Fakten 3
Fakten 3: Fakten aus dem Qur'ân, der Ḥadîṯ-Geschichte und der umfangreichen Aussage von ChatGPT am 29.10.2025 (Homosexualität im AT, Weg der Ideen der Kirchenväter zu den Muslimen, Entwicklung im muslimischen Denken)
Der Weg des Sodom-Mythos von den Kirchenvätern in das muslimische Denken - eine tabellarische Übersicht (ChatGPT)
Am 28.10.2025 gab ChatGPT eine unerwartet umfangreiche und vielfältig belegte Antwort zu diesem Thema. Vorausgegangen war am Vortag eine Frage an ChatGPT zu den Vorstellungen der Kirchenväter über die Bedeutung von 'natura' und 'contra naturam'.
Hier eine kurze Zusammenfassung der ausführlichen Darlegungen von ChatGPT am Vortag.
Ein Zitat daraus mit Bezug zu Homosexualität:
"Beispiele bei den Kirchenvätern:
- Augustinus spricht von Sünden, besonders von sexuellen Akten, die contra naturam seien, weil sie den von Gott gewollten Zweck (Fortpflanzung, Ordnung der Liebe) verfehlen.
- Gregor von Nyssa oder Johannes Chrysostomus nennen Habgier, Stolz oder Grausamkeit contra naturam, weil sie die eigentliche Natur des Menschen (vernünftig, gottesebenbildlich, gemeinschaftlich) verletzen.
Das heißt:
„Contra naturam“ bedeutet nicht „gegen die Schöpfung Gottes“, sondern „gegen die von Gott gewollte Ordnung innerhalb der Schöpfung“."
Die Kirchenväter sahen gleichgeschlechtliche Sexualakte als 'contra naturam' (= gegen die Natur), nicht weil sie empirisch für sie nicht vorkommen, sondern weil sie – in ihrer ideologisch eingeschränkten Sicht – dem natürlichen Zweck der Sexualität (Fortpflanzung), Vereinigung von Mann und Frau als Symbol der göttlichen Ordnung widersprechen. Sie sehen folglich das Erschaffene mit allen seinen sinnvollen Varianten und Möglichkeiten nicht insgesamt als das von Gott Intendierte an, sondern als etwas an, das sie mit ihren teleologischen Ideen zunächst begutachten wollen.
Dabei war für sie etwas wie Homosexualität nicht „von Gott geschaffen“ im Sinne ihrer Denkweise von einem göttlichen teleologisches Zweck.
Es wird nicht deutlich, auf welcher Basis sie diese Schlussfolgerung ziehen. Denn eigentlich ist die Schöpfung, die natura, wie auch die Kirchenväter sagen, von Gott geschaffen. Doch die Kirchenväter betrachten sie nicht als etwas, das zunächst zu untersuchen ist, um das von Gott Intendierte herauszufinden, sondern unter dem einschränkenden Blickwinkel als etwas "wie es eigentlich sein sollte“ und nicht wie es tatsächlich ist.
Seltsam auch:
ChatGPT | Begriff | Bedeutung für die Kirchenväter |
natura creata | Die von Gott geschaffene Ordnung, ursprünglich gut. | |
natura lapsa | Die gefallene, verletzte Natur nach dem Sündenfall. | |
vera natura | Die wahre, von Gott intendierte Natur (wie im Paradies oder in Christus wiederhergestellt). | |
contra naturam | Was dem göttlichen Zweck der Schöpfung widerspricht – nicht notwendigerweise dem, was biologisch vorkommt. |
Das kann doch wohl nur bedeuten, dass die Sünde, der "Sündenfall", eine Art kreatives Phänomen ist, das sogar in die Schöpfung Gottes eingreift, sie teilweise verändern kann.
Korrekturen/Hinweise am folgenden Text von ChatGPT stehen in eckigen Klammern [....].
Die Frage an ChatGPT am 29.10.2025 lautete etwas umständlich:
"Gestern wollten ich Folgendes wissen: „Was bedeutete für die Kirchenväter 'natura'? Betrachteten sie 'natura' als von Gott erschaffen? Und wenn ja: Wie konnte dann ein Teil davon 'contra naturam' sein?“
Und die Antworten waren sehr umfangreich.
