bestimmt das Maß

Folglich sind unter einem نكاح  (nikâḥ) homosexuelle Verbindungen ebenso legal wie heterosexuelle. الحمد لله. Und der Vers schließt so alle ein, die heute oft mit LSBTIQ zusammengefasst werden. Überdies betont der Qur’ân im letzten Satz des Verses (30:21) mit den Worten "Zeichen für ein Volk, das nachdenkt" das Nachdenken:

Nachdenken statt einfach vorhandenen Meinungen zu folgen

Der Qur'ân hat mit der Akzeptanz diverser sexueller Partnerschaften einen ganz besonderen Ansatz:

Im Qur'ân (30:21) beschreibt Allah alle sexuellen Partnerschaften unter den Menschen als gleichwertige, wünschenswerte, von Ihm so gewollte Verbindungen, wenn man nicht willkürlich einfache Regeln und Möglichkeiten der arabischen Sprache missachtet. Damit diese Partner eine sexuelle Beziehung eingehen können, gibt es die Ehe, die daher analog auch für Partner des gleichen Geschlechts gilt. Er bezeichnet sie als „Seine Zeichen“ und sagt im letzten Teil des Verses, dass es Zeichen für Leute seien, die nachdenken, und das bedeutet auch, kritisch nachdenken, hinterfragen, über den Inhalt des Verses und seine Auswirkungen auf das Leben der Menschen.
Das gilt ebenso für alle anderen Fragen.

Die Position vieler Muslime, sich ohne nachzudenken auf überlieferte Ansichten der Vergangenheit zu berufen, steht im krassen Gegensatz zur Position des Qur'âns, der die Befolgung des Wortes Allahs anordnet (5:104):

وَإِذَا قِيلَ لَهُمْ تَعَالَوْا إِلَىٰ مَا أَنزَلَ اللَّهُ وَإِلَى الرَّسُولِ قَالُوا حَسْبُنَا مَا وَجَدْنَا عَلَيْهِ آبَاءَنَا ۚ أَوَلَوْ كَانَ آبَاؤُهُمْ لَا يَعْلَمُونَ شَيْئًا وَلَا يَهْتَدُونَ
Und wenn ihnen gesagt wird: 'Kommt her zu dem, was Allah herabgesandt hat, und zu dem Gesandten', sagen sie: 'Uns genügt das, worin wir unsere Väter vorfanden.' Und selbst wenn ihre Väter kein Wissen hatten und nicht auf dem rechten Wege waren!

Die Vorgeschichte der traditionellen Interpretation

In den traditionellen Interpretationen/Kommentaren gibt es eine bestimmte Ansicht über Homosexualität, über deren Verbot oder Zulässigkeit. In dem Buch „Islam und Homosexualität im Qur’ân und der ḥadîṯ-Literatur, Teil 4, Untertitel: tafsîr-Geschichte, der Einfluss der mawâlî auf das Denken der Muslime, wie er sich in alten Kommentaren widerspiegelt“,  werden 15 alte Qur'ân-Kommen­tare der ersten muslimischen Jahrhunderte zu den Themen „Lot und sein Volk“ untersucht, ebenso zur Geschichte von Josef (yûsuf) und Jakob (yaʿqûb) einschließlich dem Wort šahwa - Begehren darin.
In ihnen wird die Einstellung der Muslime zu mann-männlicher Liebe vorgezeichnet - ein weitgehend verheerendes Bild.

Nur mit Beklemmung kann man „Kommentare“ zur Kenntnis nehmen, die im Zusammenhang von Lot und seinem Volk auf anale Vorstellungen zurückgreifen, denn nichts davon finden wir im Qur'ân, aber alles im Detail im Text dieser Kommentare.

Als Übernahme aus vor-muslimischer Literatur taucht dort die Vorstellung von Analverkehr auf und ebenso, dass die Sodomiter auch mit ihren Frauen anal verkehrt haben sollen. Diese Idee wird darin als jüdisch-christliches 'Erbe' übernommen.
Solche Vorstellungen sind in 6 der 15 Kommentare zu finden.

Zu der Frage, ob Analsex im Qur'ân verboten sei, hier ein relativ kurzes Zitat aus dem Buch von Ali Ghandour „Liebe, Sex und Allah: Das unterdrückte erotische Erbe der Muslime“ S. 143 zu dem Vers (2:223):
„Eine andere Partei stützte ihre Interpretation auf die Geschichte eines Gefährten des Propheten, der seine Frau anal penetrierte. Danach fragte er den Propheten, ob seine Tat falsch gewesen sei. Als Antwort darauf wurde die Passage „Eure Frauen sind für euch ein Saatfeld. So kommt zu eurem Saatfeld [wann?] [wie?] [wo?] ihr wollt“ als Koranvers offenbart. Der Hauptvertreter dieser Interpretation war der Prophetengefährte und Sohn des zweiten Kalifen Ibn 'Umar (gestorben 693). Seine Position zur Zulässigkeit der Sodomie wurde von vielen Gelehrten Medinas verteidigt, darunter Malik, der Gründer der malikitischen Tradition, sowie seine führenden Schüler. Später versuchten Malikis jedoch, diese Einschätzung zu revidieren.“

Auf S. 142 gibt er zu dem arabischen Text den Hinweis: „Die Präposition annâ [arabisch: أَنَّىٰ ], die hier benutzt wurde, kann im Arabischen je nach Kontext wann, wie oder wo bedeuten.“

Obwohl die Mehrzahl der untersuchten Kommentare (9 von 15) keine sexuellen Vergehen bei Lots Volk kennt, sondern zum Teil eher bloße Unarten der Bewohner der Stadt Lots (sie ließen die Kleidung über den Boden schleifen, kauten Mastix (Harz vom Mastixbaum) und stellten unterwegs Fragen), war der Ein­fluss der übrigen 6 auf das Denken der Muslime größer und hat sich bis heute durchgesetzt, offenbar, weil durch deren Narrative das vermeintliche „Vorwissen“ der Menschen und deren Phantasie stärker an­ge­sprochen wird.

Weiter werden 16 alte Wörterbücher auf die Erklärung von dem Wort šahwa geprüft:
Diese ältesten erhaltenen Wörterbücher entstanden alle einige Zeit nach der Offenbarung des Qur'âns, so dass ein Einfluss des Sodom-Mythos und der Gedankenwelt der mawâli-Generation auf sie nicht ausgeschlossen werden kann.

Kopieren von Büchern erfolgte damals handschriftlich, da es den Buchdruck noch nicht gab. So konnten Kopisten Ergänzungen und 'Korrekturen' ja ohne weiteres einfügen. Ko­pie­ren bedeutete in der Vergangenheit, Bücher abzuschreiben - es war der einzige Weg weitere Exem­plare zu erstellen. Und das bot so die Möglichkeit, die Vorlage zu 'verbessern' und zu ergänzen.

So merkt Wikipedia beim ältesten erhaltenen Wörterbuch kitâb al-ʿain von al-ẖalîl ibn aḥmad an:
„Es gibt jedoch einige Zweifel daran, ob das Buch in seiner modernen Ausgabe das Original von al-Chalil ist, oder ein Werk, das basierend auf dem Original fortgeschrieben wurde.“

ḥadîṯe - الاحاديث

Was ist ein ḥadîṯ? Er ist eine Überlieferung, die auf den Propheten () zurückgeführt wird, auf das, was er tat oder sagte. Er besteht aus 2 Teilen, dem isnâd, der Überliefererkette, d.h. der Nennung der Personen, die ihn überlieferten, und dem matn, dem eigentlichen Text der Überlieferung.

Im Laufe der Zeit vermehrten sich „ḥadîṯe“ immer mehr, es gab bald Erfindungen und Fälschungen in ungeheurer Zahl.
Muslimische Gelehrte entwickelten als Folge davon die ḥadîṯ-Wissenschaften und formulierten unter anderem eine Art „
Faustregel“, wie man am besten authentische Überlieferungen von gefälschten unterscheidet.

Dr. muḥammad ʿaǧǧâǧu`l-ẖaṭîb führt in seinem Buch uṣûlu`l-ḥadîṯ - ʿulûmu-hu wa muṣṭalaḥu-hu, Seite 432 - 436, neben anderem folgende Regel auf über abzulehnende Überlieferungen (ähnlich Dr. ṣubḥiyyu`ṣ-ṣâliḥ ʿulûmu`l-ḥadîṯi wa muṣṭalaḥu-hu, S. 211).:
„3 - Das, was zum Wortlaut des Buches [= Qur’ân] im Widerspruch steht oder zu der über eine große Zahl von Wegen [arabisch: mutawâtir] überlieferten sunna oder zum iǧmāʿ. [...].“
Weiter sagt er in uṣûlu`l-ḥadîṯ - 'ulûmu-hu wa muṣṭalaḥu-hu, Seite 319:
"Die Gelehrten vertreten über die Aufstellung dieser Rangfolge (der Betraubarkeit von ḥadîṯen) die nachstehende Ansicht:

1.Rang: Der ṣaḥîḥ [der authentische ḥadîṯ], den al-buẖârî und muslim gemeinsam auswählten; das nennen die ḥadîṯ-Wissenschaftler muttafaq 'alay-hi [= worin (beide) übereinstimmen].
2. Rang: Der ṣaḥîḥ, den al-buẖârî allein aufweist, nicht jedoch muslim.
3. Rang: Der ṣaḥîḥ, den muslim allein aufweist, nicht jedoch al-buẖârî.
[.....]“.
Eine Untersuchung der ḥadîṯe, die als ein Verbot oder eine Verurteilung von Homosexualität verstanden wurden, zeigte, dass sie alle keine (im strengen Wortsinn) authentische ḥadîṯe sind. (im Buch: "Islam und Homosexualität im Qur’ân und der ḥadîṯ-Literatur", Teil 2 mit dem Untertitel: ḥadîṯ-Literatur, Die Überlieferungen. 

Auf der anderen Seite gibt es ḥadîṯe, die sowohl von al-buẖârî und muslim für ihre Sammlungen ausgewählt wurden, die also zur Kategorie muttafaq 'alay-hi gehören. Sie zeigen, dass homosexuellen Männern erlaubt war, sich in den Häusern der Frauen des Propheten aufzuhalten:

al-buhârî, ǧâmiʿu`ṣ-ṣaḥîḥ, nikâḥ 114, Band 3, S. 266

ḥaddaṯa-nâ ʿuṯmân ibn abî šayba

حدثنا ‏ ‏عثمان بن أبي شيبة


ḥaddaṯa-nâ ʿabda

حدثنا ‏ ‏عبدة


ʿan hišâm ibn ʿurwa

عن ‏ ‏هشام بن عروة

     61 - 146


ʿan abî-hi

عن ‏ ‏أبيه ‏

23/29 -  92/101 / ʿurwa ibnu`z-zubayr

ʿan zaynab ibna umm salama

‏عن ‏ ‏زينب ابنة أم سلمة


ʿan umm salama

عن ‏ ‏أم سلمة

          - 59/60

أن النبي ‏ ‏صلى الله عليه وسلم ‏ ‏كان عندها وفي البيت مخنث فقال ‏ ‏المخنث ‏ ‏لأخي ‏ ‏أم سلمة ‏ ‏عبد الله بن أبي أمية ‏ ‏إن فتح الله لكم ‏ ‏الطائف ‏ ‏غدا أدلك على ‏ ‏بنت ‏ ‏غيلان ‏ ‏فإنها تقبل بأربع وتدبر بثمان فقال النبي ‏ ‏صلى الله عليه وسلم ‏

‏لا يدخلن هذا عليكم

anna`n-nabiyya (ṣalla`llâhu ʿalay-hi wa sallam) kâna ʿinda-hâ wa fî`l-bayti muẖannaṯun fa-qâla`l-muẖannaṯ li-ahî umm salama ʿabdi`llâhi ibn abî umayya: in fataḥa`llâhu ʿalay-kumu` ṭ- ṭâ’ifa ġadan adullu-ka ʿalâ`bnati ġaylân fa-inna-hâ tuqbilu bi-arbaʿin wa tudbiru bi-ṯamânin wa qâla`n-nabiyyu (ṣalla`llâhu ʿalay-hi wa sallam):

lâ yadẖulanna hâḏâ  ʿalay-kum

Übersetzung:

Von umm salama,

dass der Prophet (ṣ.) bei ihr war, und im Haus war ein Schwuler [muẖannaṯ]. Da sagte der muẖannaṯ zu dem Bruder von umm salama, ʿabdu`llâh ibn abî umayya: Wenn Allah euch morgen den Sieg über [die Stadt] ṭâ’if ermöglicht, zeige ich dir die Tochter von ġaylân. Denn sie hat von vorne vier und von hinten acht [Fettfalten]. Und der Prophet (ṣ.) sagte:

Dieser soll nicht bei euch eintreten.

Das Wort muẖannaṯ ist offenbar das alte arabische Wort für jemanden, der sich nicht allein in seinem Verhalten von anderen Männern unterschied, sondern auch in seinem sexuellen Interesse.

Die Überlieferungen über muẖannaṯûn, die ungehinderten Zugang zu den Frauen des Propheten hatten, bezeugen dies unübersehbar, ebenso wie ʿâ’išas Einschätzung, dass sie zu denen gerechnet wurden, die der Qur’ân in (24: 31) als غَيْرِ أُولِي الْإِرْبَةِ - ġayr ûlî`l-irbati (Leute ohne Geschlechtstrieb) bezeichnet - aus Sicht einer Frau ist dies in dem Sinne korrekt, da diese Leute nach ihrer Erfahrung ja kein sexuelles Interesse an Frauen haben.

