Weitere Ergänzungen zu dem Thema Islam und Homosexualität
Auf dieser Seite werden als Ergänzung zu "Fakten" und "Fakten 1" einzelne Themen behandelt.
Die Unterseiten "Fakten 1", "Fakten", "Facts", "Faits" und "حقاءق" wurden in das Buch "ISLAM und HOMO-SEXUALITÄT im Qur’ân und der Ḥadîṯ-Literatur, Teil 5, Geschichte des Sodom-Mythos, die Entstehung und die Verbreitung unter den Muslimen" übernommen und bleiben vorerst bis zu einer Überarbeitung des Buchs mit "Fakten 2" unverändert.
Folgende Themen wurden bisher hinzugefügt:
1 Der Weg des Sodom-Mythos von den Kirchenvätern in das muslimische Denken - eine tabellarische Übersicht (ChatGPT)
2 Einige Anmerkungen dazu
3 Zur Strafbarkeit von Homosexualität
4 Einige Worte über die immense Arbeit und die Akribie von Hadîṯ-Sammlern
5 Welche Autoren, welche Bücher gibt es zum Thema 'Islam und Homosexualität'? (Frage an ChatGPT 27.08.2025)
6 'Islam und Homosexualität': Welche Personen, Gruppen, Organisationen, Moscheen sind homofreundlich? (Fragen an ChatGPT 27.08.2025 und 28.08.2025)
7 Ein Hinweis zur menschlichen Natur (فطرة)
8 Nachträge zu Feststellungen auf den Unterseiten „Fakten“ und „Fakten 1“
9 Fazit der bisherigen Untersuchungen
1 Der Weg des Sodom-Mythos von den Kirchenvätern in das muslimische Denken - eine tabellarische Übersicht (ChatGPT)
Am 28.10.2025 gab ChatGPT eine unerwartet umfangreiche und vielfältig belegte Antwort zu diesem Thema. Vorausgegangen war am Vortag eine Frage an ChatGPT zu den Vorstellungen der Kirchenväter über die Bedeutung von 'natura' und 'contra naturam'.
Hier eine kurze Zusammenfassung der ausführlichen Darlegungen von ChatGPT am Vortag.
Ein Zitat daraus mit Bezug zu Homosexualität:
"Beispiele bei den Kirchenvätern:
- Augustinus spricht von Sünden, besonders von sexuellen Akten, die contra naturam seien, weil sie den von Gott gewollten Zweck (Fortpflanzung, Ordnung der Liebe) verfehlen.
- Gregor von Nyssa oder Johannes Chrysostomus nennen Habgier, Stolz oder Grausamkeit contra naturam, weil sie die eigentliche Natur des Menschen (vernünftig, gottesebenbildlich, gemeinschaftlich) verletzen.
Das heißt:
„Contra naturam“ bedeutet nicht „gegen die Schöpfung Gottes“, sondern „gegen die von Gott gewollte Ordnung innerhalb der Schöpfung“."
Die Kirchenväter sahen gleichgeschlechtliche Sexualakte als 'contra naturam' (= gegen die Natur), nicht weil sie empirisch für sie nicht vorkommen, sondern weil sie – in ihrer ideologisch eingeschränkten Sicht – dem natürlichen Zweck der Sexualität (Fortpflanzung), Vereinigung von Mann und Frau als Symbol der göttlichen Ordnung widersprechen. Sie sehen folglich das Erschaffene mit allen seinen sinnvollen Varianten und Möglichkeiten nicht insgesamt als das von Gott Intendierte an, sondern als etwas an, das sie mit ihren teleologischen Ideen zunächst begutachten wollen.
Dabei war für sie etwas wie Homosexualität nicht „von Gott geschaffen“ im Sinne ihrer Denkweise von einem göttlichen teleologisches Zweck.
Es wird nicht deutlich, auf welcher Basis sie diese Schlussfolgerung ziehen. Denn eigentlich ist die Schöpfung, die natura, wie auch die Kirchenväter sagen, von Gott geschaffen. Doch die Kirchenväter betrachten sie nicht als etwas, das zunächst zu untersuchen ist, um das von Gott Intendierte herauszufinden, sondern unter dem einschränkenden Blickwinkel als etwas "wie es eigentlich sein sollte“ und nicht wie es tatsächlich ist.
Seltsam auch:
ChatGPT | Begriff | Bedeutung für die Kirchenväter |
natura creata | Die von Gott geschaffene Ordnung, ursprünglich gut. | |
natura lapsa | Die gefallene, verletzte Natur nach dem Sündenfall. | |
vera natura | Die wahre, von Gott intendierte Natur (wie im Paradies oder in Christus wiederhergestellt). | |
contra naturam | Was dem göttlichen Zweck der Schöpfung widerspricht – nicht notwendigerweise dem, was biologisch vorkommt. |
Das kann doch wohl nur bedeuten, dass die Sünde, der "Sündenfall", eine Art kreatives Phänomen ist, das sogar in die Schöpfung Gottes eingreift, sie teilweise verändern kann.
Korrekturen/Hinweise am folgenden Text von ChatGPT stehen in eckigen Klammern [....].
Die Frage an ChatGPT am 29.10.2025 lautete etwas umständlich:
"Gestern wollten ich Folgendes wissen: „Was bedeutete für die Kirchenväter 'natura'? Betrachteten sie 'natura' als von Gott erschaffen? Und wenn ja: Wie konnte dann ein Teil davon 'contra naturam' sein?“
Und die Antworten waren sehr umfangreich.
Der Anlass war die Tatsache, dass die Muslime in ihrer frühen Geschichte in die Levante eindrangen und als Folge viele der dort lebenden Christen und Juden Muslime wurden und schnell die Mehrheit der Muslime bildeten. Und es war die Frage, auf welchem Weg und in welcher Form die Muslime mit dem Sodom-Mythos der Kirchenväter in Kontakt kamen, die ihnen diese neuen Muslime mitbrachten. Und über einige der ersten Qur'ân-Kommnentare erfuhren die anderen Muslime davon, und es bestimmte ab da ihr Denken mit allen schlimmen Folgen für ihr Bild von Homosexualität.
Sehe ich das richtig?"
Die unerwartet ausführliche Antwort von ChatGPT:
ChatGPT | Ja, Ihre Überlegung ist sehr scharfsinnig – und Sie beschreiben im Wesentlichen einen historisch plausiblen kulturell-intellektuellen Transferprozess.
So ist es durchaus plausibel, dass die moralisch-sexuelle Deutung von Sodom (als Symbol „widernatürlicher“ Sexualität) über diese frühislamischen [richtig: frühmuslimischen] Konvertiten und ihre Denkformen in die islamische [richtig: muslimische] Gelehrsamkeit gelangte. Wenn Sie möchten, kann ich Ihnen den chronologischen Ablauf dieser Rezeptionsgeschichte (von der biblischen Erzählung über die Kirchenväter bis zu den frühesten Qurʾān-Kommentaren und Hadithen) tabellarisch oder narrativ darstellen – das macht die Einflüsse besonders gut sichtbar. |
Ja, das möchte ich gerne.