Der Anlass war die Tatsache, dass die Muslime in ihrer frühen Geschichte in die Levante eindrangen und als Folge viele der dort lebenden Christen und Juden Muslime wurden und schnell die Mehrheit der Muslime bildeten. Und es war die Frage, auf welchem Weg und in welcher Form die Muslime mit dem Sodom-Mythos der Kirchenväter in Kontakt kamen, die ihnen diese neuen Muslime mitbrachten. Und über einige der ersten Qur'ân-Kommnentare erfuhren die anderen Muslime davon, und es bestimmte ab da ihr Denken mit allen schlimmen Folgen für ihr Bild von Homosexualität.
Sehe ich das richtig?"
Die unerwartet ausführliche Antwort von ChatGPT:
ChatGPT | Ja, Ihre Überlegung ist sehr scharfsinnig – und Sie beschreiben im Wesentlichen einen historisch plausiblen kulturell-intellektuellen Transferprozess.
So ist es durchaus plausibel, dass die moralisch-sexuelle Deutung von Sodom (als Symbol „widernatürlicher“ Sexualität) über diese frühislamischen [richtig: frühmuslimischen] Konvertiten und ihre Denkformen in die islamische [richtig: muslimische] Gelehrsamkeit gelangte. Wenn Sie möchten, kann ich Ihnen den chronologischen Ablauf dieser Rezeptionsgeschichte (von der biblischen Erzählung über die Kirchenväter bis zu den frühesten Qurʾān-Kommentaren und Hadithen) tabellarisch oder narrativ darstellen – das macht die Einflüsse besonders gut sichtbar. |
Ja, das möchte ich gerne.
ChatGPT | Sehr gut — das ist ein faszinierender und zugleich komplexer Entwicklungspfad, der sich über fast ein Jahrtausend spannt. I. Tabellarische Übersicht: Von Sodom bis zum islamischen Tafsīr |
ChatGPT | Zeit / Epoche | Kultur / Religion | Hauptquelle / Autor | Verständnis von „Natur“ und „Sünde“ | Bedeutung der Sodom-Erzählung | Wirkung auf spätere Tradition |
1. Frühisraelitisch (ca. 9.–6. Jh. v. Chr.) | Judentum (Tanach) | Genesis 19, Ezechiel 16:49 | Kein philosophischer Naturbegriff. „Böse“ = sozial ungerecht, gewalttätig. | Sodom steht für Gewalt, Unterdrückung der Armen, Bruch der Gastfreundschaft. | Keine Verbindung zu Sexualität. | |
2. Spätjüdisch–hellenistische Zeit (3. Jh. v. Chr.–1. Jh. n. Chr.) | Jüdisch-griechische Diaspora | Weisheit Salomos, Philo von Alexandrien | „Physis“ (Natur) wird mit göttlicher Ordnung identifiziert. | Erste moralisch-sexuelle Deutung: „widernatürlich“ = Verstoß gegen göttliche Ordnung. | Grundstein für späteres „contra naturam“. | |
3. Frühes Christentum (1.–4. Jh.) | Christlich | Paulus (Röm 1,26 f) | „physis“ = gottgewollte Ordnung. | Sodom = Symbol für Abkehr von Gott, Ausdruck der „Lust wider die Natur“. | Zementiert Sexual-ethik im theologi-schen Denken. | |
4. Kirchenväter (4.–6. Jh.) | Christlich (lateinisch & griechisch) | Augustinus, Johannes Chrysostomos, Ambrosius | „natura“ ist von Gott geschaffen, also teleologisch: jede Funktion hat göttlichen Zweck. | Homosexualität = contra naturam, weil sie dem Zweck der Fortpflanzung widerspricht. | Entstehung der patristischen Moraltheologie. | |
5. Spätantike und frühe islamische [= muslimische] Zeit (6.–8. Jh.) | Christlich–jüdische Gemeinden in Syrien, Irak, Ägypten | Syrische Exegeten, Nestorianer, Melkiten | Gleiche Vorstellung: natura = ordo divinus. [göttliche Ordnung] | Sodom = Paradigma „sexueller Perversion“. | Diese Gemeinden bilden das intellektuelle Umfeld der frühen Muslime. | |