Soweit die Überlieferungen auf die als Zeugin des Vorfalls genannte Frau des Propheten, umm salama, zurückgeführt werden oder auf ʿâ’iša, die es direkt aus ihrem Mund erfahren haben kann, verbietet der Prophet nicht allen diesen Männern deren Häuser, sondern lediglich jenen, die über ihre Begegnungen zu anderen sprechen.

Das abschließende Fazit:

Es kann hier festgehalten werden:
Es ist sicherlich ausgeschlossen, dass Allah bei Seiner Offenbarung Sich auf Phantasiegeschichten bezogen hat, wie sie im Sodom-Mythos auftauchen und zweifelhafter Herkunft sind.

Wenn einige Muslime weiterhin behaupten, Homosexualität sei im Islam (auf Basis des arabischen Qur'ân-Textes und authentischer ḥadîṯe) verboten, dann sagen sie – vielleicht unwissend – die Unwahrheit, mit krasseren Worten: Sie verbreiten Lügen. Und sie tun das über die Offenbarung Allahs.

Homosexuelle Menschen schaden auf Grund ihrer besondere Form von Sexualität niemandem, sondern sie wollen ihr Leben gemäß ihrer fiṭra, ihrer natürlichen Anlage, führen, die Allah ihnen mitgab, so wie es den heterosexuellen Menschen ohne Einschränkungen zugestanden wird.

Es gibt keinen Vers im Qur'ân, auch gibt es keinen (im Wortsinn) authentischen ḥadîṯ, (ḥadîṯ  ṣaḥîḥ – حديث صحيح), der Homosexuelle verurteilt oder ihre Lebensweise verbietet.

Ebenso kann es keinen gültigen iǧmāʿ, einen consensus, eine Übereinstimmung (in welcher Form auch immer) in dieser Frage geben, weil die Basis dafür allein auf erfundenen Erzählungen beruht und nicht auf einem Wort des Qur'âns.

Lasst Vorsicht walten gegenüber traditionellen Meinungen.
Haltet euch nur an den Qur'ân und die unbestreitbaren Fakten!

Schlussfrage:

Die Bewohner von Sodom gelten als homosexuell. Das ist historisch nicht nachweisbar. Wodurch entstand die zugrunde liegende Homophobie?

Das Fazit in der Antwort von ChatGPT:

ChatGPT

Fazit: Wie entstand religiös geprägte Homophobie?
Religiöse Homophobie entstand nicht aus einem einzigen biblischen Text, sondern:

  • aus einer langen Geschichte von Körperfeindlichkeit, Sexualmoral und Machtausübung
  • durch Interpretationen, die Sexualität als sündhaft definieren
  • durch die politische und soziale Funktion, Abweichungen zu bestrafen

Die Verknüpfung von Homosexualität mit „Sünde“ ist nicht notwendig aus den Texten selbst, sondern wurde hineininterpretiert und institutionalisiert.


Hier endet der Beitrag "1 Die allmähliche Durchsetzung des Sodom-Mythos" in Fakten 2. 


2 Einige Anmerkungen dazu

Auf diesen Seiten sind viele Argumente aufgeführt, die klar belegen, dass die Ansicht vieler Muslime, dass Homosexualität im Islam (auf Basis von Qur-ân und authentischen ḥadîṯen) verboten sei, nicht korrekt ist, nicht den Tatsachen entspricht.
Wie die vorstehenden Aussagen von ChatGPT zeigen, ist es unbestreitbar, dass diese alte Ansicht auf die Übernahme vor-muslimischer Meinungen der patristischen Theologie, d.h. auf die sogenannten "Kirchenväter" der ersten christlichen Jahrhunderte, zurückgeht, sogar bis zu wörtlich übersetzten Aussagen.
Die "Kirchenväter" haben den Sodom-Mythos immer weiter ausgemalt mit abstrusen Lügenmärchen und surrealen Phantastereien, unabhängig von der Textlage im Alten Testament und den Aussagen von Jesus in den 4 Evangelien. Sie sind wohl auf deren negative Einstellung zur Sexualität zurückzuführen, und sie sind ohne jegliche historische Grundlage. Damit schufen sie auch eine strukturelle Homophobie, die mit diesen Hirngespinsten durch die Konvertierung von Christen und auch Juden die Muslime erreichte. Die Vertreter dieser traditionellen Meinung unter den Muslimen sind leibhaftig und unbestreitbar die Erben und Nachfolger der "Kirchenväter" und ihrer patristischen Theologie.

Nebenbei

In der Zeit der "Kirchenväter" entstand ebenso die seltsame Idee, Jesus sei Sohn Gottes in der Bedeu­tung, dass er selbst göttlich sei, und schließlich erfanden diese "Kirchenväter" die Trinität, Dreieinigkeit (diese Wörter sind ein Widerspruch in sich selbst: 3 = 1 ?) für ihre Vorstellungen, machten den Menschen Jesus zu einem Teil ihres Gottesbildes. Diese "Karriere" verdankt er der patristischen Theologie.
Laut Wikipedia, Trinität, entwickelte sich die christliche Trinitätslehre erst zwischen dem 2. und 7. Jahrhun­dert durch verschiedene Theologen und Synoden. Zentrale Meilensteine waren das Erste Konzil von Nicäa (325), das Erste Konzil von Konstantinopel (381) und das 11. Konzil von Toledo (675). [...] Eine christliche systematisch-theologische Trinitätslehre wird weder im Alten noch im Neuen Testament explizit entfaltet.
Dieser Zeit entstammt ebenfalls die
Ausformung des Abendmahls.  Karlheinz Deschner nennt es in seinem Buch 'Abermals krähte der Hahn', S. 292, einen kultischen Kannibalismus: Der Wein wandelt sich nach Meinung der Gläubigen in das Blut und das Brot in das Fleisch von Jesus. Und in dieser Vorstellung nahmen sie beides zu sich.
Eigentlich handelt es sich nicht um Kannibalismus, weil Jesus ja Teil der christlichen Gottesvorstellung wurde, und daher ist es eher eine Form der kultischen Theophagie = Verzehr bzw. Einverleibung Gottes.

Zwei Ansichten, die weder vom Judentum noch vom Islam akzeptiert werden.
Was die Muslime von den „Kirchenvätern“ durch Vermittlung des Sodom-Mythos insbesondere übernahmen:

Karlheinz Deschner schreibt in dem Buch 'Das Kreuz mit der Kirche, eine Sexualgeschichte des Christentums', S.332 f.:
„Später verteufelte Paulus [kein eigentlicher Apostel Jesu, sondern ein selbsternannter] die gleichge­schlechtliche Liebe von Männern und (an einer Stelle auch von) Frauen. Und meist mit Berufung auf ihn und das Alte Testament
verteufeln auch die anderen Kirchenväter Homosexualität, besonders Augustinus, heftiger Kirchenlehrer Johannes Chrysostomos; noch rabiater Kirchenlehrer Petrus Damiani; der Homosexualität für schlimmer hält als den Geschlechtsverkehr mit Tieren.“
Gustav Wyneken, Abschied vom Christentum, schreibt über Paulus, S.51 f.: „Paulus scheint es ausdrücklich abzulehnen, auf das etwaige Erdenleben dieses Jesus Gewicht zu legen (1. Kor). […]". Und S. 55: „Und es wird entscheidend ergänzt – durch des Paulus Schweigen über die geschichtliche Persön­lichkeit des Stifters, ihren Lebenslauf, ihre Wirksamkeit und sogar ihre Lehre. Diese sind […] offenbar für Paulus völlig unwichtig.“

Karlheinz Deschner in dem Buch: Abermals krähte der Hahn":
Auf Seite 314 f. heißt es im Zusammenhang mit der Vorgehensweise der älteren Kirchenväter, dass sie, "was in Wirk­lichkeit aber gar nicht darin stand, erst durch meist haarsträubende Allegorese hineindeuten, womit frei­lich die jüdischen Hellenisten, namentlich Aristobulos und noch mehr Philon [von Alexandrien, 15/10 v. Chr.; - nach 40 n. Chr. ], den Christen vorangegangen waren", um auf diese Weise Vorstellungen der Stoiker und anderer in biblische Geschichten hineinzulesen.“
Johannes Chrysostomos (349 / 344 - 407 n. Chr.)
Er geißelte in seinen "
Homilien zum Römerbrief" homosexuelle Handlungen auf das Schärfste und beschrieb sie als Sünde, die schlimmer sei als die von Ehebrechern, weil sie die Natur selbst verkehre.
Von Augustinus (354 - 430), stammen z.B. folgende Äußerungen zur Homosexualität:
Confessiones 3,8,15
"Die schändlichen Dinge
gegen die Natur, wie sie in Sodom begangen wurden, müssen überall und jeder­zeit verachtet und bestraft werden. Hätten alle Völker solche Dinge getan, würden sie des gleichen Verbre­chens vor dem Gesetz Gottes schuldig sein, der den Menschen nicht gemacht hat, sich gegenseitig so zu gebrauchen.",
Weitere Zitate von Augustinus, dem Erfinder des Gottesstaates:
De civitate Dei (Vom Gottesstaat), Buch XVI, Kapitel 30
„In
Sodom war die Unmäßigkeit so groß, dass Männer mit Männern Unzucht treiben wollten. Daher hat Gott ein Beispiel gesetzt, was mit denen geschieht, die sich so vergehen.“
De civitate Dei (Vom Gottesstaat), Buch XIV, Kapitel 24
„Das Fleisch, welches
gegen die Natur in Begierde entbrennt, ist Zeichen der Strafe der Seele, die gegen den Schöpfer rebelliert.“
De civitate Dei (Vom Gottesstaat), Buch XIV, Kapitel 15
„Denn wie schändlich ist die Lust der
Männer, wenn sie mit Männern schamlose Dinge treiben, wie sie auch in Sodom geschahen.“
In De civitate Dei (Vom Gottesstaat), Buch XIV, Kapitel 24 wird (s.o.) "
das Fleisch, welches gegen die Natur in Begierde entbrennt, ist Zeichen der Strafe der Seele, die gegen den Schöpfer rebelliert" genannt, offenbar die Basis für die Ansicht von Muhammad Asad in 'The Message of the Qur'ân' im Kom­mentar 50 zu (27:54) auf S 583: „So betonen Zamakhsharî [abū al-qāsim maḥmūd ibn ʿumar al-zamaẖšarī, ca. 1074–1144 (11./12. Jh.)] und Razî [faẖr ad-dīn muḥammad ibn ʿumar ar-rāzī, ca. 1149–1209 (12./13. Jh.)] den Grundsatz, dass eine Revolte gegen die von Gott gewollte Natur der Heterosexualität eine Revolte gegen Gott selbst sei".
                                                                                                     *****
Aus heutiger Sicht:
Die sexuelle Disposition ist jedem Lebewesen von Allah in der fiṭra mitgegeben und unabänderlich, sie ist von daher kein Verbrechen vor dem Gesetz Gottes. Was die Menschen in Sodom taten, weiß niemand, auch alttestamentliche Schriften berichten nichts davon, es sind Phantasieprodukte der Kirchenväter.
Vor allem lässt einen die Besessenheit der Kirchenväter, dass die von Gott geschaffene Natur des Menschen (lateinisch: natura) einen Bereich enthalten soll, der 'contra naturam' (gegen die Natur) sei, in kompletter Ratlosigkeit zurück.


Zurück zum Sodom-Mythos

Unter den frühen Muslimen bildeten bald die mawâlî, ehemalige Christen und Juden, die Mehrheit. Sie waren oft gebildeter als die arabischen Muslime. Sie brachten ihre alten Überzeugungen mit, wie z.B. den Sodom-Mythos der Kirchenväter einschließlich deren struktureller Homophobie. Und es gelang ihnen, vieles davon an erste Qur'ân-Kommentare weiterzureichen. Auf diese Weise gelangte dies an spätere Generationen der Muslime.
Es war als „Erbe“ aus ihrer Vergangenheit ein „Wissen“, das sie für wahr erachteten, und es gab somit auch keinen Anlass, den Wahrheitsgehalt und den historischen Hintergrund zu überprüfen.
So wurden diese Ideen der Kirchenväter bald zur Grundlage muslimischer Anschauungen, die sich bald in ihrem Denken als Lehre des Islams verfestigten.
Von den heutigen Gelehrten ist kaum einer willens oder in der Lage, die modernen Möglichkeiten in Bezug auf Literatur, Internetangebote usw. dafür zu nutzen, um den Wahrheitsgehalt und den historischen Hinter­grund ihrer Ansichten zu überprüfen. Lieber verbreiten sie überholte Denk-Konstrukte als islamische Lehre: Museale Vorstellungen sind ihnen lieber als reale Fakten, und sie wiederholen diesen Unsinn immer wieder ohne nachzudenken: Denn die "Autoritäten" vor ihnen machten es ja genauso.

Was sagt der Qur'ân dazu?