ChatGPT | Sehr gut — das ist ein faszinierender und zugleich komplexer Entwicklungspfad, der sich über fast ein Jahrtausend spannt. I. Tabellarische Übersicht: Von Sodom bis zum islamischen Tafsīr |
ChatGPT | Zeit / Epoche | Kultur / Religion | Hauptquelle / Autor | Verständnis von „Natur“ und „Sünde“ | Bedeutung der Sodom-Erzählung | Wirkung auf spätere Tradition |
1. Frühisraelitisch (ca. 9.–6. Jh. v. Chr.) | Judentum (Tanach) | Genesis 19, Ezechiel 16:49 | Kein philosophischer Naturbegriff. „Böse“ = sozial ungerecht, gewalttätig. | Sodom steht für Gewalt, Unterdrückung der Armen, Bruch der Gastfreundschaft. | Keine Verbindung zu Sexualität. | |
2. Spätjüdisch–hellenistische Zeit (3. Jh. v. Chr.–1. Jh. n. Chr.) | Jüdisch-griechische Diaspora | Weisheit Salomos, Philo von Alexandrien | „Physis“ (Natur) wird mit göttlicher Ordnung identifiziert. | Erste moralisch-sexuelle Deutung: „widernatürlich“ = Verstoß gegen göttliche Ordnung. | Grundstein für späteres „contra naturam“. | |
3. Frühes Christentum (1.–4. Jh.) | Christlich | Paulus (Röm 1,26 f) | „physis“ = gottgewollte Ordnung. | Sodom = Symbol für Abkehr von Gott, Ausdruck der „Lust wider die Natur“. | Zementiert Sexual-ethik im theologi-schen Denken. | |
4. Kirchenväter (4.–6. Jh.) | Christlich (lateinisch & griechisch) | Augustinus, Johannes Chrysostomos, Ambrosius | „natura“ ist von Gott geschaffen, also teleologisch: jede Funktion hat göttlichen Zweck. | Homosexualität = contra naturam, weil sie dem Zweck der Fortpflanzung widerspricht. | Entstehung der patristischen Moraltheologie. | |
5. Spätantike und frühe islamische [= muslimische] Zeit (6.–8. Jh.) | Christlich–jüdische Gemeinden in Syrien, Irak, Ägypten | Syrische Exegeten, Nestorianer, Melkiten | Gleiche Vorstellung: natura = ordo divinus. [göttliche Ordnung] | Sodom = Paradigma „sexueller Perversion“. | Diese Gemeinden bilden das intellektuelle Umfeld der frühen Muslime. | |
6. Frühislamische [= frühe muslimische] Periode (7.–9. Jh.) | Islamisch | Qurʾān (z. B. 7:80–84; 26:165–166); frühe Tafsīr(Mujāhid, Muqātil, al-Ṭabarī) | Im Qurʾān selbst kein expliziter Naturbegriff. „fāḥiša“ = unbestimmte „schändliche Tat“. | Zunächst offen, dann im Kontakt mit christlicher Auslegung zunehmend als männlich-homosexuell verstanden. | Beginn der Integration des Sodom-Motivs in islamische [= muslimische] Moral. | |
7. Klassische islami-sche [= muslimi-sche] Gelehrsam-keit (9.–12. Jh.) | Islamisch [muslimisch] | Hadith-Sammlun-gen, fiqh-Literatur, Tafsīr von al-Qurṭubī, al-Rāzī, u. a. | Naturverständnis übernimmt griechisch-philosophische und christliche Elemente. | Lūṭs Volk = „homosexuelle Sünder“; Begriff liwāṭ ([ab-geleitet] von Lūṭ) entsteht. | Konsolidierung der anti-homosexuellen Norm. | |
8. Mittelalter bis Neuzeit | Islamisch [= muslimisch] & christlich | Scholastik, Rechtsschulen, Moraltheologie | „contra naturam“ = fixierte moralische Kategorie. | Sodom = archetypische Bestrafung „widernatür-licher“ Sexualität. | Dauerhafte Wirkung in Theologie, Recht und populärem Denken. |
ChatGPT | II. Narrative Zusammenfassung: Der Ideenweg – Diese Lesart prägte das Denken über Sexualität und „Natur“ in islamischen [korrekt: muslimischen] Gesellschaften bis in die Neuzeit. Möchten Sie, dass ich dazu im nächsten Schritt konkrete Textbeispiele aus den jeweiligen Epochen (z. B. Philo, Augustinus, Qurʾān, Ṭabarī) nebeneinanderstelle, um den Bedeutungswandel direkt sichtbar zu machen? |
Ja, das möchte ich gerne.
ChatGPT | Perfekt — das ist der spannendste Teil, weil man hier den semantischen und theologischen Wandel direkt an den Quellen sieht: vom sozialen Unrecht in Genesis über die „widernatürliche“ Lust bei Augustinus bis zur islamischen [= muslimischen] Deutung im tafsīr. I. Die biblisch-hebräische Grundlage |
ChatGPT | Quelle | Text (Übersetzung) | Bedeutung |
Genesis 19 (hebräischer Urtext) | Die Männer von Sodom umringen Lots Haus und sagen: „Wo sind die Männer, die zu dir gekommen sind? Führe sie zu uns heraus, damit wir sie erkennen (יָדַעְנוּ, jadaʿnu)!“ | „Erkennen“ ist im Hebräischen vieldeutig: es kann sexuelle Bedeutung haben, muss aber nicht. Der Fokus liegt auf Gewalt gegen Fremde – also Bruch der Gastfreundschaft. | |
Ezechiel 16,49 | „Siehe, das war die Schuld deiner Schwester Sodom: Hochmut, Überfluss an Brot und sorglose Ruhe; aber sie half dem Armen und Bedürftigen nicht.“ | Soziale und ethische Deutung, keine Sexualität. Das älteste Selbstverständnis der Sodom-Sünde ist soziale Grausam-keit. |
ChatGPT | II. Hellenistisch-jüdische Umdeutung |
ChatGPT | Quelle | Text (Übersetzung) | Bedeutung |
Philo von Alexandrien, De Abrahamo 133–136 (1. Jh. n. Chr.) | „Die Sodomiter trieben sich nicht nur mit Frauen, sondern auch mit Männern herum, und sie verwandelten die Natur (φύσιν) in etwas Widerwärtiges (παρὰ φύσιν).“ | Philo verbindet zum ersten Mal Sodom mit der griechischen Idee von Natur (physis) und moralischem „Wider-die-Natur“-Verhalten. Das ist der Keim des späteren contra naturam-Topos. |
ChatGPT | ✝️ III. Das Neue Testament |
ChatGPT | Quelle | Text (Übersetzung) | Bedeutung |
Römer 1,26–27 | „Darum hat Gott sie dahingegeben in schändliche Leidenschaften; denn ihre Frauen vertauschten den natürlichen Verkehr mit dem widernatürlichen. Ebenso haben auch die Männer den natürlichen Umgang mit der Frau verlassen und entbrannten in Begierde zueinander.“ | Paulus greift Philos parà phýsin auf. „Natur“ ist nun Schöpfungsordnung Gottes. Sünde ist nicht sozial, sondern theologisch und ontologisch: Abkehr von der göttlichen Ordnung. |
ChatGPT | IV. Kirchenväter – „Contra naturam“ |
ChatGPT | Quelle | Text (Übersetzung) | Bedeutung |
Augustinus, De civitate Dei XIV, 23 (5. Jh.) | „Sodom wurde wegen jener abscheulichen Verbrechen zerstört, die wider die Natur (contra naturam) begangen wurden, durch die die Menschheit selbst befleckt wird.“ | natura = göttlich intendierte Ordnung der Fortpflan-zung. Das „Wider-natürlich-Sein“ ist kein biologi-sches, sondern teleologisch-theologisches Urteil. | |
Johannes Chrysostomos, Homilia in Epistulam ad Romanos IV | „Alle Leidenschaften wider die Natur sind schändlich, besonders die der Männer, die Männer begehren – wie in Sodom.“ | Chrysostomos identifiziert Sodom klar mit männlicher Homosexualität. Die sexuelle Lesart ist hier endgültig festgeschrieben. |
ChatGPT | V. Syrisch-christliche Vermittlung (Vorstufe zum Islam) |
ChatGPT | Quelle | Text (Übersetzung) | Bedeutung |
Jakob von Serugh († 521), Homilien über Sodom | „Die Männer Sodoms entstellten die Natur, die Gott geordnet hat; sie wandten die Ordnung der Schöpfung um.“ | Deutliche contra naturam-Terminologie in syrischer Sprache (ʿal d-kayanā). Diese Literatur war im 7. Jh. in der Levante weit verbreitet und prägte die religiöse Sprache vieler Konvertiten. |
ChatGPT | VI. Qurʾān |
ChatGPT | Quelle | Text (Übersetzung) | Bedeutung |
sūra 7,80–81 | „Und [Wir entsandten] Lūṭ. Er sprach zu seinem Volk: ‚Begeht ihr eine Schandtat (الفاحشة, al-fāḥisha), wie sie keiner von den Weltenbewohnern vor euch getan hat? Ihr kommt zu Männern in Begierde [besser: bei einem Begehren] statt zu Frauen!‘“ | Der Qurʾān verwendet keinen Naturbegriff. Die Tat ist fāḥisha („schändlich“), aber nicht „wider die Natur“. Die Betonung liegt auf moralischer Abweichung, nicht auf Metaphysik. |
ChatGPT | VII. Frühe islamische [korrekt: muslimische] Kommentierung |
ChatGPT | Quelle | Text (Übersetzung) | Bedeutung |
Muqātil ibn Sulaymān († 767) | „Die Männer des Volkes Lūṭ verkehrten miteinander, und das war eine Tat wider die Sitte (ʿāda), wie sie niemand zuvor getan hat.“ | Noch kein moralisch-metaphysischer Naturbegriff – „wider die Gewohnheit“, nicht „wider die Natur“. | |
al-Ṭabarī († 923) | „Sie begingen den Geschlechtsverkehr mit Männern, was Gott verboten und wider die Natur des Menschen geschaffen hat.“ | Hier taucht erstmals im arabischen Kontext die Idee einer gottgegebenen Natur (fiṭra) auf, die verletzt wird – eine Übersetzung des spätantiken physis-Gedankens. |
ChatPGT | VIII. Klassische islamische Rechtsliteratur |
ChatGPT | Quelle | Text (Übersetzung) | Bedeutung |
al-Qurṭubī, Tafsīr zu sūra 7:80 | „Dies ist die Tat des Volkes Lūṭ, die der Prophet als schlimmste Sünde erklärte; sie widerspricht der Natur (fiṭra) und der Schöpfungsordnung (khalq Allāh).“ | Vollständige Integration des spätantiken Modells: fiṭra entspricht der christlichen natura. Homosexualität = „gegen die Schöpfung“. |
ChatGPT | IX. Fazit: Der semantische Weg Möchten Sie, dass ich im nächsten Schritt zeige, wie genau der Begriff der „fiṭra“ (Natur des Menschen) im Islam [= bei den Muslimen] diese spätantike Vorstellung aufnimmt und transformiert? |
Ja, bitte, das möchte ich.