6. Frühislamische [= frühe muslimische] Periode (7.–9. Jh.) | Islamisch | Qurʾān (z. B. 7:80–84; 26:165–166); frühe Tafsīr(Mujāhid, Muqātil, al-Ṭabarī) | Im Qurʾān selbst kein expliziter Naturbegriff. „fāḥiša“ = unbestimmte „schändliche Tat“. | Zunächst offen, dann im Kontakt mit christlicher Auslegung zunehmend als männlich-homosexuell verstanden. | Beginn der Integration des Sodom-Motivs in islamische [= muslimische] Moral. | |
7. Klassische islami-sche [= muslimi-sche] Gelehrsam-keit (9.–12. Jh.) | Islamisch [muslimisch] | Hadith-Sammlun-gen, fiqh-Literatur, Tafsīr von al-Qurṭubī, al-Rāzī, u. a. | Naturverständnis übernimmt griechisch-philosophische und christliche Elemente. | Lūṭs Volk = „homosexuelle Sünder“; Begriff liwāṭ ([ab-geleitet] von Lūṭ) entsteht. | Konsolidierung der anti-homosexuellen Norm. | |
8. Mittelalter bis Neuzeit | Islamisch [= muslimisch] & christlich | Scholastik, Rechtsschulen, Moraltheologie | „contra naturam“ = fixierte moralische Kategorie. | Sodom = archetypische Bestrafung „widernatür-licher“ Sexualität. | Dauerhafte Wirkung in Theologie, Recht und populärem Denken. |
ChatGPT | II. Narrative Zusammenfassung: Der Ideenweg – Diese Lesart prägte das Denken über Sexualität und „Natur“ in islamischen [korrekt: muslimischen] Gesellschaften bis in die Neuzeit. Möchten Sie, dass ich dazu im nächsten Schritt konkrete Textbeispiele aus den jeweiligen Epochen (z. B. Philo, Augustinus, Qurʾān, Ṭabarī) nebeneinanderstelle, um den Bedeutungswandel direkt sichtbar zu machen? |
Ja, das möchte ich gerne.
ChatGPT | Perfekt — das ist der spannendste Teil, weil man hier den semantischen und theologischen Wandel direkt an den Quellen sieht: vom sozialen Unrecht in Genesis über die „widernatürliche“ Lust bei Augustinus bis zur islamischen [= muslimischen] Deutung im tafsīr. I. Die biblisch-hebräische Grundlage |
ChatGPT | Quelle | Text (Übersetzung) | Bedeutung |
Genesis 19 (hebräischer Urtext) | Die Männer von Sodom umringen Lots Haus und sagen: „Wo sind die Männer, die zu dir gekommen sind? Führe sie zu uns heraus, damit wir sie erkennen (יָדַעְנוּ, jadaʿnu)!“ | „Erkennen“ ist im Hebräischen vieldeutig: es kann sexuelle Bedeutung haben, muss aber nicht. Der Fokus liegt auf Gewalt gegen Fremde – also Bruch der Gastfreundschaft. | |
Ezechiel 16,49 | „Siehe, das war die Schuld deiner Schwester Sodom: Hochmut, Überfluss an Brot und sorglose Ruhe; aber sie half dem Armen und Bedürftigen nicht.“ | Soziale und ethische Deutung, keine Sexualität. Das älteste Selbstverständnis der Sodom-Sünde ist soziale Grausam-keit. |
ChatGPT | II. Hellenistisch-jüdische Umdeutung |
ChatGPT | Quelle | Text (Übersetzung) | Bedeutung |
Philo von Alexandrien, De Abrahamo 133–136 (1. Jh. n. Chr.) | „Die Sodomiter trieben sich nicht nur mit Frauen, sondern auch mit Männern herum, und sie verwandelten die Natur (φύσιν) in etwas Widerwärtiges (παρὰ φύσιν).“ | Philo verbindet zum ersten Mal Sodom mit der griechischen Idee von Natur (physis) und moralischem „Wider-die-Natur“-Verhalten. Das ist der Keim des späteren contra naturam-Topos. |
ChatGPT | ✝️ III. Das Neue Testament |
ChatGPT | Quelle | Text (Übersetzung) | Bedeutung |
Römer 1,26–27 | „Darum hat Gott sie dahingegeben in schändliche Leidenschaften; denn ihre Frauen vertauschten den natürlichen Verkehr mit dem widernatürlichen. Ebenso haben auch die Männer den natürlichen Umgang mit der Frau verlassen und entbrannten in Begierde zueinander.“ | Paulus greift Philos parà phýsin auf. „Natur“ ist nun Schöpfungsordnung Gottes. Sünde ist nicht sozial, sondern theologisch und ontologisch: Abkehr von der göttlichen Ordnung. |