Der Qur'ân untersagt, etwas aus bloßer Willkür als erlaubt (ḥalâl) oder verboten (ḥarâm) zu erklären (16:116):

وَلَا تَقُولُوا لِمَا تَصِفُ أَلْسِنَتُكُمُ الْكَذِبَ هَٰذَا حَلَالٌ وَهَٰذَا حَرَامٌ لِتَفْتَرُوا عَلَى اللَّهِ الْكَذِبَ ۚ إِنَّ الَّذِينَ يَفْتَرُونَ عَلَى اللَّهِ الْكَذِبَ لَا يُفْلِحُونَ
„Und sagt nicht von dem, was eure Zungen als Lüge behaupten: "Das ist erlaubt (ḥalâl), und das ist verboten (ḥarâm)", um gegen Allah eine Lüge zu ersinnen. Gewiss, denjenigen, die gegen Allah eine Lüge ersinnen, wird es nicht wohlergehen.“

(5:104):

وَإِذَا قِيلَ لَهُمْ تَعَالَوْا إِلَىٰ مَا أَنزَلَ اللَّهُ وَإِلَى الرَّسُولِ قَالُوا حَسْبُنَا مَا وَجَدْنَا عَلَيْهِ آبَاءَنَا ۚ أَوَلَوْ كَانَ آبَاؤُهُمْ لَا يَعْلَمُونَ شَيْئًا وَلَا يَهْتَدُونَ
'Sie sagen: 'Uns genügt das, worin wir unsere Väter vorfanden.' Und selbst wenn ihre Väter kein Wissen hatten und nicht auf dem rechten Wege waren!'

Ihre Denkfaulheit, ihr eigensinniges und starrköpfiges Festhalten an Irrwegen muslimischer Denk-Entwick­lungen verursacht leidvolle Erfahren von gegenwärtig etwa 60 bis 120 Millionen von homosexuellen Musli­men weltweit, und sie verfestigen mit ihrer Haltung ein nicht korrektes Bild vom tatsächlichen Islam in den Köpfen vieler Menschen und vieler Muslime.

Kehren wir zurück auf den Boden islamischer Tatsachen: Islam ist nur die Lehre, die auf dem arabischen Text des Qur'âns und den - im Wortsinne - authentischen Ḥadîṯen beruht. Nur das ist Islam, und nicht die Vorstellungen, die muslimische Gelehrte in der Vergangenheit und noch heute aufgrund falscher Annah­men entwickeln und entwickelten.

Es gibt heute und gab eine Reihe Imame und Gelehrter, die sich gegen die Mehrheitsmeinung stellten, und manche wurden ermordet. Es gibt Gruppierungen und Web-Seiten von Muslimen, die sich für den wahren Islam einsetzen (siehe die Unterseite „Publikationen“). Viele andere Muslime verhalten sich still aus Angst vor den Drohungen der Vertreter der Mehrheitsmeinung. Was tun?

Wir können die halsstarrigen „Gelehrten“ immer wieder gezielt befragen, sie auf die anderen Argumente hin­weisen, ihnen klarmachen, dass der Einfluss auf muslimisches Denken in der Frühzeit des Islam durch damals vorhandene unhinterfragt akzeptierte Vorstellungen bei Menschen, die Muslime wurden, übergroß war: Die bekannten eingängigen Vorstellungen des Sodom-Mythos wurden einfach ungeprüft dem Text des Qur'âns "übergestülpt", sein Wortlaut beiseite gelassen.

Wir können uns zusammenschließen und gezielt immer wieder auf den Unsinn der alten Meinungen hinwei­sen, erklären, wie wenig sie durch historische Belege zu begründen sind und welche Unlogik in ihnen steckt, was Biologie und die Fakten der Schöpfung betrifft.

Über die Herkunft des Sodom-Mythos
Natur und Ordnung bei Augustinus zu den Begriffen:

  • contra naturam
  • παρά φύσιν
  • wider die Natur
  • gegen die Natur

Die folgende Tabelle enthält die Antworten aus mehreren Fragen an ChatGPT:

Laut Augustinus: Die Natur = Teil der Schöpfung Gottes

  • Die Natur ist von Gott geschaffen
  • Sie ist geordnet, zweckmäßig, rational aufgebaut.
  • Alles in der Natur hat eine Funktion – auch das Unscheinbare.
  • Der Mensch soll die Natur verantwortungsvoll nutzen – nicht missbrauchen.

Die Ordnung der Natur ist von Gott erschaffen und bestimmt

  • Gott ist der Schöpfer und Urheber aller Dinge, auch der natürlichen Ordnung.
  • Alles, was existiert, hat seinen Platz und seine Funktion innerhalb eines von Gott gewollten, göttlichen Ordnungsplans (ordo).
  • Jede Kreatur hat ihre bestimmte Rolle im Gesamtgefüge der Schöpfung.

Gott allein erkennt und setzt laut Augustinus die Ordnung der Natur vollständig und absolut fest. Menschen können sie teilweise erkennen, aber nicht bestimmen.
Der Mensch ist nach Augustinus mit
Vernunft ausgestattet – und gerade diese ratio erlaubt ihm, die Ord­nung in der Welt zu erkennen.
Die Vernunft führt zur Einsicht in die natürliche Ordnung.
Erkenntnis geschieht bei Augustinus nicht nur durch äußere Beobachtung, sondern vor allem durch ein inneres Erleuchtet-werden.
Alles, was vom Fortpflanzungszweck abweicht, ist „gegen die Natur“ (contra naturam). Gleich­geschlechtliche Handlungen fallen darunter.

Aus Sicht des Islams ist Gott der Schöpfer und Urheber aller Dinge, und damit auch der natürlichen Ord­nung.
Was die  natürliche Ordnung ist, kann
nur durch Beobachtung, Untersuchung usw. festgestellt wer­den (anders als Augustinus das sieht).
Was den Menschen in dieser Ordnung erlaubt ist, legt Gott durch Seine Aussagen im Qur'ân fest.
Für Augustinus und die anderen Kirchenväter enthält die von Gott geschaffene menschliche Natur (= lateinisch: natura) einen Bereich, der willkürlich als contra naturam bezeichnet wird, gegen die Natur gerichtet. Wieso? Wieso wird Gottes Schöpfung willkürlich zensiert?
Gott hat doch den Umfang, die Vielfältigkeit und Variabilität der natura (arabisch: فطرة) für die Lebewesen so gewollt! Aber von ihnen wird  willkürlich ein Bereich als contra naturam, gegen die Natur gerichtet, erklärt.
Dass die
natura in der Sexualität ausschließlich der Fortpflanzungszweck ist, ist aus ihr nicht ableitbar, und eine solche Ansicht blendet alles andere darin aus, was ebenfalls Teil dieser Natur ist.
Über den
Sodom-Mythos der Kirchenväter gelangte dieser frei erfundene Standpunkt zu den Muslimen, den diese nicht weiter hinterfragten. Sie machten ihn zur alleinigen Grundlage der Qur'ân-Kommentierung ohne zuvor den kompletten arabischen Text des Qur'âns zu berücksichtigen.
Wie kann es sein, dass die Natur eines Lebewesens (
fiṭra, arabisch: فطرة), seine Veranlagung, eine Gabe, die Allah ihm jeweils in bestimmter Form mitgibt, etwas enthalten kann. was "gegen die Natur" (= arabisch: ضد الفطرة) gerichtet ist, also etwas, das als fiṭra im Gegensatz zu ihr selbst steht?
Was Natur (natura, fiṭra, (arabisch: فطرة) ist, hat Allah in den von Ihm geschaffenen Fakten dargelegt.


3  Zur Strafbarkeit von Homosexualität

Einleitend zu der Frage, wie die Deutungen der Bibel in den hellenistisch-jüdischen Kreisen und der patristischen Theologie, namentlich auch durch Philon, einzuordnen sind, äußert sich Karlheinz Deschner in dem Buch: Abermals krähte der Hahn.
Auf Seite 314 f. heißt es im Zusammenhang mit der Vorgehensweise der älteren Kirchenväter, dass sie, "was in Wirk­lichkeit aber gar nicht darin stand, erst durch meist haarsträubende Allegorese hineindeuten, womit frei­lich die jüdischen Hellenisten, namentlich Aristobulos und noch mehr Philon [von Alexandrien, 15/10 v. Chr.; - nach 40 n. Chr. ], den Christen vorangegangen waren", um auf diese Weise Vorstellungen der Stoiker und anderer in biblische Geschichten hineinzulesen.“

Ein paar Worte zur Strafbarkeit von Homosexualität:

Anders als im Qur'ân ausgesagt oder in authentischen Ḥadîṯen, wird von vielen Muslimen angenommen, dass Homosexualität verboten und zu bestrafen sei.


Warum sollten Homosexuelle denn bestraft werden? Sie sind homosexuell, weil Allah sie so und nicht anders geschaffen hat, ihnen ihre besondere fiṭra (فطرة) -  Natur, Veranlagung, angeborene Anlage für ihr Leben mitgegeben hat. Allah hat es so gewollt. Und mit dieser, ihrer fiṭra fügen sie niemanden einen Schaden zu, wenn sie im Rahmen einer Ehe mit einem ihnen gemäßen Partner zusammenleben.
Obwohl die Vorstellung der Strafbarkeit von Homosexualität auf die Akzeptanz und Weitergabe des Sodom-Mythos durch die mawâlî zurückgeht, dessen Historizität und Teil gültiger religiöser Lehre nicht belegbar ist, weder im Alten Testament, noch durch Aussagen von Jesus in den 4 kanonischen Evangelien, noch aufgrund realer historischer Belege. Der Sodom-Mythos wurde erst im 2. - 8. Jahrhundert christlicher Zeit­rechnung von den Kirchenvätern (der patristischen Theologie) zu monströsen Lügengeschichten geformt und ist bis heute sozusagen die "Bibel" muslimischer Gelehrter, wenn sie den Qur'ân kommentieren.
Oftmals wird von vielen Muslimen die Todesstrafe, d.h. die Steinigung, gefordert und idealerweise auf die Weise, Homosexuelle von einem erhöhten Ort hinabzustürzen, und wenn sie dann noch nicht tot sind, zusätzlich zu steinigen.
Es gibt hierzu weder einen Vers im Qur'ân noch einen einzigen (im Wortsinn) authentischen ḥadîṯ, (ḥadîṯ ṣaḥîḥ – حديث صحيح), – nichts. Deshalb nehmen manche an, dass die Beschreibung in der Geschichte von Lot und seinem Volk, so wie sie sie verstehen, und dessen Strafe doch die Vorlage für die Form dieser Strafe sein solle.
Wenn man sich die Geschichte anderer Völker im Qur'ân und deren Vernichtung ansieht, so wurde von mus­limischen Gelehrten aus deren Fehlverhalten und ihrer Art der Strafe keine Anwendung für spätere Misse­täter abgeleitet. Warum hat man sich bei dem, was man sich als Fehlverhalten von Lots Volk vorstellte, anders verhalten? (Eine mögliche Antwort: der Eindruck der "Vorlage" der Kirchenväter auf sie war über­mächtig).
Es gibt im Qur'ân z.B. die Geschichte von ṣâliḥ bei den ṯamûd (7:73-79) und die Geschichte von šuʿayb und den Bewohnern von madyan (7:85-93), die auf ähnliche Weise wie Lots Volk endeten.
Ein anderes Beispiel: Die Geschichte von Noah. Die Menschen, die nicht an seine Botschaft glaubten, wur­den ertränkt (z.B.: 7:59-64). Haben etwa Muslime für deren Vergehen die Strafe des Ertränkens abgeleitet?


Auf ähnliche Weise kam der Pharao mit seinen Leuten bei der Verfolgung von Mose ums Leben (2:50).
Ein ganz wichtiger Grund ist, dass die frühen Muslime und ihre Qur'ân-Kommentatoren die durch die christ­lichen sogenannten Kirchenväter ausgeschmückten Phantastereien als wahre Aussagen akzeptierten, ganz offensichtlich ohne sie akribisch zu prüfen, denn sie gehörten ja zu den mawâlî, konvertierte  Muslime, die zuvor Christen und Juden waren und ihre alten Überzeugungen weiter ungeprüft pflegten.
Und woher kam die Idee, verurteilte Homosexuelle von einem erhöhten Ort herabzustürzen, und wenn sie dann noch nicht tot waren, sie zu steinigen? Es gibt dazu keine Quellen, z.B. im römischen oder byzantini­schen Recht.


Dazu liefert Reclams Bibellexikon einen unübersehbaren Hinweis: Unter dem Stichwort „Steinigung“ heißt es auf S.472:
„Steinigung, die in Israel häufigste, sakrale Hinrichtungsart. Wieweit das in der Mischna [die Mischna, die erste schriftliche Fassung der mündlichen jüdischen Lehre, wurde im 2. Jahrhundert n. Chr. von Rabbi Jehuda ha-Nasi redigiert] beschriebene Verfahren der S. [= Steinigung] – man stürzte den Verurteilten von einer Mauer oder einem Felsen herab und ließ, wenn er nicht auf der Stelle tot war oder im Sterben lag, schwere Steine auf ihn niederfallen – schon in alttest. Zeit angewandt wurde, ist nicht bekannt. […].“
Sie sollte bei Gotteslästerung, Sabbatschändung. Wahrsagerei, Übertretung eines Tabu-Gebotes, Ehebruch und Ungehorsam gegenüber den Eltern angeordnet werden.
Frühe Neu-Muslime, vermutlich mit jüdischen Wurzeln, betrachteten als „gelehrige Schüler“ Homosexualität als ein großes Vergehen und damit Homosexuelle als zu dieser Gruppe gehörig. Mit anderen Worten, die patristische Theologie, d.h. die Kirchenväter und einige jüdische Gelehrte, waren Lehrer für muslimisches Denken, nicht der arabische Text des Qur'âns. Nun, ja.