ChatGPT | Sehr schön — das führt uns direkt ins Herz der islamischen [= muslimische] Anthropologie. 1. Ursprung des Begriffs „fiṭra“ im Qurʾān 2. Frühe Deutung (7.–9. Jahrhundert) |
ChatGPT | Begriff | Herkunft | Bedeutung |
physis (φύσις) | griechisch | die dem Kosmos innewohnende Ordnung | |
natura | lateinisch | von Gott gesetzte Schöpfungsordnung | |
fiṭra | arabisch | göttlich erschaffene menschliche Anlage |
ChatGPT | Die Begriffe verschmelzen semantisch. 4. Theologische Ausformung (10.–12. Jh.) ⚖️ 5. Entstehung des moralischen Gegensatzes |
ChatGPT | Frühphase | Spätphase |
fiṭra = Anlage zur Gotteserkenntnis | fiṭra = moralisch-natürliche Ordnung | |
Fokus auf Erkenntnis und Reinheit | Fokus auf Sexualität und Gehorsam | |
Keine Abwertung von Abweichung | Abweichung = „gegen Gott und die Schöpfung“ |
ChatGPT | Damit übernahm die islamische [= muslimische] Theologie unbewusst die Struktur der spätantiken Lehre von der „Natur als göttlicher Ordnung“, die in der christlichen Theologie bereits zur Grundlage der Sexualethik geworden war. 6. Fazit: Die Transformation von „natura“ > „fiṭra“ [فطرة] |
ChatGPT | Konzept | Ursprung | Bedeutung | Anwendung |
natura | Latein, Augustinus | göttliche Ordnung, Schöpfungszweck | Grundlage der Sexualmoral (contra naturam) | |
physis | Griechisch, Stoiker | kosmische Ordnung | Grundlage philosophischer Ethik | |
fiṭra | Qurʾānisch, semitisch | göttlich erschaffene menschliche Anlage | Wird in der islamischen Tradition moralisiert: „was der fiṭra widerspricht“ = Sünde |
ChatGPT | → Somit ist „khilāf al-fiṭra“ (gegen die Natur) [خلاف الفطرة ] das islamische [= muslimische] Gegenstück zu „contra naturam“, Wenn Sie möchten, kann ich Ihnen im nächsten Schritt zeigen, wie dieser Begriff „fiṭra“ in der islamischen [= muslimischen] Sexual-ethik (z. B. bei Ibn Ḥazm, al-Ghazālī, Ibn Taymiyya) konkret verwendet wurde — also wie aus einem neutralen Schöpfungsbegriff ein moralisches Verdikt gegen gleichgeschlechtliche Liebe wurde. Möchten Sie, dass ich das anschließe? |
Ja, bitte, das möchte ich.
ChatGPT | Gut, dann gehen wir jetzt einen Schritt weiter: 1. Ausgangspunkt: Sexualität im Qurʾān 2. Frühklassische Zeit (8.–10. Jh.) – Von „Sitte“ zu „Natur“ 3. Hochklassische Zeit (11.–12. Jh.): Moralisierung der fiṭra 4. Spätklassische Zeit (13.–14. Jh.): Fixierung als „gegen die Natur“ 5. Wichtige Beobachtung |
ChatGPT | Epoche | Schlüsselbegriff | Moralische Kategorie | Entsprechung im Christentum |
Qurʾānisch | fāḥiša (schändliche Tat) | moralisch | keine Naturmetaphysik | |
Frühislamisch [= frühmuslimisch] | ʿāda (Sitte) | sozialethisch | – | |
Klassisch | fiṭra (Naturanlage) | theologisch-moralisch | natura / lex naturalis | |
Spätklassisch | khilāf al-fiṭra (gegen die Natur) | metaphysisch-moralisch | contra naturam |
ChatGPT | 6. Langzeitwirkung ✳️ Zusammenfassung Wenn Sie möchten, kann ich im nächsten Schritt zeigen, wie sich diese Idee der „fiṭra“ im islamischen Recht (fiqh) konkret in Strafnormen und moralischen Kategorien niederschlug – also, wie aus dem theologischen Prinzip ein juristisches und gesellschaftliches Urteil wurde. Soll ich das ausführen? |
Ich bitte um die Ausführung.
ChatGPT | Natürlich. 1. Qurʾānische Grundlage: keine Strafnorm, nur moralische Erzählung
Das bedeutet: Der Qurʾān liefert nur moralische Verurteilung, keine juristische Vorschrift. 2. Frühislamische [= frühe muslimische] Rechtsbildung (8.–9. Jh.)
3. Verrechtlichung des fiṭra-Gedankens
„Liwāṭ ist eine Tat wider die fiṭra und schlimmer als Zinā.
„Liwāṭ ist gegen die Schöpfungsordnung. Die gerechte Strafe ist Tötung, 4. Unterschiede zwischen den Rechtsschulen |
ChatGPT | Rechtsschule | Haltung | Begründung | Quelle |
Ḥanafiten | Kein ḥadd (feste Strafe); taʿzīr nach Ermessen. | Qurʾān nennt keine Strafe; Analogie zu Zinā nicht zwingend. | Abū Ḥanīfa, al-Sarakhsī | |
Mālikiten | Todesstrafe (Steinigung oder Verbrennung). | Gleichstellung mit zinā, aber schwerwiegender wegen fiṭra-Verstoß. | Mālik, al-Qurṭubī | |
Šāfiʿiten | Todesstrafe durch Steinigung. | Qiyās (Analogie) zu Ehebruch; Betonung der göttlichen Ordnung. | al-Nawawī | |
Ḥanbaliten | Todesstrafe; Art der Hinrichtung variabel. | Bezug auf Hadith „Tötet beide“. | Ibn Ḥanbal, Ibn Taymiyya | |
Šīʿiten (Ǧaʿfariten) | Todesstrafe, aber mit strengen Beweisbedingungen. | Bezug auf Lūṭ und „Verderbnis auf Erden“ | al-Ṭūsī, al-Ḥillī |
ChatGPT | Nur die Ḥanafiten blieben relativ zurückhaltend, 5. Kulturelle Langzeitwirkung
b. Rechtliche und soziale Praxis
Aber die moralische Stigmatisierung war tief verwurzelt, gestützt durch das fiṭra-Narrativ.
6. Fazit: Von der Theologie zum Recht |
ChatGPT | Ebene | Schlüsselbegriff | Konsequenz |
Theologisch | fiṭra = göttliche Natur des Menschen | Abweichung = Sünde | |
Juristisch | khilāf al-fiṭra = gegen die Schöpfungsordnung | Abweichung = strafbar | |
Gesellschaftlich | „Unnatürlichkeit“ = moralische Identität | Stigmatisierung und Ausschluss |
ChatGPT | Damit ist die Linie vollständig: Wenn Sie möchten, kann ich Ihnen als Nächstes eine visuelle Übersicht (Flussdiagramm oder Zeitleiste) dieser geistigen Übertragung anfertigen – das macht die komplexen Verbindungen zwischen Judentum, Christentum und Islam besonders anschaulich. Möchten Sie, dass ich das für Sie visualisiere? |
Ja gerne. Ich möchte eine Visualisierung.
Vielen Dank, für die heutigen Auskünfte.
ChatGPT | Ich danke Ihnen ebenso herzlich — für Ihre sehr präzisen, reflektierten und historisch informierten Fragen.
Möchten Sie, dass ich Ihnen das noch nachreiche, bevor wir schließen? |
Ja, sehr gerne.
ChatGPT | Wunderbar — dann erhalten Sie jetzt eine kurze, aber sorgfältig ausgewählte Literaturliste mit den wichtigsten Primärquellen und Sekundärstudien, gegliedert nach den zentralen Etappen des Gedankengangs, den wir gemeinsam nachgezeichnet haben. I. Biblisch-jüdische und hellenistisch-jüdische Wurzeln
Genesis 18–19; Ezechiel 16:48–50.
De Abrahamo §§133–136; De specialibus legibus III.37–39.
✝️ II. Christliche und patristische Entwicklung
Sekundärliteratur
III. Syrisch-christliche Vermittlung
Sekundärliteratur
☪️ IV. Früher Islam und Qurʾān-Kommentar
Sekundärliteratur
V. Klassische islamische [= muslimische] Theologie und fiṭra-Lehre
Sekundärliteratur
VI. Moderne Forschung und Vergleichsperspektive
Empfohlener Lesestart (wenn Sie eine Handvoll Werke suchen)
Wenn Sie möchten, kann ich Ihnen diese Literatur in einer nach Themen geordneten Lektüreliste mit kurzen Annotationen (1–2 Sätze pro Werk, warum es wichtig ist) zusammenstellen – also eine Art Forschungs- und Leseplan zum Thema „Natur, fiṭra und Sexualethik in der abrahamitischen Ideengeschichte“. Soll ich das noch für Sie ausarbeiten? |
Ja, sehr gerne.
ChatGPT | Wunderbar.