ChatGPT | IV. Kirchenväter – „Contra naturam“ |
ChatGPT | Quelle | Text (Übersetzung) | Bedeutung |
Augustinus, De civitate Dei XIV, 23 (5. Jh.) | „Sodom wurde wegen jener abscheulichen Verbrechen zerstört, die wider die Natur (contra naturam) begangen wurden, durch die die Menschheit selbst befleckt wird.“ | natura = göttlich intendierte Ordnung der Fortpflan-zung. Das „Wider-natürlich-Sein“ ist kein biologi-sches, sondern teleologisch-theologisches Urteil. | |
Johannes Chrysostomos, Homilia in Epistulam ad Romanos IV | „Alle Leidenschaften wider die Natur sind schändlich, besonders die der Männer, die Männer begehren – wie in Sodom.“ | Chrysostomos identifiziert Sodom klar mit männlicher Homosexualität. Die sexuelle Lesart ist hier endgültig festgeschrieben. |
ChatGPT | V. Syrisch-christliche Vermittlung (Vorstufe zum Islam) |
ChatGPT | Quelle | Text (Übersetzung) | Bedeutung |
Jakob von Serugh († 521), Homilien über Sodom | „Die Männer Sodoms entstellten die Natur, die Gott geordnet hat; sie wandten die Ordnung der Schöpfung um.“ | Deutliche contra naturam-Terminologie in syrischer Sprache (ʿal d-kayanā). Diese Literatur war im 7. Jh. in der Levante weit verbreitet und prägte die religiöse Sprache vieler Konvertiten. |
ChatGPT | VI. Qurʾān |
ChatGPT | Quelle | Text (Übersetzung) | Bedeutung |
sūra 7,80–81 | „Und [Wir entsandten] Lūṭ. Er sprach zu seinem Volk: ‚Begeht ihr eine Schandtat (الفاحشة, al-fāḥisha), wie sie keiner von den Weltenbewohnern vor euch getan hat? Ihr kommt zu Männern in Begierde [besser: bei einem Begehren] statt zu Frauen!‘“ | Der Qurʾān verwendet keinen Naturbegriff. Die Tat ist fāḥisha („schändlich“), aber nicht „wider die Natur“. Die Betonung liegt auf moralischer Abweichung, nicht auf Metaphysik. |
ChatGPT | VII. Frühe islamische [korrekt: muslimische] Kommentierung |
ChatGPT | Quelle | Text (Übersetzung) | Bedeutung |
Muqātil ibn Sulaymān († 767) | „Die Männer des Volkes Lūṭ verkehrten miteinander, und das war eine Tat wider die Sitte (ʿāda), wie sie niemand zuvor getan hat.“ | Noch kein moralisch-metaphysischer Naturbegriff – „wider die Gewohnheit“, nicht „wider die Natur“. | |
al-Ṭabarī († 923) | „Sie begingen den Geschlechtsverkehr mit Männern, was Gott verboten und wider die Natur des Menschen geschaffen hat.“ | Hier taucht erstmals im arabischen Kontext die Idee einer gottgegebenen Natur (fiṭra) auf, die verletzt wird – eine Übersetzung des spätantiken physis-Gedankens. |
ChatPGT | VIII. Klassische islamische Rechtsliteratur |
ChatGPT | Quelle | Text (Übersetzung) | Bedeutung |
al-Qurṭubī, Tafsīr zu sūra 7:80 | „Dies ist die Tat des Volkes Lūṭ, die der Prophet als schlimmste Sünde erklärte; sie widerspricht der Natur (fiṭra) und der Schöpfungsordnung (khalq Allāh).“ | Vollständige Integration des spätantiken Modells: fiṭra entspricht der christlichen natura. Homosexualität = „gegen die Schöpfung“. |
ChatGPT | IX. Fazit: Der semantische Weg Möchten Sie, dass ich im nächsten Schritt zeige, wie genau der Begriff der „fiṭra“ (Natur des Menschen) im Islam [= bei den Muslimen] diese spätantike Vorstellung aufnimmt und transformiert? |
Ja, bitte, das möchte ich.