Nebenbei:

In dem Buch Ansichten eines Muslims von Amin K. Waltter, gibt es den Beitrag 'Al-Azhar und Homo­sexualität (und Entgegnung' (auf Deutsch und Englisch)'. Er beruht auf einem Zeitungsartikel mit Übersetzung aus der ägyptischen Tageszeitung Al-Akhbâr vom 7.6.2013, Seite 14, über ein Treffen der Mitglieder des "Rates für Islamische Forschungen" unter dem Vorsitz des Scheich al-Azhar aḥmad aT-Tayyib über eine Moschee für Homosexuelle in oder bei Paris.

Darin behauptet Dr. yûsuf al-qaraḍâwî (1926 – 2022): "Die Strafe für denjenigen, der sexuell nicht normal ist, ist die Strafe für den Ehe­brecher. Doch sind die Rechtsschulen über die Strafe unterschiedlicher Mei­nung, die einen bestrafen denjenigen, der die Unzucht der Homosexualität begeht, mit der Strafe für den Ehebrecher und differenzie­ren zwischen dem Verheirateten und dem Unverheirateten und der Verheirate­ten und der Unverheirateten, die anderen sagen, für beide gilt ihre Strafe gleichermaßen,
einige sagen, wir werfen sie von einer Erhöhung - einem erhöhten Ort – hinab, wie es unser Herr mit dem Volk Lots machte, und einige Rechtsgelehrte sagen, wir verbrennen sie."

Wie gerade gezeigt wurde, ist dies eine ursprünglich jüdische Strafe. Und wie
ChatGPT sagte (12.09.2025) nach zahlreichen Recherchen: “ Ich habe nachgeforscht in öffentlichen Manuskriptkatalogen & digi­talen Bibliotheken, aber nichts Sicheres gefunden, das eindeutig belegt, dass eine bislang über­sehene Handschrift existiert mit einer vollständigen, durchgehend starken Isnād‑Kette für genau die Variante des Hadīṯs mit „vom höchsten Gebäude werfen + Steinewerfen, wenn noch lebendig“.

In der Gelehrtenrunde, an der Dr. yûsuf al-qaraḍâwî teilnahm, erhob niemand gegen seine Erklärung Ein­wände. Das bedeutet wohl, dass sie sie kannten, dass sie wohl zu ihrem eigenen Studienplan gehörte. Und sie hätten wissen müssen, dass sie nicht als Argument verwertbar ist.
So wird Falsches und auch Unsinn wiederholt und bildet eine eigene Form von Scheinargument, das widerspruchslos angeführt werden darf.

Wenn man nach nichtmuslimischen Zeugnissen in den Gebieten der Levante sucht, die über die frühe Zeit der Muslime
(aus dem 7. oder 8. Jahrhundert, dem 1. oder 2. Jahrhundert AH) berichten, so findet man nichts über eine Bestrafung von Homosexualität. Es gibt keinen bekannten christlichen Bericht, der eine konkrete Hinrichtung oder Bestrafung eines Muslims oder eines Nicht-Muslims wegen Homosexualität unter islamischer Gerichtsbarkeit beschreibt. Direkte zeitgenössische Berichte fehlen: Es gibt keine bekannten Schriften christlicher Autoren des 7. oder 8. Jahrhunderts, die die Bestrafung von Homosexualität durch die muslimische Justiz direkt beschreiben. Die Entwicklung juristischen Denkens bei den Muslimen und die Bildung der ersten Rechtsschulen wird in nachfolgenden ChatGPT-Texten klarer.

Mit anderen Worten: Erst durch den immer stärker werdenden Einfluss des Sodom-Mythos (den Unge­heuerlichkeiten der Kirchenväter) führten die neuen Muslime (die gebildeteren mawâlî) diese Vorstel­lungen in das muslimische Denken ein.


Die Entwicklung der Rechtsschulen (maḏâhib) und die Strafbarkeit von Homosexualität

Nachfolgend eine ausführliche Wiedergabe von Antworten von ChatGPT, da sie nicht unerheblich für eine Beurteilung sind, inwieweit der Islam auf Basis des Qur'âns und authentischer Hadîṯe tatsächlich homo­sexuelle Handlungen verbietet:
Auf die Frage:
„Welche konkreten Texte gibt es in muslimischen Quellen aus dem 1. oder 2. Jahrhundert nach der Hidschra, die islamische Urteile über Homosexualität dokumentieren? Gibt es aus dieser Zeit Berichte über Urteile zu Homosexualität bei den Muslimen?“
gab ChatGPT folgende Antwort:

ChatGPT

„Ja — es gibt in muslimischen Quellen aus dem 1. und 2. Jahrhundert nach der Hidschra (ca. 7. bis 9. Jahrhundert) mehrere Berichte und Rechtsmeinungen („fatwā‑/fiqh‑Literatur“, ḥadîṯ, Bericht über die Praxis der Gefährten etc.), die sich mit Homosexualität (oft „liwāt“, „amal qawm Lūt“ etc.) befas­sen, inklusive einiger Fälle und Urteilsvorschläge. Allerdings sind viele dieser Berichte umstrit­ten, schwach überliefert oder später in der Rechtstradition zitiert. Ich stelle hier die wichtigsten Beispiele zusammen, mit Einschätzungen zur Verlässlichkeit.“

Konkrete Berichte und Meinungen

1. Bericht über Abū Bakr und Khalid ibn al‑Walīd
Ein oft zitierter Fall: Khalid ibn al‑Walīd soll einen Mann gefunden haben, bei dem Homosexualität („liwāt“) vorlag, und habe Abū Bakr informiert; Abū Bakr habe dann angeordnet, diesen Mann zu verbrennen.
→ Quelle: Wird in späteren Rechts‑/Traditionssammlungen erwähnt, z. B. in Diskussionen über liwāt. Islam-QA+2Docslib+2
→ Bewertung: Viele Gelehrte halten den Bericht für schwach (z. B. wegen mangelnder Authenti­zität, nicht beweiskräftiger Isnad) und sehen ihn eher als Teil juristischer Diskussionen als historisch gesicherten Fall. Insbesondere wird diskutiert, ob die Tat wirklich Homosexualität war, oder ob andere Faktoren (z. B. Apostasie, Verrat etc.) hinzukamen. Cambridge University Press & Assessment+1

2. ḥadîṯe‑/Rechtsschulenmeinungen über Strafe für liwāt
Es gibt verschiedene Rechtsschulen und frühe Rechtsgelehrte, die unterschiedliche Strafen für liwāt diskutierten:
Einige Juristen betrachteten liwāt als ähnlich zu zina (Ehebruch), und sahen eine härtere Strafe vor, inklusive Exekution, z. B. mit dem Schwert, Steinigung oder Verbrennen. Docslib+2MDPI+2
Andere hielten liwāt für eine Tat, die nicht unter die festen Strafen (ḥudūd) fällt, also eher unter taʿzīr, also eine durch den Richter bestimmte Bestrafung. Das konnte Peitschenhiebe, Verbannung, Geld­buße etc. sein. Docslib+1

3. „Sexual Passivity Report“ / Bericht über Passive Rolle
Eine Quelle, die später in der Rechtstradition zitiert wird, nennt einen Bericht, dass jemand „penetra­ted like a woman“ wurde, und dass Khālid ibn al‑Walīd Abū Bakr informiert habe, es gab Überlegun­gen zu Verurteilung und Berichte über Verbrennung. Cambridge University Press & Assessment
→ Bewertung: Dieser Bericht erscheint erst später in nicht‑rechtlichen oder sekulären/erzäh­lenden Texten (Adab‑Literatur, Literatur über Sitten), und viele frühe ḥadîṯ‑Sammelwerke oder Werke wie Mālik’s Muwaṭṭaʾ etc. erwähnen solche Fälle nicht in der frühen Schicht
Cambridge University Press & Assessment

4. Mukhannathūn (= muẖannaṯûn) Berichte
Es gibt auch Berichte über mukhannath (eine Bezeichnung für Männer, die weiblich wirken oder passive Rollenzuschreibungen haben), die bestimmte Strafen erleiden oder aus dem Harem ver­bannt werden, wenn sie Frauen belästigen oder gegen Normen verstoßen. Diese sind allerdings meist nicht eindeutig Fälle von „voller sexueller Handlung“ gleichgeschlechtlicher Natur, sondern Grenzfälle in öffentlichem Verhalten, Belästigung etc. MDPI

Einschränkungen, Unsicherheiten

  • Schwierige Authentizität der Überlieferung: Viele solcher Berichte haben schwache oder frag­würdige Isnāds (Überlieferungsketten). Sie werden oft in späteren juristischen Debatten zitiert, nicht zwingend als historisch gesichert.
  • Mangel an guten Primärzeugnissen: In frühen ḥadîṯ‑Sammlungen und in sehr alten Rechts­texten gibt es nicht viele (oder keine) bestätigten Fälle, bei denen eindeutig ein homosexueller Akt mit Urteil und Strafe dokumentiert ist, wie man es für andere Straftaten findet.
  • Verschiedene Meinungen der Gelehrten: Schon sehr früh gab es Kontroversen: ob Homo­sexualität ein ḥadd‑Vergehen ist (mit festem Strafmaß) oder unter taʿzīr fällt. Je nach Rechtsschule variieren die Strafen stark.
  • Vermengung / Verwechslung mit anderen Tatbeständen: Manche Berichte könnten Homo­sexualität mit Apostasie, Verrat, öffentliches Ärgernis etc. vermischen. Auch rhetorische Übertrei­bungen oder symbolische Darstellungen sind möglich.

Fazit
Ja — es gibt muslimische Quellen aus dem frühen Islam, die über Urteile oder angebliche Urteile über Homosexualität (liwāt) berichten oder in denen Gelehrte solche Urteile diskutieren.
Aber kein Fall, der von allen Gelehrten als historisch gesichert gilt, und selten mit vollständigen, glaubwürdigen Gerichtsprotokollen. Viele der Berichte sind später kodifiziert in fiqh‑Debatten und Ḥadiṯliteratur, und ihre Authentizität ist häufig umstritten.
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Auf eine Nachfrage nach Fällen mit Originalquellenangabe (Ḥadiṯtext, fiqh Buch, Datum) führte ChatGPT 3 Fälle an (einen Ḥadiṯ, Meinung von Imam Malik und Ibn Hazm’ über liwāt, gab ChatGPT diese „Einschätzung:

  • "Rechtliche Theorie vs. dokumentierte Praxis: Viele Texte beschäftigen sich mehr mit der Frage: Was sollte die Strafe sein? (aus Sicht der Rechtsgelehrten) als mit welche Strafe wurde tatsächlich verhängt. Es ist oft Spekulation oder Normsetzung, weniger eine Beschreibung realer Gerichtsver­fahren.
  • Authentizität und Überlieferungskritik sind entscheidend. Manche ḥadîṯe, die Todesstrafe bei liwāt erwähnen, werden von vielen Gelehrten als schwach angese­hen. Auch Aussagen über Kalifen, die solche Strafen angeordnet hätten, haben häufig unklare oder fragwürdige Überliefe­rungs-ketten.
  • Variabilität der Meinungen: Verschiedene Rechtsschulen unterscheiden sich stark – etwa darüber, ob liwāt unter hadd (feste Strafe) fällt oder unter taʿzīr (richterliche Disziplinarmaß­nahme), und wenn ja, wie schwer.“

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Nach weiteren Untersuchungen gab ChatGPT diese Antwort:
„Was nicht gefunden wurde / kritisch zu beachten
Kein Fall, der sicher und unanfechtbar historisch dokumentiert ist, dass ein muslimisches Gericht in den ersten beiden Jahrhunderten nach der Hidschra (ca. bis ~820–850) tatsächlich jemanden verurteilt hat und verbrannt hat wegen Homosexualität, dort eine vollständige Prozessbeschreibung, Urteil und Durchführung überliefert.
Der „sexual passivity report“ wird
nicht in den frühesten ḥadîṯ‑ oder Fiqh‑Werken gefunden, die sich mit dem Thema liwāṭ befassen (z. B. nicht in Māliks Muwaṭṭaʾ etc.). Das deutet darauf, dass der Bericht später entstanden ist bzw. später stärker verbreitet wurde. Cambridge University Press & Assessment
Viele
Überlieferungsketten sind daʿīf (schwach) oder [es fehlt ein Überlieferer], und Gelehrte debat­tieren stark über deren Authentizität.Islam-QA+1


Ebenfalls Zeittabellen aus Antworten von ChatGPT:

Institutionelle Bildung (2.–3. Jahrhundert AH/ 8.–9. Jh. n. Chr.)

Hier beginnen sich die wichtigsten sunnitischen Maḏāhib formal um prominente Gelehrte und ihre Anhänger herum zu entwickeln:

Die Bildung der Rechtsschulen (maḏâhib)

Überblick (ChatGPT)

ChatGPT

Phase

Periode (AH / n. Chr.)

Was geschah


Frühe Einschätzung

1. Jahrhundert AH / 7. Jh. n. Chr.

Keine formalen Schulen, regionale Rechtspraxis


Bildung

2.–.3. Jh. AH / 8.–9. Jh. n. Chr.

Schulen bilden sich um bedeutende Juristen und ihre Ideen


Konsolidierung

3.–5. Jh. AH / 9.–11. Jh. n. Chr.