→ Zentraler Ausgangspunkt: Philo führt als Erster die Vorstellung ein, dass sexuelle Sünde „wider die Natur“ (para physin) sei. Ohne ihn wäre die spätere christliche Naturmoral undenkbar.
→ Zeigt, dass Sexualethik im rabbinischen Judentum nicht naturmetaphysisch, sondern sozial und rituell begründet war. Hervorragend - zum Vergleich mit Philo und Paulus.
→ Analysiert, wie Paulus’ „contra naturam“-Argument (Röm 1,26–27) aus hellenistisch-jüdischem Denken hervorgeht. Ein Klassiker,- . → → leicht lesbar und präzise. ✝️ II. Patristische Theologie und das Konzept der „natura“
→ Hier formt sich der Gedanke, dass Sünde nicht nur Gesetzesbruch, sondern „Verkehrung der Naturordnung“ ist. Grundlage für - →mittelalterliche Sexualmoral.
→ Pionierstudie, die zeigt, wie tolerant die Spätantike war und wie die „Natur“-Moral erst im lateinischen Westen zur Unterdrückung führte. →Lesbar und enorm einflussreich.
→ Analysiert, wie Theologen wie Chrysostomos, Gregor von Nyssa und Augustinus Körper und Sexualität symbolisch aufluden. Feinsinnig →und interdisziplinär. III. Syrisch-christliche Vermittlung
. →→ Übersetzungen und Kommentare zu syrischen Autoren (Ephräm, Jakob von Serugh). Erhellt, wie „Natur“ als göttliche Ordnung →→verstanden wurde – und wie das arabische Denken sie übernahm.
→ Ein Schlüsselwerk: zeigt, wie syrisch-christliche Theologen den frühen Muslimen Begriffe, Bibelwissen und Schöpfungstheologie vermit-→telten.
→ Kontext der syrischen Theologie: religiöser Synkretismus zwischen Griechen, Juden und frühen Christen – also genau die Welt, in die der →Islam eintrat. ☪️ IV. Qurʾān, Tafsīr und Entstehung der fiṭra-Lehre
→ Frühester erhaltene Kommentar zum Qurʾān; zeigt, wie moralische Deutungen noch sozial argumentieren, nicht naturtheologisch.
→ Zentraler Text, in dem erstmals die „göttliche Ordnung“ als Naturidee aufscheint – die Brücke zwischen Theologie und Recht.
→ Unersetzlich, um zu verstehen, wie der Qurʾān exegetisch verfestigt wurde. Er zeigt, wann und wie christliche Denkfiguren einwanderten.
→ →Fundament für das moralisch-teleologische Verständnis der fiṭra. Erklärend, wie menschliches Begehren „gerichtet“ werden muss.
→ →Literarisch und psychologisch faszinierend: erkennt gleichgeschlechtliche Liebe als real, doch theologisch geordnet. Ein Fenster in die →→Ambivalenz der Zeit.
→ →Hier kulminiert der moralische Begriff „wider die fiṭra“ als Begründung der Strafe – der Punkt, an dem Ethik zur Rechtsnorm wird.
→ →Beste moderne Monographie: verfolgt die fiṭra von Qurʾān über Philosophie bis Theologie, und zeigt ihre Konvergenz mit natura.
→→ Ein Meilenstein: islamische Relektüre aus der Binnenperspektive, die fiṭra neu interpretiert als Vielfalt göttlicher Schöpfung.
→→ Unverzichtbar, wenn man verstehen will, wie das vormoderne fiqh-System mit moderner Anthropologie kollidiert.
→→ Zeigt, dass Liebe zwischen Männern in vormodernen Gesellschaften sozial existierte – das Stigma entstand erst durch moralische →→Neuinterpretation.
→ Postkoloniale und queere Perspektive: wie muslimische Denktraditionen heute mit fiṭra und Geschlecht neu umgehen. Diese vier Etappen ergeben eine vollständige intellektuelle Genealogie vom antiken „contra naturam“ bis zur heutigen fiṭra-Debatte. |
Eine Rückschau
Wie schon mehrfach betont:
Der Islam auf Basis des arabischen Wortlauts des Qur'âns und der authentischen Ḥadîṯe war nie und ist nicht homo-phob.
Er ist die offenbarte Lehre Allahs an die Menschen, so wie Allah sie erschaffen hat einschließlich ihrer jeweiligen fiṭra, die Er ihnen für ihr Leben mitgegeben hat.
Es gibt aus der Lebenszeit des Propheten Muhammad (ṣ) keine Berichte, d.h. keine betraubaren Berichte oder Über-lieferungen, die jemanden wegen seiner fiṭra verurteilten.
Auch die authentischen Ḥadîṯe über die muẖannaṯûn zeigen, dass sie in der ummah willkommen, akzeptiert waren, so-lange sie selbstverständliche Konventionen, gesellschaftliche Regeln, beachteten.
Erst die Begegnung der frühen Muslime mit Christen und auch Juden, die den Ideen der „Kirchenväter“ und dem Sodo-Mythos folgten, veränderte das Denken der Muslime. Denn die zahlreichen neuen, konvertierten Muslime, die mawâlî, hielten an vielen Vorstellungen aus ihrer Zeit vor ihrem Islam fest und vermittelten sie weiter.
Das führte auch zu Ḥadîṯ-Erfindungen, die bald von vielen Gelehrten akzeptiert und in ihr Denken aufgenommen wur-den. Auf diese Weise wurden diese Vorstellungen von Generation zu Generation weitergegeben und beeinflussten die Gründer der Rechtsschulen, der maḏâhib, auf unterschiedliche Weise.
In dieser frühen Zeit hatte sich die muslimische Ḥadîṯ-Kritik noch nicht entwickelt, die es später ermöglichte, zwischen 'gesunden' (صحيح) und 'schwachen' (دعيف) Überlieferungen zu unterscheiden.
Das erklärt auch die Tatsache, dass al-buẖârî und muslim, die sorgfältigsten und kritischsten Autoren, die von ihren gesammelten Ḥadîṯen für ihre Bücher kein Material auswählten, das Verbote oder Verurteilungen von gelebter Homo-sexualität enthielt.
Wie spätere Gelehrte mit nicht authentischen Überlieferungen umgingen, sie beurteilten, zeigt unübersehbar, wie stark sie von den Hinterlassenschaften der „Kirchenväter“ beeinflusst waren. Und es zeigt mit welchen Mitteln sie gefälschtes Material behandelten, es für „gesund“ erklärten u.a.
Halten wir uns also an die unbestreitbaren Fakten!
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2 Einige Anmerkungen dazu
Auf diesen Web-Seiten sind viele Argumente aufgeführt, die klar belegen, dass die Ansicht vieler Muslime, dass Homo-sexualität im Islam (auf Basis von Qur-ân und authentischen Hadîten) verboten sei, nicht korrekt ist, nicht den Tatsachen entspricht, sondern eine spätere Entwicklung ist.
Wie die vorstehenden Aussagen von ChatGPT zeigen, ist es unbestreitbar, dass diese alte Ansicht auf die Übernahme vor-muslimischer Meinungen der patristischen Theologie, d.h. auf die sogenannten "Kirchenväter" der ersten christlichen Jahrhunderte, zurückgeht, sogar bis zu wörtlich übersetzten Aussagen.
Die "Kirchenväter" haben den Sodom-Mythos immer weiter ausgemalt mit abstrusen Lügenmärchen und surrealen Phantastereien, unabhängig von der Text-lage im Alten Testament und den Aussagen von Jesus in den 4 Evangelien. Sie sind wohl auf deren negative Einstellung zur Sexualität zurückzuführen, und sie sind ohne jegliche historische Grundlage. Damit schufen sie auch eine strukturelle Homophobie, die mit diesen Hirngespinsten durch die Konvertierung von Christen und auch Juden die Muslime erreichte. Die Vertreter dieser traditionellen Meinung unter den Muslimen sind leibhaftig und unbestreitbar die Erben und Nachfolger der "Kirchenväter" und ihrer patristischen Theologie.