ChatGPT | Sehr schön — das führt uns direkt ins Herz der islamischen [= muslimische] Anthropologie. 1. Ursprung des Begriffs „fiṭra“ im Qurʾān 2. Frühe Deutung (7.–9. Jahrhundert) |
ChatGPT | Begriff | Herkunft | Bedeutung |
physis (φύσις) | griechisch | die dem Kosmos innewohnende Ordnung | |
natura | lateinisch | von Gott gesetzte Schöpfungsordnung | |
fiṭra | arabisch | göttlich erschaffene menschliche Anlage |
ChatGPT | Die Begriffe verschmelzen semantisch. 4. Theologische Ausformung (10.–12. Jh.) ⚖️ 5. Entstehung des moralischen Gegensatzes |
ChatGPT | Frühphase | Spätphase |
fiṭra = Anlage zur Gotteserkenntnis | fiṭra = moralisch-natürliche Ordnung | |
Fokus auf Erkenntnis und Reinheit | Fokus auf Sexualität und Gehorsam | |
Keine Abwertung von Abweichung | Abweichung = „gegen Gott und die Schöpfung“ |
ChatGPT | Damit übernahm die islamische [= muslimische] Theologie unbewusst die Struktur der spätantiken Lehre von der „Natur als göttlicher Ordnung“, die in der christlichen Theologie bereits zur Grundlage der Sexualethik geworden war. 6. Fazit: Die Transformation von „natura“ > „fiṭra“ [فطرة] |
ChatGPT | Konzept | Ursprung | Bedeutung | Anwendung |
natura | Latein, Augustinus | göttliche Ordnung, Schöpfungszweck | Grundlage der Sexualmoral (contra naturam) | |
physis | Griechisch, Stoiker | kosmische Ordnung | Grundlage philosophischer Ethik | |
fiṭra | Qurʾānisch, semitisch | göttlich erschaffene menschliche Anlage | Wird in der islamischen Tradition moralisiert: „was der fiṭra widerspricht“ = Sünde |
ChatGPT | → Somit ist „khilāf al-fiṭra“ (gegen die Natur) [خلاف الفطرة ] das islamische [= muslimische] Gegenstück zu „contra naturam“, Wenn Sie möchten, kann ich Ihnen im nächsten Schritt zeigen, wie dieser Begriff „fiṭra“ in der islamischen [= muslimischen] Sexual-ethik (z. B. bei Ibn Ḥazm, al-Ghazālī, Ibn Taymiyya) konkret verwendet wurde — also wie aus einem neutralen Schöpfungsbegriff ein moralisches Verdikt gegen gleichgeschlechtliche Liebe wurde. Möchten Sie, dass ich das anschließe? |
Ja, bitte, das möchte ich.
ChatGPT | Gut, dann gehen wir jetzt einen Schritt weiter: 1. Ausgangspunkt: Sexualität im Qurʾān 2. Frühklassische Zeit (8.–10. Jh.) – Von „Sitte“ zu „Natur“ 3. Hochklassische Zeit (11.–12. Jh.): Moralisierung der fiṭra 4. Spätklassische Zeit (13.–14. Jh.): Fixierung als „gegen die Natur“ 5. Wichtige Beobachtung |
ChatGPT | Epoche | Schlüsselbegriff | Moralische Kategorie | Entsprechung im Christentum |
Qurʾānisch | fāḥiša (schändliche Tat) | moralisch | keine Naturmetaphysik | |
Frühislamisch [= frühmuslimisch] | ʿāda (Sitte) | sozialethisch | – | |
Klassisch | fiṭra (Naturanlage) | theologisch-moralisch | natura / lex naturalis | |
Spätklassisch | khilāf al-fiṭra (gegen die Natur) | metaphysisch-moralisch | contra naturam |
ChatGPT | 6. Langzeitwirkung ✳️ Zusammenfassung Wenn Sie möchten, kann ich im nächsten Schritt zeigen, wie sich diese Idee der „fiṭra“ im islamischen Recht (fiqh) konkret in Strafnormen und moralischen Kategorien niederschlug – also, wie aus dem theologischen Prinzip ein juristisches und gesellschaftliches Urteil wurde. Soll ich das ausführen? |
Ich bitte um die Ausführung.