Doktrinen stabilisiert, staatliche Schirmherrschaft beginnt


Tabellarische Übersicht von ChatGPT über die Begründer der 4 großen Maḏâhib

ChatGPT

Schule

Gründer

Lebensdauer

Standort


Ḥanafī

Abū Ḥanīfa

      80 - 150 AH /            699 – 767 n. Chr.

Kufa (Iraq)


Mālikī

Mālik ibn Anas

ca. 93 - 179 AH / ca. 711 – 795 n. Chr.

Medina


Shāfiʿī

aš-Šāfiʿī

    150 - 204 AH /      767 - 820 n. Chr.

Mekka, Ägypten


Ḥanbalī

Aḥmad ibn Ḥanbal

    164 – 241 AH /         780 - 855 n. Chr.

Baghdad


Mit anderen Worten: Es war alles in Bewegung, und es wurde um den richtigen Weg gerungen: Und der Einfluss des Sodom-Mythos war größer als die Beschränkung auf die Aussagen des Qur'âns.

Das Ergebnis dieser bewegten Zeit liegt vor uns (s.o).

4 Einige Worte über die immense Arbeit und die Akribie von Hadîṯ-Sammlern

In den Büchern

  • ISLAM und HOMOSEXUALITÄT im Qur’ân und der Hadîṯ-Literatur, Teil 2, Ḥadîṯ-Literatur, Die Überlieferungen,

und

  • ISLAM und HOMOSEXUALITÄT im Qur’ân und der Hadîṯ-Literatur, Teil 3, Ḥadîṯ-Literatur, Ḥadîṯ-Wissenschaft, Überlieferer und Sammlungen

gibt es ausführliche Angaben hierzu.

Hier nur ein Überblick über mâlik ibn anas, aḥmad ibn ḥanbal und die „6 Bücher“, um einen Eindruck zu bekommen, wie viele Überliefer-ungen den Autoren zur Verfügung standen und die geringe Anzahl, die sie aufgrund ihrer jeweiligen Bedingungen auswählten:

ChatGPT

Autor

Daten­basis

Hadîṯe
ausgewählt

Hadîṯe ohne Wiederholungen

Prozent
%

Lebensdaten


mâlik ibn anas,
Rezension yaḥyâ

100.000

1.720

?

1,72

mâlik ibn anas, 93 – 179 h
yaḥyâ b. yaḥyâ al-masmûdî, starb 234 h


aḥmad ibn ḥanbal

750.000

50.000

40.000

5,33

164 – 241 h


al-buẖârî

600.000

9.082

2.602
2.607

0,4337
0,4345

194 - 256 h


muslim

300.000

ca. 10.000

3.030
3.033

1,010
1,011

204 - 261 h


ibn mâǧa

?

4.341

?

?

209 - 273 h


abû dâwûd

500.000

5.274

4.800

0,96

202 - 275 h


at-tirmiḏî

?

3.956

?

?

209 - 279 h


an-nasâ'î

?

5.761

?

?

215 – 303 h


Bei aller Wertschätzung der bedeutenden Arbeit von al-buẖârî und muslim haben muslimische Wissenschaft­ler sich mit deren Werken auch kritisch auseinandergesetzt:

Bei Goldziher, Muhammedanische Studien, Band II, S. 256 - 257, heißt es:
„...Trotz der allgemeinen Anerkennung, deren sich die SaHîHân [die beiden ṣaḥîḥ-Werke von al-buẖârî und muslim] im Islam erfreut hatten, verstieg sich die Verehrung dennoch niemals so weit, dass man es für un­statthaft oder unziemlich gehalten hätte, den in diesen Sammlungen einverleibten Aussprüchen und Bemer­kungen mit freier Kritik entgegenzutreten.“

Im Handwörterbuch des Islam heißt u.a. im Kapitel HADÎTH auf S. 150:
"So verfaßte z.B. 'Alî al-Dârakutnî ['alî ad-dâraquṭnî] (st. 385 = 995) ein Werk, in dem die Schwäche von 200 in den Sammlungen von al-Bukhârî und Muslim vorkommenden Überlieferungen nachgewiesen wird (vgl. Goldziher, a.a.O., II, 257)."

Auch M. Azami, Studies in Hadîth Methodology and Literature, S. 92, verweist darauf, dass kritische Gelehrte nicht immer mit dem Ergebnis von al-buẖârîs Arbeit übereinstimmten:
"Viele Gelehrte kritisierten buẖârîs Werk. Diese Kritik betrifft ungefähr 80 Überlieferer und etwa 110 aHâdîṯ. Die Kritik zeigte, dass diese aHâdîṯ, obgleich sie nicht fehlerhaft oder falsch waren, nicht dem hohen Stan­dard entsprachen, der von buẖârî aufgestellt wurde."

Über ibn mâǧa wird in The Encyclopaedia of Islam, Band III, S. 856:vermerkt:
"[...] Es [sein kitâbu`s-sunan] wurde kritisiert, weil es viele schwache (Da'îf) Überlieferungen enthält; man sagte sogar, dass alle Überlieferungen darin, die nicht in den fünf früheren Sammlungen vorkamen, nicht authentisch seien. [...].

M. Azami, Hadith Methodology and Literature, S. 105, 106:
"Seine Bücher enthalten 4.341 aHâdîṯ; von ihnen werden 3.002 von den anderen Verfassern der verbleibenden fünf Bücher verzeichnet, entweder von allen oder von einem von ihnen. Es bleiben 1.339 aHâdîṯ, die nur von ibn mâǧa verzeichnet wurden und nicht von den anderen fünf verzeichnet wurden.
Diese werden folgendermaßen eingestuft:
428 aHâdîṯ von 1.339 sind authentisch
199 aHâdîṯ von 1.339 sind gut [ein Begriff, der oft nur verdecken sollte, dass der Hadîṯ nicht  authentisch war,  jedoch für "wichtig" gehalten wurde]
613 von 1.339 haben einen schwachen isnâd
99 aHâdîṯ von 1.339 sind munkar [abzulehnen] und makḏûb [erlogen].
Die anderen Gelehrten wie abû dâwûd und at-tirmiḏî verzeichneten auch schwache aHâdîṯ, aber sie kennzeichneten sie meistens in ihrem Buch. Aber ibn mâǧa ging schweigend darüber hinweg, selbst wenn er einen gefälschten Hadîṯ verzeichnete."

Mit anderen Worten:
Bei aḥmad ibn ḥanbal sind die ausgewählten Ḥadîṯe (wohl wegen seiner weniger strengen Regeln) 5,3 %,
bei mâlik ibn anas ist der Prozentsatz 1,72 %,
laut den vorliegenden Zahlen betrachten vier Autoren der „Sechs Bücher” etwa 0,4 % bis 1,01 % ihrer gesammelten Überlieferungen als besonders betraubar.
Ḥadîṯ-Wissenschaftler raten zudem dazu, dass, wer noch sicherer gehen will, nur auf Ḥadîṯe zurückgreifen sollte, die auf Arabisch muttafaq 'alay-hi genannt werden, d.h. Ḥadîṯe, die beide Sammler, al-buẖârî und muslim, für ihre jeweiligen Bücher auswählten.
Aber auch sie sollten nicht leichtgläubig akzeptiert werden.

Nebenbei

Ḥadîṯe werden geprüft hinsichtlich ihres isnâd (Kette der Überlieferer) und matn (der überlieferte Text). Wenn jedoch beides glaubhaft gefälscht wurde, ist die Entscheidung entsprechend schwierig. Wer sich später auf den Namen des Ḥadîṯ-Sammlers beruft und nicht selbst nachdenkt, kann nicht immer sicher sein.

In dem Buch 'ISLAM und HOMOSEXUALITÄT im Qur’ân und der Ḥadîṯ-Literatur, Teil 3, Ḥadîṯ-Literatur, Ḥadîṯ-Wissenschaft, Überlieferer und Sammlungen' werden die Regeln zur Bewertung von Ḥadîṯen, die von muslimischen Ḥadîṯ-Wissenschaftlern entwickelt wurden im Detail aufgeführt.

Unter der Überschrift  
'Anmerkungen zu Überlieferungen über die „Himmelsreise“ Muhammads ()', S. 59, werden 2 Überlieferungen zusammenfassend wiedergegeben aus dem Buch von muHammad fu’âd ʿabdu`l-bâqî, al-lu’lu’u wa`l-marǧân, fî-mâ`ttafaqa ʿalay-hi`l-buẖârî wa muslim, Kairo, 2012 / 1494, S. 38 – 41, Überlieferung Nr.102 und 103. Das Buch enthält – wie der Titel sagt – Überlieferungen, in denen al-buẖârî und muslim übereinstimmten, die beide jeweils auswählten und von denen man davon ausgeht, dass sie besonders zuverlässige, authentische Texte seien. Als ich es damals bei einem Ägyptenbesuch in einem Buchladen in Alexandria entdeckte, griff ich sofort zu und hoffte, es auf deutsch übersetzen zu können, als ein Buch mit wirklich „gesunden“ Ḥadîṯen. Leider enthält das Buch nicht die vollständigen isnâde zu den Texten.

Der Qur’ân jedoch kennt keine „Himmelsreise“ des Propheten (), miʿrâǧ, sondern nur eine Nachtreise, isrâ’, zu der entfernten Moschee, al-masǧidu`l-aqṣâ (17:1), einem Gebetsplatz, der nicht näher beschrieben wird. Jerusalem wurde erst durch spätere Traditionen damit in Verbindung gebracht.
Während dieser „Himmelreise“ wird die Anzahl der täglichen Gebete festgelegt, von anfangs 50 auf 5.

Warum wird Muhammad () in dieser Überlieferung zu Allah geholt, während der Qur’ân auf anderem Wege offenbart wurde? War die Anzahl der Gebete wichtiger als der Qur’ân? Außerdem finden wir Festlegungen zu den Gebeten im Qur'ân und der sunna.
Nach einem dieser Ḥadîṯe befördert Gabriel Muhammad () mit einem speziellen Transportmittel (namens al-burâq = „weder ein Maultier noch ein Esel“), zum 1. Himmel (kein Wort aus dem Qur'ân).
Ein Einschub: Das hier verwendete Wort burâq wird unvokalisiert brâq geschrieben, man kann es auch barrâq (= glänzend, strahlend) lesen. Es könnte wohl auch ein glänzender Raumtransporter mit Licht­geschwindigkeit gewesen sein (= al-barrâq; das Wort ist zudem verwandt mit al-barq = der Blitz).

Am 1. Himmel und vor dem Betreten jedes weiteren Himmels werden sie einer Überprüfung von dem jeweils Verantwortlichen der Sicherheitszone (= des Himmels) unterzogen und erst eingelassen, nachdem sie die Vorladung glaubhaft gemacht haben.
Wieso sich die genannten Propheten in dem jeweiligen Himmel aufhalten, da doch alle gestorben sind und der Tag der Auferstehung noch nicht stattfand, wird nicht erläutert, auch nicht, warum sie sich überhaupt in dem jeweiligen Himmel aufhalten. Sind sie dort nur zu zweit, der jeweilige Prophet und der ẖâzin [= Kämmerer, Wächter?]? Und warum, was machen sie dort? Wozu findet die Begrüßung statt und warum wird sie in diesen Einzelheiten geschildert?

Nicht Muhammad (), obwohl er () zuvor aus einer goldenen Schüssel mit Weisheit und Glauben gefüllt wurde, sondern erst Mose wird klar, dass 50 tägliche Gebete eine Überforderung für die Menschen sind und schickt Muhammad () mehrfach,  um zu verhandeln, zum Machthaber zurück, der den Auftrag ohne Weiteres ebenfalls mehrmals reduziert und dann schließlich auf 5 tägliche Gebete festlegt.
Welches Bild wird hier von Allah gemacht? Er kennt doch Seine Schöpfung, und angesichts dessen fällt Er Seine Entscheidungen!
Selbst die Annahme, es handele sich um eine spirituelle Reise, deren Einzelheiten man nicht wörtlich zu nehmen habe, macht die Schilderungen um keinen Deut klarer, gibt weder eine Antwort auf die vielen Fragen noch die Widersprüche zu den Aussagen des Qur’ân.
Mir scheint, dass hier jemand einen „Ḥadîṯ“ erfand, um sich lustig über andere Muslime und über ihren Glauben zu machen.
Wer solche Erzählungen mag, soll sich an ihnen erfreuen, aber doch nicht gleich als authentische Ḥadîṯe ansehen.
Dies soll ein Beispiel sein, wie viel  kritische Distanz man zu behaupteten Ḥadîṯen halten sollte, dass man nachdenken sollte, bevor man sie akzeptiert, wenn selbst so scharfsinnige und sorgfältige Gelehrte wie al-buẖârî und muslim von ihrer Richtigkeit überzeugt waren.
Darüber hinaus gab es damals politische Motive, den Standort Jerusalem gegenüber Mekka durch erfundene Ḥadîṯe zu stärken. Und die oben besprochenen Texte fallen in diese Kategorie. Ignaz Goldziher, Muhammedanische Studiien, Zweiter Teil, Ueber die Entwickelung des Ḥadîth. Umejjaden und ʿAbbâsiden, S35, 36, aber auch darüber hinaus, in der er ziemlich dreiste Fälschun­gen beschreibt:
„Als der umejjadische Chalife ʿAbdalmalik aus Besorgnis darüber, dass sein in Mekka herrschender Rivale ʿAbdallâh b. Zubejr die nach den heiligen Stätten im Ḥiǧâz pilgernden Syrer zwingen könnte, ihm den Huldigungseid zu leisten, die Wallfahrt nach Mekka hintanhalten wollte, da griff er zu dem Auskunftsmittel der Lehre vom stellvertretenden Ḥaǧǧ zur Ķubbat al-ṣachra in Jerusalem. Er verordnete, dass an der geweihten Stätte in Jerusalem der obligate Umzug (ṭawâf) mit ebensolcher Giltigkeit geübt werden könne, wie ihn das muhammedanische Gesetz um die Kaʿba üben lässt. Dem frommen Theologen Al-Zuhrî wurde die Aufgabe zu theil,, die Berechtigung dieser durch politische Motive veranlassten Reform des religiösen Lebens durch die Erdichtung und Verbreitung eines auf den Propheten zurückgeführten Ausspruches zu erweisen, wonach es drei Moscheen gebe, zu welchen die Menschen wallfahrten mögen: die mekkanische, die medînensische und die in Jerusalem. Dieses Ḥadîth weist seine tendenziöse Schärfe in einem Zusatz auf, welcher – wie es scheint – zur ursprünglichen Fassung desselben gehört, aber später von der nivellirenden Orthodoxie in diesen und verwandten Sprüchen vernachlässigt wurde: „und ein  Gebet im Bejt al-maķdis von Jerusalem ist besser als tausend Gebete in anderen Heiligthümern)“, also auch in Mekka oder Medîna. Auch späterhin berief man sich auf ʿAbdalmalik, wenn man die jerusalemische Wallfahrt der mekkanischen gleichsetzen wollte, und die Syrer werden nicht müde, Ḥadîthe zu erdichten, in welchen die besondere Vorzüglichkeit des Besuches der syrischen Heiligthümer  und die Gleichwerthigkeit derselben mit den heiligen Orten des Ḥiǧâz dargethan werden sollte.[…]".