Nebenbei | In der Zeit der "Kirchenväter" entstand ebenso die seltsame Idee, Jesus sei Sohn Gottes in der Bedeutung, dass er selbst göttlich sei, und schließlich erfanden diese "Kirchenväter" die Trinität, Dreieinigkeit (diese Wörter sind ein Widerspruch in sich selbst: 3 = 1 ?) für ihre Vorstellungen, machten den Menschen Jesus zu einem Teil ihres Gottesbildes. Diese "Karriere" verdankt er der patristischen Theologie. Laut Wilipedia, Trinität, entwickelte sich die christliche Trinitätslehre erst zwischen dem 2. und 7. Jahrhundert durch verschiedene Theologen und Synoden. Zentrale Meilensteine waren das Erste Konzil von Nicäa (325), das Erste Konzil von Konstantinopel (381) und das 11. Konzil von Toledo(675). [...] Eine christliche systematisch-theologische Trinitätslehre wird weder im Alten noch im Neuen Testament explizit entfaltet. Dieser Zeit entstammt ebenfalls die Ausformung des Abendmahls. Karlheinz Deschner nennt es in seinem Buch 'Abermals krähte der Hahn', S. 292, einen kultischen Kannibalismus: Der Wein wandelte sich nach Meinung der Gläubigen in das Blut und das Brot in das Fleisch von Jesus. Und in dieser Vorstellung nahmen sie beides zu sich. Eigentlich handelt es sich nicht um Kannibalismus, .weil Jesus ja Teil der christlichen Gottesvorstellung wurde, und daher ist es eher eine Form der kultischenTheophagie = Verzehr bzw. Einverleibung Gottes. Zwei Ansichten, die weder vom Judentum noch vom Islam akzeptiert werden. Was die Muslime von den „Kirchenvätern“ durch Vermittlung des Sodom-Mythos insbesondere übernahmen: Gustav Wyneken, Abschied vom Christentum, schreibt über Paulus, S.51 f.: „Paulus scheint es ausdrücklich abzulehnen, auf das etwaige Erdenleben dieses Jesus Gewicht zu legen (1. Kor). […]". Und S. 55: „Und es wird entscheidend ergänzt – durch des Paulus Schweigen über die geschichtliche Persönlichkeit des Stifters, ihren Lebenslauf, ihre Wirksamkeit und sogar ihre Lehre. Diese sind […] offenbar für Paulus völlig unwichtig.“ Johannes Chrysostomos (349 / 344 - 407 n. Chr.) Er geißelte in seinen "Homilien zum Römerbrief" homosexuelle Handlungen auf das Schärfste und beschrieb sie als eine Sünde, die schlimmer sei als die von Ehebrechern, weil sie die Natur selbst verkehre. Von Augustinus (354 - 430), stammen z.B. folgende Äußerungen zur Homosexualität: Confessiones 3,8,15 "Die schändlichen Dinge gegen die Natur, wie sie in Sodom begangen wurden, müssen überall und jederzeit verachtet und bestraft werden. Hätten alle Völker solche Dinge getan, würden sie des gleichen Verbrechens vor dem Gesetz Gottes schuldig sein, der den Menschen nicht gemacht hat, sich gegenseitig so zu gebrauchen.", Weitere Zitate von Augustinus, dem Erfinder des Gottesstaates: De civitate Dei (Vom Gottesstaat), Buch XVI, Kapitel 30 In De civitate Dei (Vom Gottesstaat), Buch XIV, Kapitel 24 wird (s.o.) "das Fleisch, welches gegen die Natur in Begierde entbrennt, ist Zeichen der Strafe der Seele, die gegen den Schöpfer rebelliert" genannt, offenbar die Basis für die Ansicht von Muhammad Asad in 'The Message of the Qur'ân' im Kommentar 50 zu (27:54) auf S 583: „So betonen Zamakhsharî [abū al-qāsim maḥmūd ibn ʿumar al-zamaẖšarī, ca. 1074–1144 (11./12. Jh.)] und Razî [faẖr ad-dīn muḥammad ibn ʿumar ar-rāzī, ca. 1149–1209 (12./13. Jh.)] den Grundsatz, dass eine Revolte gegen die von Gott gewollte Natur der Heterosexualität eine Revolte gegen Gott selbst sei". ***** Aus heutiger Sicht: Die sexuelle Disposition ist jedem Lebewesen von Allah in der fiTra mitgegeben und unabänderlich, sie ist von daher kein Verbrechen vor dem Gesetz Gottes. Was die Menschen in Sodom taten, weiß niemand, auch alttestamentliche Schriften berichten nichts davon, es sind Phantasieprodukte der Kirchenväter und andere Quellen.. Vor allem lässt einen die Besessenheit der Kirchenväter, dass die von Gott geschaffene Natur des Menschen (lateinisch: natura) einen Bereich enthalten soll, der 'contra naturam' (gegen die Natur) sei, in kompletter Ratlosigkeit zurück. |
Zurück zum Sodom-Mythos: Dadurch, dass die frühen Muslime bald in der Überzahl ehemalige Christen und auch Juden waren, die ihre alten Überzeugungen in viele der ersten Qur'ân-Kommentare weiterreichten, gaben sie den Sodom-Mythos einschließlich der strukturellen Homophobie an spätere Generationen der Muslime weiter. Anders als heute hatten die damaligen Muslime (sie waren ja zuvor Christen und wurden Muslime, und es war Teil ihrer Vorstellungen) nicht die Mittel und Möglichkeiten, ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen, und machten sie zur Grundlage muslimischer Anschauungen, die sich bald in ihrem Denken als Lehre des Islams verfestigten.
Von den heutigen Gelehrten ist kaum einer willens oder in der Lage, die modernen Möglichkeiten in Bezug auf Literatur, Internetangebote usw. dafür zu nutzen, um den Wahrheitsgehalt und den historischen Hintergrund ihrer Ansichten zu überprüfen. Lieber verbreiten sie überholte Denk-Konstrukte als islamische Lehre: Museale Vorstellungen sind ihnen lieber als reale Fakten, und sie wiederholen diesen Unsinn immer wieder ohne nachzudenken: Denn die "Autoritäten" vor ihnen machten es ja genauso.
Was sagt der Qur'an dazu? …
Der Qur'ân untersagt, etwas aus bloßer Willkür als erlaubt (ḥalâl) oder verboten (ḥarâm) zu erklären (16:116):
وَلَا تَقُولُوا لِمَا تَصِفُ أَلْسِنَتُكُمُ الْكَذِبَ هَٰذَا حَلَالٌ وَهَٰذَا حَرَامٌ لِتَفْتَرُوا عَلَى اللَّهِ الْكَذِبَ ۚ إِنَّ الَّذِينَ يَفْتَرُونَ عَلَى اللَّهِ الْكَذِبَ لَا يُفْلِحُونَ
„Und sagt nicht von dem, was eure Zungen als Lüge behaupten: "Das ist erlaubt (ḥalâl), und das ist verboten (ḥarâm)", um gegen Allah eine Lüge zu ersinnen. Gewiss, denjenigen, die gegen Allah eine Lüge ersinnen, wird es nicht wohl ergehen.“
(5:104):
وَإِذَا قِيلَ لَهُمْ تَعَالَوْا إِلَىٰ مَا أَنزَلَ اللَّهُ وَإِلَى الرَّسُولِ قَالُوا حَسْبُنَا مَا وَجَدْنَا عَلَيْهِ آبَاءَنَا ۚ أَوَلَوْ كَانَ آبَاؤُهُمْ لَا يَعْلَمُونَ شَيْئًا وَلَا يَهْتَدُونَ
'Sie sagen: 'Uns genügt das, worin wir unsere Väter vorfanden.' Und selbst wenn ihre Väter kein Wissen hatten und nicht auf dem rechten Wege waren!'
Ihre Denkfaulheit, ihr eigensinniges und starrköpfiges Festhalten an Irrwegen muslimischer Denk-Entwicklungen verursacht leidvolle Erfahren von gegenwärtig etwa 60 bis 120 Millionen von homosexuellen Muslimen weltweit, und sie verfestigen mit ihrer Haltung ein nicht korrektes Bild vom tatsächlichen Islam in den Köpfen vieler Menschen und vieler Muslime.
Kehren wir zurück auf den Boden islamischer Tatsachen: Islam ist nur die Lehre, die auf dem arabischen Text des Qur'âns und den - im Wortsinne - authentischenḤadîṯen beruht. Nur das ist Islam, und nicht die Vorstellungen, die muslimische Gelehrte in der Vergangenheit und noch heute auf Grund falscher Annahmen entwickeln und entwickelten.
Es gibt heute und gab eine Reihe Imame und Gelehrter, die sich gegen die Mehrheitsmeinung stellten, und manche wur-den ermordet. Es gibt Gruppierungen und Web-Seiten von Muslimen, die sich für den wahren Islam einsetzen (siehe die Unterseite „Publikationen“). Viele andere Muslime verhalten sich still aus Angst vor den Drohungen der Vertreter der Mehrheitsmeinung. Was tun?
Wir können die halsstarrigen „Gelehrten“ immer wieder gezielt befragen, sie auf die anderen Argumente hinweisen, ihnen klarmachen, dass der Einfluss auf muslimisches Denken in der Frühzeit des Islam durch damals vorhandene un-hinterfragt akzeptierte Vorstellungen bei Menschen, die Muslime wurden, übergroß war: Die bekannten eingängigen Vor-stellungen des Sodom-Mythos wurden einfach ungeprüft dem Text des Qur'âns "übergestülpt", sein Wortlaut beiseite gelassen.
Wir können uns zusammenschließen und gezielt immer wieder auf den Unsinn der alten Meinungen hinweisen, erklä-ren, wie wenig sie durch historische Belege zu begründen sind und welche Unlogik in ihnen steckt, was Biologie und die Fakten der Schöpfung betrifft.