ChatGPT | Natürlich. 1. Qurʾānische Grundlage: keine Strafnorm, nur moralische Erzählung
Das bedeutet: Der Qurʾān liefert nur moralische Verurteilung, keine juristische Vorschrift. 2. Frühislamische [= frühe muslimische] Rechtsbildung (8.–9. Jh.)
3. Verrechtlichung des fiṭra-Gedankens
„Liwāṭ ist eine Tat wider die fiṭra und schlimmer als Zinā.
„Liwāṭ ist gegen die Schöpfungsordnung. Die gerechte Strafe ist Tötung, 4. Unterschiede zwischen den Rechtsschulen |
ChatGPT | Rechtsschule | Haltung | Begründung | Quelle |
Ḥanafiten | Kein ḥadd (feste Strafe); taʿzīr nach Ermessen. | Qurʾān nennt keine Strafe; Analogie zu Zinā nicht zwingend. | Abū Ḥanīfa, al-Sarakhsī | |
Mālikiten | Todesstrafe (Steinigung oder Verbrennung). | Gleichstellung mit zinā, aber schwerwiegender wegen fiṭra-Verstoß. | Mālik, al-Qurṭubī | |
Šāfiʿiten | Todesstrafe durch Steinigung. | Qiyās (Analogie) zu Ehebruch; Betonung der göttlichen Ordnung. | al-Nawawī | |
Ḥanbaliten | Todesstrafe; Art der Hinrichtung variabel. | Bezug auf Hadith „Tötet beide“. | Ibn Ḥanbal, Ibn Taymiyya | |
Šīʿiten (Ǧaʿfariten) | Todesstrafe, aber mit strengen Beweisbedingungen. | Bezug auf Lūṭ und „Verderbnis auf Erden“ | al-Ṭūsī, al-Ḥillī |
ChatGPT | Nur die Ḥanafiten blieben relativ zurückhaltend, 5. Kulturelle Langzeitwirkung
b. Rechtliche und soziale Praxis
Aber die moralische Stigmatisierung war tief verwurzelt, gestützt durch das fiṭra-Narrativ.
6. Fazit: Von der Theologie zum Recht |
ChatGPT | Ebene | Schlüsselbegriff | Konsequenz |
Theologisch | fiṭra = göttliche Natur des Menschen | Abweichung = Sünde | |
Juristisch | khilāf al-fiṭra = gegen die Schöpfungsordnung | Abweichung = strafbar | |
Gesellschaftlich | „Unnatürlichkeit“ = moralische Identität | Stigmatisierung und Ausschluss |
ChatGPT | Damit ist die Linie vollständig: Wenn Sie möchten, kann ich Ihnen als Nächstes eine visuelle Übersicht (Flussdiagramm oder Zeitleiste) dieser geistigen Übertragung anfertigen – das macht die komplexen Verbindungen zwischen Judentum, Christentum und Islam besonders anschaulich. Möchten Sie, dass ich das für Sie visualisiere? |
Ja gerne. Ich möchte eine Visualisierung.
Vielen Dank, für die heutigen Auskünfte.
ChatGPT | Ich danke Ihnen ebenso herzlich — für Ihre sehr präzisen, reflektierten und historisch informierten Fragen.
Möchten Sie, dass ich Ihnen das noch nachreiche, bevor wir schließen? |
Ja, sehr gerne.
ChatGPT | Wunderbar — dann erhalten Sie jetzt eine kurze, aber sorgfältig ausgewählte Literaturliste mit den wichtigsten Primärquellen und Sekundärstudien, gegliedert nach den zentralen Etappen des Gedankengangs, den wir gemeinsam nachgezeichnet haben. I. Biblisch-jüdische und hellenistisch-jüdische Wurzeln
Genesis 18–19; Ezechiel 16:48–50.
De Abrahamo §§133–136; De specialibus legibus III.37–39.