5 Welche Autoren, welche Bücher gibt es zum Thema 'Islam und Homosexualität'? (Frage an ChatGPT 27.08.2025)

Die Antwort von ChatGPT:
(Die im folgenden Text in dieser Farbe geschriebenen Wörter sind Links auf weiterführende Literatur im Internet: Mit rechter Maustaste anklicken und z.B. "Link in neuem Tab öffnen" wählen).

ChatGPT

Hier ist eine umfassende Übersicht renommierter Autoren und Bücher zum Thema Islam und Homosexualität. Ich habe Werke aus dem akademischen, essayistischen und persönlichen Bereich auf Deutsch und Englisch zusammengestellt:

Wichtige Werke (englischsprachig)

  • Parvez Sharma – A Sinner in Mecca: A Gay Muslim's Hajj of Defiance Eine autobiografische Auseinandersetzung mit Homosexualität, Glauben und Hajj im Kontext Wahhabismus und politischer Spannungen. Veröffentlicht August 2017. Wikipedia
  • Khaled El-Rouayheb – Before Homosexuality in the Arab‑Islamic World, 1500–1800. Eine historische Studie, die den Begriff „Homosexualität“ in den vormodernen arabisch-islamischen Kontext stellt. Wikipedia
  • Samar Habib (Hrsg.) – Islam and Homosexuality (2 Bände). Sammelwerk zu islamischen Perspektiven auf Homosexualität: Geschichte, Literatur, gesellschaftliche Debatten. bloomsbury.com
  • Scott Siraj al‑Haqq Kugle – Homosexuality in Islam: Critical Reflections on Gay, Lesbian, & Transgender Muslims

     Living Out Islam: Voices of Gay, Lesbian, and Transgender Muslims
      Beides herausragende Werke zur persönlichen und theologischen Befragung von Homosexuellen Identität im Islam. Erwähnt  in Empfehlungen von Queer Muslim Network.
MASGDReddit
      Afdere / Afdhere Jama – Queer Jihad: LGBT Muslims on Coming Out, Activism, and the Faith
      Essays und persönliche Berichte über den Weg zur Selbstfindung und Aktivismus als queer-muslimische Person. Queer Muslim Network MASGD

  • Amrou Al‑Kadhi – Unicorn: The Memoir of a Muslim Drag Queen. Eine packende Memoir über den Kampf um Selbstakzeptanz zwischen Religion, Drag-Kultur und Familie. Queer Muslim Network
  • Samra Habib – We Have Always Been Here: A Queer Muslim Memoir. Authentischer Erfahrungsbericht über queere muslimische Identität. MASGD+

Weitere erwähnte Titel laut Queer Muslim Network:

  • God in Pink (Hasan Namir), Halal Sex (Sheima Benembarek), Quran of the Oppressed (Shadaab Rahemtulla), Islamic Homosexualities (Will Roscoe & Stephen O. Murray) u. a. MASGD

Deutsche Fachliteratur

  • Ali Ghandour – Liebe, Sex und Allah: Das unterdrückte erotische Erbe der Muslime (2019). Analysiert historische Sexualmoral in muslimischen Gesellschaften, einschließlich Homoerotik und 19.‑Jahrhundert-Diskursen. Wikipedia
  • Michael Bochow & Rainer Marbach (Hg.) – Homosexualität und Islam. Koran. Islamische Länder. Situation in Deutschland (2003). Thematisiert insbesondere die Situation schwuler Männer mit Migrationshintergrund in Deutschland, ihre doppelte kulturelle Herausforderung und Perspektiven auf den Koran. salzgeber.shopMännerschwarm
  • Amin K. Waltter – Islam und Homosexualität im Qur’ân und der ḥadîṯ‑Literatur (mehrteilige Reihe, ab 2014). Eine detaillierte Analyse der primären islamischen Quellen (Qur’ân und ḥadîṯ) zur Frage der Homo­sexualität. Mehrere Bände verfügbar – u. a. Teil 1 (Qur’ân, 2014), Teil 2 (Hadith-Über­liefe­rungen, 2015), Teil 4 (Tafsîr-Geschichte, 2024). Thalia+1Lehmanns
  • Olfa Youssef – The Confusion of a Muslim Woman: On Inheritance, Marriage and Homosexuality (dt. Die Verwirrung einer muslimischen Frau…, 2008). Hinterfragt traditionelle islamische Normen, darunter anscheinend göttlich-deklarierte Verbote, etwa bei Homosexualität, Erbrecht oder Polygamie. Wikipedia

Aktuelle Berichte / Memoirs (News)

  • Lamya H – Hijab Butch Blues (Memoir, 2023). Erzählt die persönliche Suche nach Identität als queere muslimische Person – mit Quran-Bezügen und Erfahrungen zwischen Selbst und Gemeinschaft. Das Buch wurde vielfach ausgezeichnet. Them
  • Ludovic‑Mohamed Zahed – The Koran and the Flesh (dt. Der Koran und das Fleisch). Memoir über wachsende Homosexualität und religiöse Identität in Algerien, später in Frankreich, der arabischen Tradition und interkulturellen Toleranz. Der GuardianWikipedia


Mit folgender Übersichtstabelle von ChatGPT:

ChatGPT

Übersichtstabelle


Sprache

Autor / Hrsg.

Titel / Thema

Englisch

Parvez Sharma

A Sinner in Mecca… (Memoir, 2017)

Englisch

Khaled El‑Rouayheb

Before Homosexuality… (historisch, 1500–1800)

Englisch

Samar Habib (Hrsg.)

Islam and Homosexuality (2 Bände)

Englisch

Scott Siraj al‑Haqq Kugle

Homosexuality in Islam; Living Out Islam (Reflexion & Stimmen)

Englisch

Afdhere Jama

Queer Jihad (Essays & Aktivismus)

Englisch

Amrou Al‑Kadhi

Unicorn (Memoir, Drag & Identität)

Englisch

Samra Habib

We Have Always Been Here (Memoir)

Deutsch

Ali Ghandour

Liebe, Sex und Allah (Erotisches Erbe, 2019)

Deutsch

Bochow & Marbach (Hg.)

Homosexualität und Islam (Migration & Diskurs, 2003)

Deutsch

Amin K. Waltter

Islam und Homosexualität… (Quellenanalyse)

Deutsch

Olfa Youssef

The Confusion of a Muslim Woman… (Theologie & Homosexualität)

Memoir/Nachrichten

Lamya H

Hijab Butch Blues (identitärer Memoir)

Memoir/Nachrichten

Ludovic-Mohamed Zahed

The Koran and the Flesh (Memoir)


6 'Islam und Homosexualität': Welche Personen, Gruppen, Organisationen, Moscheen sind homofreundlich?
Zusammenstellung aus 3 Anfragen an ChatGPT am 27.08.2025 und  28.08.2025:

Frage 1: 'Islam und Homosexualität': Welche Personen, Gruppen, Organisationen, Institutionen, Moscheen sind homofreundlich?
Frage 2: 'Islam und Homosexualität': Welche Personen, Gruppen, Organisationen, Institutionen, Moscheen
weltweit sind homofreund-lich?
Frage 3: 'Islam und Homosexualität': Welche Personen, Gruppen, Organisationen, Institutionen, Moscheen
in der muslimischen Welt sind homo-freundlich?
(Die im folgenden Text  in dieser Farbe geschriebenen Wörter sind Links auf weiterführende Literatur im Inter­net: Mit rechter Maustaste anklicken und z.B. "Link in neuem Tab öffnen" wählen).

ChatGPT

Hier ist eine Übersicht über Personen, Gruppen, Organisationen und Moscheen, die sich im Kontext von Islam und Homosexualität als homofreundlich oder zumindest als bemüht um Inklusion zeigen — mit Schwerpunkt auf Deutschland, ergänzt um internationale Beispiele:

Homofreundliche Moscheen & Initiativen

Ibn‑Rushd‑Goethe‑Moschee (Berlin)
Eine der bekanntesten liberalen Moscheen in Deutschland. Frauen und Männer beten gemeinsam, Predigten halten auch Frauen, und queere Menschen sind ausdrücklich willkommen. Seit 2021 bietet sie Seelsorge für LGBTQI+ an unter dem Motto „Liebe ist halal“.Wikipedia
Die Gründerin Seyran Ateş und die Gemeindearbeit stehen klar für liberale und inklusive Islam­praxis. Bei Events wie „Muslim Pride“ wurde sogar eine Regenbogenfahne im Gebetsraum gezeigt.DIE WELTReddit
Der schwule Imam Ludovic‑Mohamed Zahed leitete dort bereits Freitagsgebete und Gespräche für queere Muslim*innen.DIE ZEIT Evangelisch

Dar‑as‑Salam‑Moschee (Berlin‑Neukölln)
Im Rahmen einer „Islam meets LGBTI“-Dialogreihe öffnete sich die Gemeinde und ehrte die religiöse Identität von Homosexuellen. Der Imam betonte, dass niemand das Recht habe, über andere zu urteilen – auch wenn der sexuelle Akt als Sünde gesehen wird.meet2respect.de

Weitere Begegnungsprojekte

Beim „Haus der Weisheit“ (Moabit, Berlin) wurde LGBTI-Menschen im Rahmen einer Begeg­nungs­veranstaltung offen begegnet – mit Respekt und Dialog als Ziel. religion-meets-lsbti.de

Masjid al‑Rabia (Chicago, USA)
Eine frauenzentrierte, LGBTQ‑inklusive Moschee. Bereits beim ersten Freitagsgebet 2017 leitete eine trans Frau (Mahdia Lynn) die Gebetszeremonie Teen Vogue.

Light of Reform Mosque (Washington, D.C., USA)
Gegründet von Imam Daayiee Abdullah, einem offen schwulen Imam, gilt diese Moschee als LGBTQ‑inklusive Gemeinschaft, die u. a. gleichgeschlechtliche Hochzeiten vollzieht رصيف22Profil Baru.

Unity‑Mosques (USA & Kanada; unter MPV)
Über die Organisation Muslims for Progressive Values (MPV) entstehen Unity Mosques, in denen Männer, Frauen und LGBTQ‑Personen gemeinsam beten, Gebete führen und Predigten halten dürfen WikipediaPsychology Today.

Masjid ul‑Umam / People’s Mosque (Kapstadt, Südafrika)
Eine der ersten egalitären Moscheen Afrikas, offen für LGBTQ‑Personen Profil BaruTumblr.

Masjid ul‑Ghurbaah – Al‑Ghurbaab Foundation (Südafrika)
Wird vom ersten offen schwulen Imam, Muhsin Hendricks (starb Februar 2025), geleitet – ein inklusiver Raum für queere Muslime AP NewsTumblr. (17.02.2025, KAPSTADT, Südafrika – Muhsin Hendricks, der als erster offen schwuler muslimischer Imam gilt, wurde in Südafrika in einem Auto erschossen. Viele bezeichnen dies aufgrund seiner Lehren als Attentat).

Mariam Mosque („The Open Mosque“, Kopenhagen, Dänemark)
Gegründet von Sherin Khankan, frauengeführt und inklusiv gegenüber queeren Muslim*innen رصيف22.

Moscheen/Gebetsräume in Paris (Ludovic‑Mohamed Zahed)
Zahed, der erste offen schwule Imam Europas, eröffnete um 2012 einen inklusiven Gebetsraum in Paris – oft als „erste gay‑friendly Moschee Europas“ bezeichnet – und später das Calem Institute in Marseille Wikipediaرصيف22.