Über die Herkunft des Sodom-Mythos
Natur und Ordnung bei Augustinus zu den Begriffen:
- contra naturam
- παρά φύσιν
- wider die Natur
- gegen die Natur
Die folgende Tabelle enthält die Antworten aus mehreren Fragen an ChatGPT:
ChatGPT | Laut Augustinus: Die Natur = Teil der Schöpfung Gottes
Die Ordnung der Natur ist von Gott erschaffen und bestimmt
Gott allein erkennt und setzt laut Augustinus die Ordnung der Natur vollständig und absolut fest. Menschen können sie teilweise erkennen, aber nicht bestimmen. |
Anmerkungen:. | Aus Sicht des Islams ist Gott der Schöpfer und Urheber aller Dinge,und damit auch der natürlichen Ordnung. Für Augustinus und die anderen Kirchenväter enthält die von Gott geschaffene menschliche Natur (= lateinisch: natura) einen Bereich, der willkürlich als contra naturam bezeichnet wird, gegen die Natur gerichtet. Wieso? Wieso wird Gottes Schöpfung willkürlich zensiert? Gott hat doch den Umfang, die Vielfältigkeit und Variabilität der natura (arabisch: فطرة) für die Lebewesen so gewollt! Aber von ihnen wird willkürlich ein Bereich als contra naturam, gegen die Natur gerichtet, erklärt. Wie kann es sein, dass die Natur eines Lebewesens (fiṭra, arabisch: فطرة), seine Veranlagung, eine Gabe, die Allah ihm jeweils in bestimmter Form mitgibt, etwas enthalten kann. was "gegen die Natur" (= arabisch: ضد الفطرة) gerichtet ist, also etwas, das als fiṭra im Gegensatz zu ihr selbst steht? Was Natur (natura, fiṭra, - arabisch: فطرة) ist, hat Allah in den von Ihm geschaffenen Fakten dargelegt. |
3 Zur Strafbarkeit von Homosexualität
Einleitend zu der Frage, wie die Deutungen der Bibel in den hellenistisch-jüdischen Kreisen und der patristischen Theologie, namentlich auch durch Philon, einzuordnen sind, äußert sich Karlheinz Deschner in dem Buch: Abermals krähte der Hahn.
Auf Seite 314 f. heißt es im Zusammenhang mit der Vorgehensweise der älteren Kirchenväter, dass sie, "was in Wirklichkeit aber gar nicht darin stand, erst durch meist haarsträubende Allegorese hineindeuten, womit freilich die jüdischen Hellenisten, namentlich Aristobulos und noch mehr Philon [von Alexandrien, 15/10 v. Chr.; - nach 40 n. Chr. ], den Christen vorangegangen waren", um auf diese Weise Vorstellungen der Stoiker und anderer in biblische Geschichten hineinzulesen.“
Ein paar Worte zur Strafbarkeit von Homosexualität:
Anders als im Qur'ân ausgesagt oder in authentischen Ḥadîṯen, wird von vielen Muslimen angenommen, dass Homosexualität verboten und zu bestrafen sei.
Warum sollten Homosexuelle denn bestraft werden? Sie sind homosexuell, weil Allah sie so und nicht anders geschaffen hat, ihnen ihre besondere fiṭra (فطرة) - Natur, Veranlagung, angeborene Anlage für ihr Leben mitge-geben hat. Allah hat es so gewollt. Und mit dieser, ihrer fiṭrafügen sie niemanden einen Schaden zu, wenn sie im Rahmen einer Ehe mit einem ihnen gemäßen Partner zusammenleben.
0bwohl die Vorstellung der Strafbarkeit von Homosexualität auf die Akzeptanz und Weitergabe des Sodom-Mythos durch die mawâlî zurückgeht, dessen Historizität und Teil gültiger religiöser Lehre nicht belegbar ist, weder im Alten Testament, noch durch Aussagen von Jesus in den 4 kanonischen Evangelien, noch auf Grund realer historischer Belege. Der Sodom-Mythos wurde erst im 2. - 8. Jahrhundert christlicher Zeitrechnung von den Kirchenvätern (der patristischen Theologie) zu monströsen Lügengeschichten geformt und ist bis heute sozusagen die "Bibel" muslimischer Gelehrter, wenn sie den Qur'ân kommentieren.
Oftmals wird von vielen Muslimen die Todesstrafe, d.h. die Steinigung, gefordert und idealerweise auf die Weise, Homosexuelle von einem erhöhten Ort hinabzustürzen, und wenn sie dann noch nicht tot sind, zusätzlich zu stei-nigen.
Es gibt hierzu weder einen Vers im Qur'ân noch einen einzigen (im Wortsinn) authentischen ḥadîṯ, (ḥadîṯ ṣaḥîḥ – حديث صحيح), – nichts. Deshalb nehmen manche an, dass die Beschreibung in der Geschichte von Lot und seinem Volk, so wie sie sie verstehen, und dessen Strafe doch die Vorlage für die Form dieser Strafe sein solle.
Wenn man sich die Geschichte anderer Völker im Qur'ân und deren Vernichtung ansieht, so wurde von muslimi-schen Gelehrten aus deren Fehlverhalten und ihrer Art der Strafe keine Anwendung für spätere Missetäter abge-leitet. Warum hat man sich bei dem, was man sich als Fehlverhalten von Lots Volk vorstellte, anders verhalten? (Eine mögliche Antwort: der Eindruck der "Vorlage" der Kirchenväter auf sie war übermächtig).
Es gibt im Qur'ân z.B. die Geschichte von ṣâliḥ bei den ṯâmûd (7:73-79) und die Geschichte von šuʿayb und den Bewohnern von madyân (7:85-93), die auf ähnliche Weise wie Lots Volk endeten.
Ein anderes Beispiel: Die Geschichte von Noah. Die Menschen, die nicht an seine Botschaft glaubten, wurden ertränkt (z.B.: 7:59-64). Haben etwa Muslime für deren Vergehen die Strafe des Ertränkens abgeleitet?
Auf ähnliche Weise kam der Pharao mit seinen Leuten bei der Verfolgung von Mose ums Leben (2:50).
Ein ganz wichtiger Grund ist, dass die frühen Muslime und ihre Qur'ân-Kommentatoren die durch die christlichen sogenannten Kirchenväter ausgeschmückten Phantastereien als wahre Aussagen akzeptierten, ganz offensichtlich ohne sie akribisch zu prüfen, denn sie gehörten ja zu den mawâlî, konvertierte Muslime, die zuvor Christen und Juden waren und ihre alten Überzeugungen weiter ungeprüft pflegten.
Und woher kam die Idee, verurteilte Homosexuelle von einem erhöhten Ort herabzustürzen, und wenn sie dann noch nicht tot waren, sie zu steinigen? Es gibt dazu keine Quellen z.B. im römischen oder byzantinischen Recht.
Dazu liefert Reclams Bibellexikon einen unübersehbaren Hinweis: Unter dem Stichwort „Steinigung“ heißt es auf S.472:
„Steinigung, die in Israel häufigste, sakrale Hinrichtungsart. Wieweit das in der Mischna [die Mischna, die erste schriftliche Fassung der mündlichen jüdischen Lehre, wurde im 2. Jahrhundert n. Chr. von Rabbi Jehuda ha-Nasi redigiert] beschriebene Verfahren der S. [= Steinigung] – man stürzte den Verurteilten von einer Mauer oder einem Felsen herab und ließ, wenn er nicht auf der Stelle tot war oder im Sterben lag, schwere Steine auf ihn niederfallen – schon in altest. Zeit angewandt wurde, ist nicht bekannt. […].“
Sie sollte bei Gotteslästerung, Sabbatschändung. Wahrsagerei, Übertretung eines Tabu-Gebotes, Ehebruch und Ungehorsam gegenüber den Eltern angeordnet werden.
Frühe Neu-Muslime, vermutlich mit jüdischen Wurzeln, betrachteten als „gelehrige Schüler“ Homosexualität als ein großes Vergehen und damit Homosexuelle als zu dieser Gruppe gehörig. Mit anderen Worten, die patristische Theologie, d.h. die Kirchenväter und einige jüdische Gelehrte, waren Lehrer für muslimisches Denken, nicht der arabische Text des Qur'âns. Nun, ja.