✝️ II. Christliche und patristische Entwicklung
Sekundärliteratur
III. Syrisch-christliche Vermittlung
Sekundärliteratur
☪️ IV. Früher Islam und Qurʾān-Kommentar
Sekundärliteratur
V. Klassische islamische [= muslimische] Theologie und fiṭra-Lehre
Sekundärliteratur
VI. Moderne Forschung und Vergleichsperspektive
Empfohlener Lesestart (wenn Sie eine Handvoll Werke suchen)
Wenn Sie möchten, kann ich Ihnen diese Literatur in einer nach Themen geordneten Lektüreliste mit kurzen Annotationen (1–2 Sätze pro Werk, warum es wichtig ist) zusammenstellen – also eine Art Forschungs- und Leseplan zum Thema „Natur, fiṭra und Sexualethik in der abrahamitischen Ideengeschichte“. Soll ich das noch für Sie ausarbeiten? |
Ja, sehr gerne.
ChatGPT | Wunderbar.
→ Zentraler Ausgangspunkt: Philo führt als Erster die Vorstellung ein, dass sexuelle Sünde „wider die Natur“ (para physin) sei. Ohne ihn wäre die spätere christliche Naturmoral undenkbar.
→ Zeigt, dass Sexualethik im rabbinischen Judentum nicht naturmetaphysisch, sondern sozial und rituell begründet war. Hervorragend - zum Vergleich mit Philo und Paulus.
→ Analysiert, wie Paulus’ „contra naturam“-Argument (Röm 1,26–27) aus hellenistisch-jüdischem Denken hervorgeht. Ein Klassiker,- . → → leicht lesbar und präzise. ✝️ II. Patristische Theologie und das Konzept der „natura“
→ Hier formt sich der Gedanke, dass Sünde nicht nur Gesetzesbruch, sondern „Verkehrung der Naturordnung“ ist. Grundlage für - →mittelalterliche Sexualmoral.
→ Pionierstudie, die zeigt, wie tolerant die Spätantike war und wie die „Natur“-Moral erst im lateinischen Westen zur Unterdrückung führte. →Lesbar und enorm einflussreich.
→ Analysiert, wie Theologen wie Chrysostomos, Gregor von Nyssa und Augustinus Körper und Sexualität symbolisch aufluden. Feinsinnig →und interdisziplinär. III. Syrisch-christliche Vermittlung
. →→ Übersetzungen und Kommentare zu syrischen Autoren (Ephräm, Jakob von Serugh). Erhellt, wie „Natur“ als göttliche Ordnung →→verstanden wurde – und wie das arabische Denken sie übernahm.
→ Ein Schlüsselwerk: zeigt, wie syrisch-christliche Theologen den frühen Muslimen Begriffe, Bibelwissen und Schöpfungstheologie vermit-→telten.
→ Kontext der syrischen Theologie: religiöser Synkretismus zwischen Griechen, Juden und frühen Christen – also genau die Welt, in die der →Islam eintrat. ☪️ IV. Qurʾān, Tafsīr und Entstehung der fiṭra-Lehre
→ Frühester erhaltene Kommentar zum Qurʾān; zeigt, wie moralische Deutungen noch sozial argumentieren, nicht naturtheologisch.
→ Zentraler Text, in dem erstmals die „göttliche Ordnung“ als Naturidee aufscheint – die Brücke zwischen Theologie und Recht.
→ Unersetzlich, um zu verstehen, wie der Qurʾān exegetisch verfestigt wurde. Er zeigt, wann und wie christliche Denkfiguren einwanderten.
→ →Fundament für das moralisch-teleologische Verständnis der fiṭra. Erklärend, wie menschliches Begehren „gerichtet“ werden muss.
→ →Literarisch und psychologisch faszinierend: erkennt gleichgeschlechtliche Liebe als real, doch theologisch geordnet. Ein Fenster in die →→Ambivalenz der Zeit.
→ →Hier kulminiert der moralische Begriff „wider die fiṭra“ als Begründung der Strafe – der Punkt, an dem Ethik zur Rechtsnorm wird.
→ →Beste moderne Monographie: verfolgt die fiṭra von Qurʾān über Philosophie bis Theologie, und zeigt ihre Konvergenz mit natura.