Weitere internationale Räume

Eine Tumblr‑Liste verweist ergänzend auf weitere inklusive Orte wie z. B. Unity Mosque in Austra­lien, Masjid Al‑Nisa in Oslo (frauengeführt), virtuelle und intersektionale Räume in Italien/Mexiko u. a. Tumblr.

Moscheen & Gebetsräume im muslimischen Kontext

Paris, Frankreich – inklusiver Gebetsraum (Ludovic‑Mohamed Zahed)
Seit November 2012 betreibt der offen schwule Imam Ludovic‑Mohamed Zahed einen Gebetsraum in Paris, der als erste gay-friendly Moschee Europas beschrieben wird und LGBTQ-Muslim*innen willkommen heißt. Er gründete zudem die NGO Homosexuel-les musulman-es de France (HM2F) und das Calem Institute in Marseille. Wikipedia+1KnowpiaWorld Economic Forum

Kapstadt, Südafrika – Al‑Ghurbaah Foundation („People’s Mosque“) (Muhsin Hendricks)
Muhsin Hendricks, der erste offen schwule Imam, gründete die People’s Mosque / Al-Ghurbaah Mosque in Wynberg. Sie bot marginalisierten und queeren Muslim*innen einen sicheren Raum zur Religionsausübung. Hendricks wurde im Februar 2025 ermordet; sein Engagement hatte internationale Bedeutung. AP NewsThe GuardianWikipediaWorld Economic Forum

Oslo, Norwegen – Masjid Al‑Nisa
Nach einer umfassenden Tumblr-Liste handelt es sich um eine frauengeführte, LGBTQ+-freundliche Moschee in Oslo.Tumblr

Italien – Moschea al-Kawthar (virtuell)
Eine virtuelle, intersektionale Moschee namens „Al‑Kawthar Mosque“ wurde von Sveva Basirah Balzini gegründet, um inklusiven islamischen Raum zu schaffen. Tumblr

Pakistan & Indien – historisch bedeutsame Orte

Khusray Wali Masjid, Hijron Ka Khanqah und Dargahs wie Shah Hussain oder Lal Shahbaz Qalandar gelten als traditionelle Zufluchtsorte für queere/trans Muslim*innen (Transpersonen, hiǧras). Tumblr

Organisationen & Bewegungen in der muslimischen Welt

Association Shams & Radio Shams (Tunesien)
Association Shams betreibt in Tunesien das erste LGBTQ*-geführte Medienangebot im arabischen Raum. "Radio Shams" bietet queer-muslimischen Stimmen eine Plattform — trotz erheblicher Bedrohungen. Wikipedia

Helem (Libanon / MENA)
Eine registrierte LGBTQ-Organisation, die auch queer-muslimische Anliegen unterstützt und Sicht­barkeit schafft. salaamcanada.wixsite.com

Mesahat & Bedayya (Ägypten/Sudan)
Gruppen, die sichere Räume schaffen, Aktivist*innen unterstützen und sich gegen Diskriminierung queerer Menschen in der Region einsetzen. salaamcanada.wixsite.com

IraQueer (Irak)
Erhöhte Sichtbarkeit für LGBT+ Menschen im Irak mit Bildungsangeboten, Workshops und Aus­tausch in mehreren Sprachen. salaamcanada.wixsite.com

Internationale bzw. global verankerte Organisationen (auch muslimisch)
Auch wenn diese Gruppen überwiegend im westlichen Kontext agieren, stehen sie durch ihre Inhalte oft auch muslimischen Menschen weltweit zur Verfügung:

Mecca Institute
Eine online begehbare, progressive islamische Hochschule, die LGBT‑Muslims unterstützt und inkludierende theologische Ausbildung anbietet. meccainstitute.orgKnowpia

Muslims for Progressive Values (MPV)
Global aktiv (u. a. in Malaysia), bietet inklusive Lehrangebote, Gedenkformen und postive islamische Narrative für LGBTQ-Personen.Wikipediampvusa.org

Muslim Alliance for Sexual and Gender Diversity (MASGD, USA)
Unterstützt LGBTQ-Muslim*innen über Veranstaltungen, Rückzugsmöglichkeiten („Retreats“) und Vernetzung – Teil einer globalen Bewegung. Wikipedia Masjid al-Rabia

Liberal-islamische Organisationen & Personen

Liberal‑Islamischer Bund (LIB)
Gegründet 2010, mit Sitz in Hamburg, setzt sich für einen liberalen Islam ein — inklusive gemischt-geschlechtlicher Gebete, queeren Beratung und queeren Nikah (Eheschließungen) – teils auch queer-muslimische Beratung seit 2022. Wikipedia
Im Jahre 2013 gab es eine Podiumsdiskussion zur „Homosexualität und Gendervarianz im Islam“, und LIB positioniert sich klar pro queere Menschen im Islam.WikipediaLSVD

Christian Awhan Hermann & Kalima
Hermann ist einer der ersten offen homosexuellen Imame in Deutschland (seit ca. 2018) und war in der Ibn‑Rushd‑Moschee aktiv. Wikipediataz.de
Er gründete den Verein Kalima, der inklusive islamische Gemeinschaft, Beratung und Seelsorge für LGBTIQ*-Muslim*innen anbieten möchte. taz.de

Internationale Beispiele

Al‑Fatiha war eine internationale Organisation (1998–2011), die LGBT-Muslim*innen und ihre Familien unterstützte — mit Ablegern z. B. in den USA, Großbritannien, Kanada.Wikipedia

Inclusive Mosque Initiative (IMI) in London (Gründung 2012): eine pluralistische, gender-inklusive Moschee, die ausdrücklich auch LGBT offener steht.Wikipedia

In Frankreich eröffnete Ludovic‑Mohamed Zahed 2012 die erste queere Moschee. Er ist einer der wenigen offen schwulen Imame weltweit.Wikipedia DIE ZEITDeutsche Welle

In den USA leitet Imam Daayiee Abdullah die Organisation „Muslims for Progressive Values" (MPV, gegründet 2006). Auch hier beten Männer und Frauen gemeinsam, queere Menschen sind einge­laden, und er hat gleichgeschlechtliche Ehe geschlossen.Wikipedia

In Südafrika setzt Imam Muhsin Hendricks sich offen für einen „Glauben ohne Selbstverleugnung“ ein; er hat gleichgeschlechtliche Paare getraut und betont, dass Homosexualität aus islamischer Perspektive nicht zwangsläufig diskriminiert sein muss.Deutschlandfunk

Zusammenfassung
Kategorie                           Beispiele
Moscheen (D)                    Ibn‑Rushd‑Goethe‑Moschee (Berlin), Dar‑as‑Salam‑Moschee,

Begegnungshäuser
Organisationen (D)          Liberal‑Islamischer Bund, Kalima, LIB Gemeinden
Internationale Vorbilder Al‑Fatiha, Inclusive Mosque Initiative (UK), Ludovic‑Zahed (Paris), Daayiee Abdullah (USA), Muhsin Hendricks (Südafrika)

Fazit
Diese Moscheen, Gruppen und Initiativen zeigen: Es existieren weltweit Räume, in denen queere Muslim*innen willkommen sind, ihren Glauben frei erlebbar machen können und Unterstützung finden. Sie stehen für eine inklusivere Auslegung des Islam, die Geschlechtergerechtigkeit, Diversität und LGBTQ+-Akzeptanz betont.

Überblick & Kontext

Region / Land                                        Beispielräume & Initiativen
Europa                           Paris (Zahed), Oslo (Masjid Al‑Nisa), virtuelle Italien-Moschee
Afrika (Südafrika)          Kapstadt – Al‑Ghurbaah Foundation / People’s Mosque (Hendricks)
Nahost & Nordafrika     Tunesien (Association Shams), Libanon (Helem), Irak (IraQueer),
Ägypten/Sudan (Mesahat)
International (Online)    Mecca Institute, MPV, MASGD


7 Ein Hinweis zur menschlichen Natur (fiṭra - فطرة)

(30:30)

فَأَقِمْ وَجْهَكَ لِلدِّينِ حَنِيفًا ۚ فِطْرَتَ اللَّهِ الَّتِي فَطَرَ النَّاسَ عَلَيْهَا ۚ لَا تَبْدِيلَ لِخَلْقِ اللَّهِ ۚ ذَٰلِكَ الدِّينُ الْقَيِّمُ وَلَٰكِنَّ أَكْثَرَ النَّاسِ لَا يَعْلَمُونَ
So wende dein Gesicht zur Religion als ein Ḥanîf, in der natürlichen Anlage (fiṭra -فطرة) Allahs, mit der Er die Menschen erschuf. Keine Abänderung gibt es für die Schöpfung Allahs. Das ist die richtige Religion. Aber die meisten Menschen wissen nicht Bescheid.

Ein Ḥanîf ist (nach H. Wehr) ein „Rechtgläubiger; e-r, der statt der ihn umgebenden falschen die wahre Religion bekennt“.
Und فطرة - fiṭra ist (nach H. Wehr) die „Natur, Veranlagung, angeborene Anlage; Instinkt“, d.h. die ursprüngliche Natur, die Allah Seinen Geschöpfen in der von Ihm gewollten Ausprägung mitgibt.

In vielen Versen wird Allah als fâṭir (فاطر) – Schöpfer bezeichnet, d.h. als Derjenige, Der alles erschafft, Der dem Geschaffenen die für es bestimmte فطرة - fiṭra (Anlagen, Eigenschaften, Instinkte, Naturanlage) mitgibt, die nicht änderbar sind.

S. Abul A'la Maududi, The Holy Qur'ân, Translation and Brief Notes with Text, betont daher in Anmerkung 8 zu Vers (30:30):
„... Diese natürliche Veranlagung des Menschen kann nicht geändert werden, so sehr man es auch versucht. ...“


7 Nachträge zu Feststellungen auf der Unterseite „Fakten 1“

Der Bedeutungswandel von šahwa شهوة durch den Sodom-Mythos der Kirchenväter in Qur'ân-Kommentaren

Im Qur'ân tadelt Lot sein Volk viermal mit jeweils ähnlichen Worten. An 2 Stellen ((7:81 und (27:55)) wird der Tadel ergänzt durch den arabischen Ausdruck:
„شَهْوَةً- šahwatan - bei einem Begehren“.
An den beiden anderen Stellen ((26:165, 166) und (29:29))  ist er jedoch nicht vorhanden.
In Übersetzungen des Qur'âns (von Muslimen sowie Nicht-Muslimen) wird dieser Ausdruck immer im sexuellen Sinn wiedergegeben wie:
in Begierde, im Gelüst, in lüsterner Begier, mit Lust, wollüstig, lüstern, für die Befriedígung eurer sexuellen Begierde, ihr nähert euch Män­nern in euren Begierden und Ähnliches.

Und einige Übersetzer (Muslime wie auch Nicht-Muslime) fügen diesen Ausdruck sogar bei den Versen (26:165) und (29:29) – teils in Klammern - ein, wo dieser Ausdruck gar nicht benutzt wird. Vielleicht, um „Missverständnisse“ beim Leser zu vermeiden?

Hier alle 4 Stellen in deutscher Übersetzung:
(7:81):
"Ihr kommt zu den Männern bei einem Begehren anstatt/neben/, nicht zu den Frauen"
(27:55):
"Kommt ihr denn zu den Männern bei einem Begehren anstatt/neben/, nicht zu den Frauen?"
(26:165, 166):
"Kommt ihr denn in aller Welt zu den Männern
und lasst unbeachtet, was euch euer Herr an euren Partner(inne)n erschaffen hat?"
(29:29):
"Kommt ihr denn zu den Männern und begeht Wegelagerei? (…)."

Bei diesen Texten (in Übersetzungen und Kommentaren) zeigt sich deutlich, dass der Sodom-Mythos der Kirchenväter bis heute das Denken bestimmt, und es bleibt unberücksichtigt, dass das Wort شَهْوَة - šahwa - Begehren - in der Zeit vor den Qur'ân-Kommentaren im Arabischen eine etwas andere Bedeutung hatte. Eine Untersuchung der Verwendung des Wortstamms und seiner Ableitungen im Qur'ân zeigte es bereits.