Nebenbei | In dem Buch Ansichten eines Muslims von Amin K. Waltter, gibt es den Beitrag 'Al-Azhar und Homosexualität (und Entgegnung' (auf Deutsch und Englisch)', ein Zeitungsartikel mit Übersetzung aus der ägyptischen Tageszeitung Al-Akhbâr vom 7.6.2013, Seite 14, über ein Treffen der Mitglieder des "Rates für Islamische Forschungen" unter dem Vorsitz des Scheich al-Azhar aHmad aT-Tayyib über eine Moschee für Homosexuelle in oder bei Paris. Wenn man nach nichtmuslimischen Zeugnissen in den Gebieten der Levante sucht, die über die frühe Zeit der Muslime (aus dem 7. oder 8. Jahrhundert, dem 1. oder 2. Jahrhundert AH) berichten, so findet man nichts über eine Bestrafung von Homosexualität. Es gibt keinen bekannten christlichen Bericht, der eine konkrete Hinrichtung oder Bestrafung eines Muslims oder eines Nicht-Muslims wegen Homosexualität unter islamischer Gerichtsbarkeit beschreibt. Direkte zeitgenössische Berichte fehlen: Es gibt keine bekannten Schriften christlicher Autoren des 7. oder 8. Jahrhunderts, die die Bestrafung von Homosexualität durch die muslimische Justiz direkt beschreiben. Die Entwicklung juristischen Denkens bei den Muslimen und die Bildung der ersten Rechtsschulen wird in nachfolgenden ChatGPT-Texten klarer. Mit anderen Worten: Erst durch den immer stärker werdenden Einfluss des Sodom-Mythos (den Ungeheuerlichkeiten der Kirchenväter) führten die neuen Muslime (die gebildeteren mawâlî)diese Vorstellungen in das muslimische Denken ein. |
Die Entwicklung der Rechtsschulen (maḏâhib) und die Strafbarkeit von Homosexualität
Nachfolgend eine ausführliche Wiedergabe von Antworten von ChatGPT, da sie nicht unerheblich für eine Beurteilung sind, in wieweit der Islam auf Basis des Qur'âns und authentischer Hadîṯe tatsächlich homosexuelle Handlungen verbietet:
ChatGPT | Auf die Frage: |
Ebenfalls Zeittabellen aus Antworten von ChatGPT:
Institutionelle Bildung (2.–3. Jahrhundert AH/ 8.–9. Jh. n. Chr.)
Hier beginnen sich die wichtigsten sunnitischen Maḏāhib formal um prominente Gelehrte und ihre Anhänger herum zu entwickeln:
Die Bildung der Rechtsschulen (maḏâhib)
✅ Überblick
Phase | Periode (AH / n. Chr. | Was geschah |
Frühe Einschätzung | 1. Jahrhundert AH / 7. Jh. n. Chr. | Keine formalen Schulen, regionale Rechtspraxis |
Bildung | 2,.–.3. Jh. AH / 8.–9. Jh. n. Chr. n. Chr. | Schulen bilden sich um bedeutende Juristen und ihre Ideen |
Konsolidierung | 3.–5. Jh. AH / 9.–11. Jh. n. Chr. | Doktrinen stabilisiert, staatliche Schirmherrschaft beginnt |
Tabellarische Übersicht von ChatGPT über die Begründer der 4 großen Maḏâhib:
Schule | Gründer | Lebensdauer | Standort |
Ḥanafī | Abū Ḥanīfa | 80 - 150 AH / 699 – 767 n. Chr. | Kufa (Iraq) |
Mālikī | Mālik ibn Anas | ca. 93 - 179 AH / ca. 711 - 795 n. Chr. | Medina |
Shāfiʿī | aš-Šāfiʿī | 150 - 204 AH / 767 - 820 n. Chr. | Mekka, Ägypten |
Ḥanbalī | Aḥmad ibn Ḥanbal | 164 – 241 AH / 780 - 855 n. Chr. | Baghdad |
Mit anderen Worten: Es war alles in Bewegung, und es wurde um den richtigen Weg gerungen: Und der Einfluss des Sodom-Mythos war größer als die Beschränkung auf die Aussagen des Qur'âns.
Das Ergebnis dieser bewegten Zeit liegt vor uns (s.o).
4 Einige Worte über die immense Arbeit und die Akribie von Ḥadîṯ-Sammlern
In den Büchern
I S L A M und H O M O S E X U A L I T Ä T im Qur’ân und der Hadîṯ-Literatur, Teil 2, Hadîṯ-Literatur, Die Überlieferungen,
und
I S L A M und H O M O S E X U A L I T Ä T im Qur’ân und der Hadîṯ-Literatur, Teil 3, Hadîṯ-Literatur, Hadîṯ-Wissenschaft, Überlieferer und Sammlungen
gibt es ausführliche Angaben hierzu.
Hier nur ein Überblick über mâlik ibn anas, aHmad ibn Hanbal und die „6 Bücher“, um einen Eindruck zu bekommen, wie viele Überlieferungen den Autoren zur Verfügung standen und die geringe Anzahl, die sie aufgrund ihrer jeweiligen Bedingungen auswählten:
Verfasser | Datenbasis | Hadîṯe | Hadîṯe ohne Wiederholungen | Prozent | Lebensdaten |
mâlik ibn anas, Rezension yahyâ | 100.000 | 1.720 | ? | 1,72 | mâlik ibn anas, 93 – 179 h yaHyâ b. yaHyâ al-masmûdî, st. 234 h |
aHmad ibn Hanbal | 750.000 | 50.000 | 40.000 | 5,33 | 164 – 241 h |
al-buẖârî | 600.000 | 9.082 | 2.602 | 0,4337 | 194 - 256 h |
muslim | 300.000 | ca. 10.000 | 3.030 | 1,010 | 204 - 261 h |
ibn mâja | ? | 4.341 | ? | ? | 209 - 273 h |
abû dâwûd | 500.000 | 5.274 | 4.800 | 0,96 | 202 - 275 h |
at-tirmiḏî | ? | 3.956 | ? | ? | 209 - 279 h |
an-nasâ'î | ? | 5.761 | ? | ? | 215 – 303 h |
Bei aller Wertschätzung der bedeutenden Arbeit von al-buẖârî und muslim haben muslimische Wissenschaftler sich mit deren Werken auch kritisch auseinandergesetzt:
Bei Goldziher, Muhammedanische Studien, Band II, S. 256 - 257, heißt es:
„...Trotz der allgemeinen Anerkennung, deren sich die SaHîHân [die beiden SaHîH-Werke von al-buẖârî und muslim] im Islam erfreut hatten, verstieg sich die Verehrung dennoch niemals so weit, dass man es für unstatthaft oder unziemlich gehalten hätte, den in diesen Sammlungen einverleibten Aussprüchen und Bemerkungen mit freier Kritik entgegenzu-treten.“
Im Handwörterbuch des Islam heißt u.a. im Kapitel HADÎTH auf S. 150:
"So verfaßte z.B. 'Alî al-Dârakutnî ['alî ad-dâraquTnî] (st. 385 = 995) ein Werk, in dem die Schwäche von 200 in den Sammlungen von al-Bukhârî und Muslim vorkommenden Überlieferungen nachgewiesen wird (vgl. Goldziher, a.a.O., II, 257)."
Auch M. M. Azami, Studies in Hadîth Methodology and Literature, S. 92, verweist darauf, dass kritische Gelehrte nicht immer mit dem Ergebnis von al-buẖârîs Arbeit übereinstimmten:
"Viele Gelehrte kritisierten buẖârîs Werk. Diese Kritik betrifft ungefähr 80 Überlieferer und etwa 110 aHâdîṯ. Die Kritik zeigte, dass diese aHâdîṯ, obgleich sie nicht fehlerhaft oder falsch waren, nicht dem hohen Standard entsprachen, der von buẖârî aufgestellt wurde."
Über ibn mâja wird in The Encyclopaedia of Islam, Band III, S. 856:vermerkt:
"[...] Es [sein kitâbu`s-sunan] wurde kritisiert, weil es viele schwache (Da'îf) Überlieferungen enthält; man sagte sogar, dass alle Überlieferungen darin, die nicht in den fünf früheren Sammlungen vorkamen, nicht authentisch seien. [...].
M. M. Azami, Hadith Methodology and Literature, S. 105, 106:
"Seine Bücher enthalten 4.341 aHâdîṯ; von ihnen werden 3.002 von den anderen Verfassern der verbleibenden fünf Bücher verzeichnet, entweder von allen oder von einem von ihnen. Es bleiben 1.339 aHâdîṯ, die nur von ibn mâja verzeichnet wurden und nicht von den anderen fünf verzeichnet wurden.
Diese werden folgendermaßen eingestuft:
428 aHâdîṯ von 1.339 sind authentisch
199 aHâdîṯ von 1.339 sind gut [ein Begriff, der oft nur verdecken sollte, dass der Hadîṯ nicht authentisch war, jedoch für "wichtig" gehalten wurde]
613 von 1.339 haben einen schwachen isnâd
99 aHâdîṯ von 1.339 sind munkar [abzulehnen] und makḏûb [erlogen].
Die anderen Gelehrten wie abû dâwûd und at-tirmiḏî verzeichneten auch schwache aHâdîṯ, aber sie kennzeich-neten sie meistens in ihrem Buch. Aber ibn mâja ging schweigend darüber hinweg, selbst wenn er einen gefälsch-ten Hadîṯ verzeichnete."
Mit anderen Worten:
· Bei aHmad ibn Hanbal sind die ausgewählten Ḥadîṯe (wohl wegen seiner weniger strengen Regeln) 5,3 %,
· bei mâlik ibn anas ist der Prozentsatz 1,72 %,
· die Autoren der „Sechs Bücher“ betrachten lediglich einen Anteil zwischen ca. 0,4 % und 1,01 % ihrer gesammelten Überlieferungen als besonders betraubar.
Ḥadîṯ-Wissenschaftler raten zudem dazu, dass, wer noch sicherer gehen will, nur auf Ḥadîṯe zurückgreifen sollte, die auf Arabisch muttafaq 'alay-hi genannt werden, d.h. Ḥadîṯe, die beide Sammler, al-buẖârî und muslim, für ihre jeweiligen Bücher auszuwählten.