→→ Ein Meilenstein: islamische Relektüre aus der Binnenperspektive, die fiṭra neu interpretiert als Vielfalt göttlicher Schöpfung.
→→ Unverzichtbar, wenn man verstehen will, wie das vormoderne fiqh-System mit moderner Anthropologie kollidiert.
→→ Zeigt, dass Liebe zwischen Männern in vormodernen Gesellschaften sozial existierte – das Stigma entstand erst durch moralische →→Neuinterpretation.
→ Postkoloniale und queere Perspektive: wie muslimische Denktraditionen heute mit fiṭra und Geschlecht neu umgehen. Diese vier Etappen ergeben eine vollständige intellektuelle Genealogie vom antiken „contra naturam“ bis zur heutigen fiṭra-Debatte. |
DeepSeek über diese Entwicklung
DeepSeek weist auf weitere Einflüsse auf die Muslime hin. Dort heißt es u.a. (ähnlich Samuel Rosenblatt, siehe unter „Fakten 1“) über die engen Verbindungen zu christlichen Gruppen in Bagdad:
DeepSeek | Hier eine systematische Darstellung der Kanäle, Prozesse und Transformationen:
|
DeepSeek erwähnt für al-Ghazālī (starb 1111) eine weitere Benennung/Übersetzung für contra naturam:
منافٍ للطبيعة (munāfin li-l-ṭabīʿa – der Natur zuwiderlaufend, unnatürlich).
Und das Fazit von DeepSeek ist:
DeepSeek | Fazit: |
Eine Rückschau
Wie schon mehrfach betont:
Der Islam auf Basis des arabischen Wortlauts des Qur'âns und der authentischen Ḥadîṯe war nie und ist nicht homo-phob.
Er ist die offenbarte Lehre Allahs an die Menschen, so wie Allah sie erschaffen hat einschließlich ihrer jeweiligen fiṭra, die Er ihnen für ihr Leben mitgegeben hat.
Es gibt aus der Lebenszeit des Propheten Muhammad (ṣ) keine Berichte, d.h. keine betraubaren Berichte oder Über-lieferungen, die jemanden wegen seiner fiṭra verurteilten.
Auch die authentischen Ḥadîṯe über die muẖannaṯûn zeigen, dass sie in der ummah willkommen, akzeptiert waren, so-lange sie selbstverständliche Konventionen, gesellschaftliche Regeln, beachteten.
Erst die Begegnung der frühen Muslime mit Christen und auch Juden, die den Ideen der „Kirchenväter“ und dem Sodo-Mythos folgten, veränderte das Denken der Muslime. Denn die zahlreichen neuen, konvertierten Muslime, die mawâlî, hielten an vielen Vorstellungen aus ihrer Zeit vor ihrem Islam fest und vermittelten sie weiter.
Das führte auch zu Ḥadîṯ-Erfindungen, die bald von vielen Gelehrten akzeptiert und in ihr Denken aufgenommen wur-den. Auf diese Weise wurden diese Vorstellungen von Generation zu Generation weitergegeben und beeinflussten die Gründer der Rechtsschulen, der maḏâhib, auf unterschiedliche Weise.
In dieser frühen Zeit hatte sich die muslimische Ḥadîṯ-Kritik noch nicht entwickelt, die es später ermöglichte, zwischen 'gesunden' (صحيح) und 'schwachen' (دعيف) Überlieferungen zu unterscheiden.
Das erklärt auch die Tatsache, dass al-buẖârî und muslim, die sorgfältigsten und kritischsten Autoren, die von ihren gesammelten Ḥadîṯen für ihre Bücher kein Material auswählten, das Verbote oder Verurteilungen von gelebter Homo-sexualität enthielt.
Wie spätere Gelehrte mit nicht authentischen Überlieferungen umgingen, sie beurteilten, zeigt unübersehbar, wie stark sie von den Hinterlassenschaften der „Kirchenväter“ beeinflusst waren. Und es zeigt mit welchen Mitteln sie gefälschtes Material behandelten, es für „gesund“ erklärten u.a.
Warum akzeptieren viele Muslime den Islam nicht in seiner ursprünglichen, offenbarten Form, sondern nur mit den Verdrehungen durch die Kirchenväter?
Halten wir uns also an die unbestreitbaren Fakten!
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