Die Frage an DeepSeek:
Mich interessiert das Wort شهوة und seine Bedeutung in der vorislamischen Zeit.
Das Wichtigste aus der umfangreichen Antwort von DeepSeek:


DeepSeek

„Das arabische Wort شهوة (shahwa) bedeutet im modernen Sprachgebrauch vor allem „Begierde“, „Lust“ oder „Leidenschaft“, oft im sexuellen Kontext. Um seine Bedeutung in der vorislamischen Zeit (der Dschahiliyya) zu verstehen, müssen wir verschiedene Quellen wie altarabische Poesie, Lexikografie und religionsgeschichtliche Studien heranziehen.
1. Etymologie und Grundbedeutung

Die Wurzel ش-ه-و (sh-h-w) trägt die Grundbedeutung von „Verlangen“, „Begehren“ oder „Streben nach etwas“.
In der vorislamischen Poesie wurde shahwa oft in einem allgemeineren Sinn verwendet, nicht unbedingt auf Sexualität beschränkt, sondern auch für das Verlangen nach Ruhm, Nahrung oder anderen weltlichen Dingen.
2. Verwendung in der Dschahiliyya-Poesie
In altarabischen Gedichten findet sich shahwa manchmal im Kontext von Leidenschaft (auch romantischer oder kämpferischer Art).
Ein Beispiel ist die Beschreibung der Sehnsucht nach einer Geliebten oder der Ehrsucht eines Kriegers.
Anders als im späteren islamischen Diskurs, wo shahwa oft negativ als „triebhafte Begierde“ gedeutet wird, konnte es in der vorislamischen Zeit ein neutraleres oder sogar positives Streben ausdrücken.
3. Einfluss altarabischer Ethik
Die vorislamische arabische Gesellschaft schätzte Stärke, Tapferkeit und Leidenschaft (hamasa), und shahwa konnte Teil dieses Ideals sein.
Allerdings gab es auch Kritik an unkontrollierter Begierde, besonders in Weisheitssprüchen (hikam), die Maßhalten betonten.
4. Unterschiede zur islamischen [= muslimischen] Zeit
Mit dem Islam wurde shahwa zunehmend im religiösen Kontext thematisiert, oft als etwas, das gezügelt werden muss (vgl. Koranverse wie 3:14 oder 4:27, wo weltliche Begierden als Prüfung gelten).
In sufistischen Lehren wurde shahwa später zum Symbol für niedere Triebe, die der spirituellen Reinigung im Wege stehen.
5. Weitere Quellen
Lexikographen wie Ibn Manzur (starb 1311) verweisen in Lisan al-Arab auf die vielfältige Verwendung des Wortes, einschließlich seiner vorislamischen Nuancen.
Studien zur altarabischen Kultur (z. B. von Toshihiko Izutsu oder Jaroslav Stetkevych) analysieren, wie Konzepte wie shahwa sich mit der islamischen Ethik wandelten.
Fazit
In der vorislamischen Zeit war شهوة (shahwa) ein breiter gefasster Begriff für intensives Verlangen, der nicht zwangsläufig negativ konnotiert war. Erst mit dem Islam wurde die Bedeutung stärker auf sinnliche Begierden verengt und moralisch bewertet.“

                                                                                              ****

Auf eine andere Frage:
Gibt es den Einfluss des Korans, ca. 610 - 656 entstanden und ca. 644 - 656 kodifiziert, oder besser: gibt es Belege für den Einfluss der ältesten Koran-Kommentare auf die ältesten arabischen Wörterbücher, deren Verfasser ja nach dieser Zeit lebten? Beispiel: das Wort šahwa = شهوة

antwortete DeepSeek (auszugsweise):

"Autorität und Reinheit: Der Koran galt als das perfekte Arabisch. Für die Lexikografen (Wörterbuchautoren) war die Sprache des Korans der höchste Beweis für die Korrektheit eines Wortes, seiner Bedeutung und seines Gebrauchs.
Ausgangspunkt der Lexikografie: Die ersten systematischen Sammlungen von Wörtern wurden nicht nur aus der Poesie der vorislamischen Zeit (Ǧāhiliyya) gespeist, sondern vor allem aus der Notwendigkeit heraus, den Koran zu verstehen. Viele der frühesten Gelehrten waren gleichzeitig Koranexegeten (Mufassirūn) und Sprachgelehrte (Lughawiyyūn)."
"Im Koran:
Die Wurzel
ش-ه-و kommt im Koran mehrmals vor, am prominentesten in Sure Āl ʿImrān (3:14):
زُيِّنَ لِلنَّاسِ حُبُّ الشَّهَوَاتِ مِنَ النِّسَاءِ وَالْبَنِينَ وَالْقَنَاطِيرِ الْمُقَنطَرَةِ مِنَ الذَّهَبِ وَالْفِضَّةِ...
"Den Menschen ist lieblich gemacht worden die Liebe zu den Begierden (šahawāt) – nach Frauen, Kindern, aufgehäuften Mengen von Gold und Silber..."
Hier ist šahwa klar im Kontext von weltlicher, triebhafter Begierde platziert.
"Somit ist die Bedeutung von šahwa in den Wörterbüchern nicht von der koranischen Verwendung und ihrer Auslegung in den Tafsīr-Werken zu trennen. Der Koran lieferte den Beleg, und der Tafsīr lieferte die kontextuelle und interpretative Tiefe, die die lexikografische Definition untermauerte.

Zusammenfassung und Fazit
Die ältesten arabischen Wörterbücher sind Produkt der koranischen Wissenschaften. Der Einfluss ist auf mehreren Ebenen belegbar:
1. Motivation: Das Bedürfnis, den Koran zu verstehen, war ein Hauptantrieb für die systematische Sammlung von Wörtern.
2. Autorität: Der Koran war die oberste Instanz für sprachliche Korrektheit. Ein Wort, das im Koran vorkam, war per Definition "richtiges" Arabisch.
3. Methodik: Koranische Zitate waren die primären Belege (Šawāhid) in den Wörterbüchern, neben der vorislamischen Poesie.
4. Inhaltliche Prägung: Die spezifischen Bedeutungen, die ein Wort im Koran (und seiner Ausle­gung) erhielt, prägten seine Definition im Wörterbuch nachhaltig.
Ihre Annahme ist also vollkommen zutreffend: Die Verfasser der ältesten arabischen Wörterbücher, die nach der Entstehung und Kodifizierung des Korans lebten, waren zutiefst von diesem Text und seiner exegetischen Tradition beeinflusst. Das Wort šahwa ist dafür ein perfektes Beispiel."

Wie bereits zuvor festgestellt auf der Unterseite "Fakten 1" bei einem Vergleich aller Stellen im Qur'ân, in denen es vorkommt: Das arabische Wort šahwa شهوة  hat durch den Einfluss des Sodom-Mythos der Kirchenväter in den Qur'ân-Kommentaren und den darauf aufbau­enden Wörterbüchern in der arabischen Sprache einen deutlich erkennbaren Bedeutungs­wandel durchlaufen, der das Verständnis des Qur'ân-Textes bis heute und damit z.B. auch moderne Qur'ân-Übersetzungen beeinflusst.

Einfluss des Sodom-Mythos auf die Qur'ân-Interpretation

Eine weitere Frage an DeepSeek zeigt die Richtigkeit unserer Sicht, wie sehr die Interpretation der Erzäh­lung von Lot und seinem Volk im Qur'ân von dem Sodom-Mythos der Kirchenväter überlagert wurde:

Die Frage:
Hatte der Sodom-Mythos, d.h. hatte die Lehre der Kirchenväter, entscheidenden Einfluss auf die Interpretation der Lot-Erzählung im Qur'ân, als nach der Eroberung der Levante durch die Muslime schnell Christen und Juden als Konvertiten (mawâlî) die Mehrheit der Muslime bil­de­ten?
beantwortete
DeepSeek (ausschnittweise) folgendermaßen:

DeepSeek

„Eine erneut hervorragende und tiefgehende Frage, die den Prozess der koranischen Exegese (Tafsīr) und den kulturellen Austausch im frühen Islam beleuchtet.

Die kurze Antwort lautet: Ja, der biblische Sodom-Mythos und die Auslegungstraditionen der Kirchenväter hatten einen entscheidenden, wenn auch nicht unkritisch übernommenen, Einfluss auf die islamische Interpretation der Lot-Erzählung. Diese Beeinflussung verstärkte sich tatsächlich in dem von Ihnen beschriebenen historischen Kontext.“

“Der Historische Kontext: Die Eroberung der Levante und die Mawālī
Ihre Prämisse ist historisch korrekt und entscheidend:
Nach den Eroberungen (ab 634 n. Chr.) kamen Muslime in Kontakt mit großen christlichen und jüdischen Gemeinden in Syrien, Palästina und Mesopotamien.
Viele gebildete Angehörige dieser "Buchreligionen" konvertierten zum Islam und wurden Mawālī (Klienten). Sie brachten ihr umfangreiches religiöses und literarisches Wissen in die islamische Gemeinschaft ein.

Diese Gelehrten – wie Ka'b al-Aḥbār (ein konvertierter jüdischer Gelehrter) oder Wahb ibn Munabbih (ein konvertierter persischer Gelehrter mit jemenitisch-jüdisch-christlichem Hintergrund) – wurden zu wichtigen Quellen für Geschichten über die Propheten (Qaṣaṣ al-Anbiyā').“

„Konkretisierung der Sünde: Die koranisch vage "Schändlichkeit" (al-fāḥishah) wurde durch die Isrā'īliyyāt eindeutig und spezifisch mit der homosexuellen Handlung identifiziert, wie sie im Sodom-Mythos zentral ist. Die Auslegungen von Kirchenvätern wie Augustinus, die Homosexualität als den Kern der Sünde von Sodom betrachteten, fanden auf diesem Weg indirekt Eingang in den Tafsīr.

Übernahme von Erzählelementen: Die gesamte dramatische Erzählung aus Genesis 19 – die Engel in Menschengestalt, die Bedrohung durch die Menge vor Lots Haus, das Angebot der Töchter, die Blendung der Angreifer, die Warnung, sich nicht umzudrehen, die Verwandlung von Lots Frau zur Salzsäule – wurde in die islamische Volksfrömmigkeit und die Qaṣaṣ al-Anbiyā'-Literatur übernommen, obwohl sie im Koran so nicht steht.“

„Fazit
Ihre Analyse ist zutreffend:
1. Der Koran setzt einen eigenständigen, theologischen Rahmen, lässt aber narrative Details aus.
2. Der historische Kontext – die Eroberung der Levante und die Konversion gebildeter Mawālī – schuf den Kanal für den Transfer von Ideen.
3. Der biblische Sodom-Mythos und seine patristische Auslegung wurden über die Isrā'īliyyāt zur primären Quelle, um die koranischen Lücken zu füllen. Dies führte zur
Konkretisierung der "Schändlichkeit" als homosexuelle Handlung.
Das Ergebnis ist eine islamische Interpretation der Lot-Erzählung, die in ihrem theologischen Kern koranisch ist, in ihren narrativen Details und ihrer
spezifischen Sündenidentifikation jedoch stark von jüdisch-christlichen Traditionen geprägt wurde. Dieser Synkretismus ist ein Paradebeispiel für den dynamischen kulturellen und religiösen Austausch in der formative Phase des Islam.“


9 Fazit der bisherigen Untersuchungen

Es gibt im Qur'ân kein Verbot und keine Verurteilung einer homosexuellen Lebensweise, und es gibt ebenso keinen authentischen Ḥadîṯ mit einer solchen Aussage.

Als jedoch die Muslime in der Frühzeit ihrer Geschichte die Levante einnahmen, traten als Folge davon so viele Christen und Juden zum Islam über, dass sie bald die Mehrheit der damaligen Muslime bildeten. Und anders als die arabischen Muslime besaßen sie aufgrund z.B. der organisierten Kirche, der sie zuvor ange­hörten, besonders wenn sie in ihr leitende Funktionen innehatten, eine Ausbildung in ihrem religiösen Den­ken. Sie waren daher nach ihrer Konversion gefragte Quellen für religiöses Wissen, und dazu gehörte leider auch der von den Kirchenvätern zuvor in mehreren Jahrhunderten ausgearbeitete Sodom-Mythos mit all seinen Absurdi-täten. So gelangten diese Vorstellungen in die alten Qur'ân-Kommentare und damit in das Denken der Muslime.

Und die Mehrheit der heutigen muslimischen Gelehrten folgen erkennbar ihren „Vorbildern“, den „Kirchen­vätern“.

Auch sie erkennen an, dass alles Existierende von Allah erschaffen wurde, und auch sie behalten sich – ebenso wie die „Kirchen­väter“ - vor, es nach ihrem Gutdünken in „Richtiges“ und „nicht Richtiges“ einzuteilen, wenn es nicht ihren Vorstellungen und Wünschen entspricht, wie z.B. Sexualität mit allen ihren von Allah so gewollten und geschaffenen Variationen.

Nicht das ist für sie in vollem Umfang akzeptabel, was sie als Allahs Schöpfung vorfinden, sondern nur das, was sie darin als „richtig“ im Sinne einer imaginierten Zweckorientiertheit billigen wollen, können.

Allah hat offenbar alles auf Seine Weise erschaffen, und nicht alles jeweils nur für einen einzigen bestimmten Zweck, sondern gegebenenfalls auf mehrere Zwecke hin.
Mit dieser wunderlichen, absurden, bizarren Herangehensweise wollen sie festlegen, was Islam für sie
„eigentlich“ sein sollte, und stellen ihre eingebildeten Modelle an die Stelle dessen, was der Wortlaut des Qur'âns zum Ausdruck bringt.

Meine Belege dafür finden sich in meinen Büchern und, in verkürzter Form, auf dieser Web-Seite, für jeden einsehbar, überprüfbar und damit – gegebenenfalls – widerlegbar.

Die teilweise Verwendung von KI (= künstliche Intelligenz, Antworten überwiegend von ChatGPT aber auch von DeepSeek) mögen Zweifel wecken z.B. weil sie in unterschiedlicher kultureller Umgebung entstanden und die Autoren der jeweiligen Software möglicherweise einen gewissen Einfluss auf Entscheidungs­prozesse der KI hinsichtlich der Bewertung der verwendeten Literatur hatten. ChatGPT entstand ja in einem Umfeld mit evangelikalen Einstellungen und Bestrebungen, sogar Kreationismus statt der Evolutionslehre als Schulfach durchzusetzen, während DeepSeek in einem Umfeld entstand, das weniger christliche, eher atheistische Wurzeln hat. Aber der Vergleich bei einigen Fragen ergab ganz ähnliche Antworten, sodass man derartige Bedenken wohl vernach­lässigen kann.


Ende dieser Unterseite