Aber auch sie sollten nicht leichtgläubig akzeptiert werden.
Nebenbei | Ḥadîṯe werden geprüft hinsichtlich ihres isnâd (Kette der Überlieferer) und matn (der überlieferte Text). Wenn jedoch beides glaubhaft gefälscht wurde, ist die Entscheidung entsprechend schwierig. Wer sich später auf den Namen des Ḥadîṯ-Sammlers beruft und nicht selbst nachdenkt, kann nicht immer sicher sein. Der Qur’ân jedoch kennt keine „Himmelsreise“des Propheten (S), miʿrâj, sondern nur eine Nachtreise, isrâ’, zu der entfernten Moschee, al-masjidu`l-aqSâ, einem Gebetsplatz, der nicht näher beschrieben wird. Jerusalem wurde erst durch spätere Traditionen damit in Verbindung gebracht. Warum wird Muhammad (S.) in dieser Überlieferung zu Allah geholt, während der Qur’ân auf anderem Wege offenbart wurde? War die Anzahl der Gebete wichtiger als der Qur’ân? Außerdem finden wir Festlegungen zu den Gebeten im Qur'ân und der sunna. Am 1. Himmel und vor dem Betreten jedes weiteren Himmels werden sie einer Überprüfung von dem jeweils Verantwortlichen der Sicherheitszone (= des Himmels) unterzogen und erst eingelassen, nachdem sie die Vorladung glaubhaft gemacht haben. Wieso sich die genannten Propheten in dem jeweiligen Himmel aufhalten, da doch alle gestorben sind und der Tag der Auferstehung noch nicht stattfand, wird nicht erläutert, auch nicht, warum sie sich überhaupt in dem jeweiligen Himmel aufhalten. Sind sie dort nur zu zweit, der jeweilige Prophet und der hâzin? Und warum, was machen sie dort? Wozu findet die Begrüßung statt und warum wird sie in diesen Einzelheiten geschildert? Nicht Muhammad (S.), obwohl er (S.) zuvor aus einer goldenen Schüssel mit Weisheit und Glauben gefüllt wurde, sondern erst Mose wird klar, dass 50 tägliche Gebete eine Überforderung für die Menschen sind und schickt Muhammad (S.) mehrfach zum Machthaber zurück, der den Auftrag ohne Weiteres ebenfalls mehrmals reduziert und dann schließlich auf 5 tägliche Gebete festlegt. Darüber hinaus gab es damals politische Motive, den Standort Jerusalem gegenüber Mekka durch erfundene Ḥadîṯe zu stärken. Und die oben besprochenen Texte fallen in diese Kategorie. Ignaz Goldziher, Muhammedanische Studiien, Zweiter Teil, Ueber die Entwickelung des Ḥadîth. Umejjaden und ʿAbbâsiden, S35, 36, aber auch darüber hinaus, in der er ziemlich dreiste Fälschungen beschreibt: |
Frage an ChatGPT (27.08.2025)
5 Welche Autoren, welche Bücher gibt es zum Thema 'Islam und Homosexualität'?
Die Antwort von ChatGPT:
(Die im folgenden Textin dieser Farbegeschriebenen Wörter sind Links auf weiterführende Literatur im Internet: Mit rechter Maustaste anklicken und z.B. "Link in neuem Tab öffnen" wählen).
ChatGPT | Hier ist eine umfassende Übersicht renommierter Autoren und Bücher zum Thema Islam und Homosexualität. Ich habe Werke aus dem akademischen, essayistischen und persönlichen Bereich auf Deutsch und Englisch zusammengestellt: |
Mit folgender Übersichtstabelle von ChatGPT:
ChatGPT | Übersichtstabelle | |
Sprache | Autor / Hrsg. | Titel / Thema |
Englisch | Parvez Sharma | A Sinner in Mecca… (Memoir, 2017) |
Englisch | Khaled El‑Rouayheb | Before Homosexuality… (historisch, 1500–1800) |
Englisch | Samar Habib (Hrsg.) | Islam and Homosexuality (2 Bände) |
Englisch | Scott Siraj al‑Haqq Kugle | Homosexuality in Islam; Living Out Islam (Reflexion & Stimmen) |
Englisch | Afdhere Jama | Queer Jihad (Essays & Aktivismus) |
Englisch | Amrou Al‑Kadhi | Unicorn (Memoir, Drag & Identität) |
Englisch | Samra Habib | We Have Always Been Here (Memoir) |
Deutsch | Ali Ghandour | Liebe, Sex und Allah (Erotisches Erbe, 2019) |
Deutsch | Bochow & Marbach (Hg.) | Homosexualität und Islam (Migration & Diskurs, 2003) |
Deutsch | Amin K. Waltter | Islam und Homosexualität… (Quellenanalyse) |
Deutsch | Olfa Youssef | The Confusion of a Muslim Woman… (Theologie & Homosexualität) |
Memoir/Nachrichten | Lamya H | Hijab Butch Blues (identitärer Memoir) |
Memoir/Nachrichten | Ludovic-Mohamed Zahed | The Koran and the Flesh (Memoir) |
Fragen an ChatGPT (27.08.2025 und 28.08.2025)
6 'Islam und Homosexualität': Welche Personen, Gruppen, Organisationen, Moscheen sind homo-freundlich?
Zusammenstellung aus 3 Anfragen an ChatGPT am 27.08.2025 und 28.08.2025:
Frage 1: 'Islam und Homosexualität': Welche Personen, Gruppen, Organisationen, Institutionen, Moscheen sind homo-freundlich?
Frage 2: 'Islam und Homosexualität': Welche Personen, Gruppen, Organisationen, Institutionen, Moscheen weltweit sind homo-freundlich?
Frage 3: 'Islam und Homosexualität': Welche Personen, Gruppen, Organisationen, Institutionen, Moscheen in der muslimischen Welt sind homo-freundlich?
(Die im folgenden Textin dieser Farbegeschriebenen Wörter sind Links auf weiterführende Literatur im Internet: Mit rechter Maustaste anklicken und z.B. "Link in neuem Tab öffnen" wählen).
ChatGPT | Hier ist eine Übersicht über Personen, Gruppen, Organisationen und Moscheen, die sich im Kontext von Islam und Homosexualität als homo-freundlich oder zumindest als bemüht um Inklusion zeigen — mit Schwerpunkt auf Deutschland, ergänzt um internationale Beispiele: Italien – Moschea al-Kawthar (virtuell) Pakistan & Indien – historisch bedeutsame Orte Mesahat & Bedayya (Ägypten/Sudan) IraQueer (Irak) Muslims for Progressive Values (MPV) Muslim Alliance for Sexual and Gender Diversity (MASGD, USA) Überblick & Kontext |
6 Ein Hinweis zur menschlichen Natur (فطرة)
(30:30)
فَأَقِمْ وَجْهَكَ لِلدِّينِ حَنِيفًا ۚ فِطْرَتَ اللَّهِ الَّتِي فَطَرَ النَّاسَ عَلَيْهَا ۚ لَا تَبْدِيلَ لِخَلْقِ اللَّهِ ۚ ذَٰلِكَ الدِّينُ الْقَيِّمُ وَلَٰكِنَّ أَكْثَرَ النَّاسِ لَا يَعْلَمُونَ
So wende dein Gesicht zur Religion als ein Ḥanîf, in der natürlichen Anlage (فطرة) Allahs, mit der Er die Menschen erschuf. Keine Abänderung gibt es für die Schöpfung Allahs. Das ist die richtige Religion. Aber die meisten Menschen wissen nicht Bescheid.
Ein Ḥanîf ist (nach H. Wehr) ein „Rechtgläubiger; e-r, der statt der ihn umgebenden falschen die wahre Religion bekennt“.
Und فطرة - fiṭra ist (nach H. Wehr) die „Natur, Veranlagung, angeborene Anlage; Instinkt“, d.h. die ursprüngliche Natur, die Allah Seinen Geschöpfen in der von Ihm gewollten Ausprägung mitgibt.
In vielen Versen wird Allah als fâṭir (فاطر) – Schöpfer bezeichnet, d.h. als Derjenige, Der alles erschafft, Der dem Geschaffenen die für es bestimmte Anlagen, Eigenschaften, Instinkte (فطرة), Naturanlage mitgibt, die nicht änderbar sind.
S. Abul A'la Maududi, The Holy Qur'ân, Translation and Brief Notes with Text, betont daher in Anmerkung 8 zu Vers (30:30):
„... Diese natürliche Veranlagung des Menschen kann nicht geändert werden, so sehr man es auch versucht. ...“
7 Nachträge zu Feststellungen auf den Unterseiten „Fakten“ und „Fakten 1“
(geplante Änderungen für die veröffentlichten Bücher)
Der Bedeutungswandel von šahwa شهوة durch den Sodom-Mythos der Kirchenväter in Qur'ân-Kommentaren.
Im Qur'ân tadelt Lot sein Volk viermal mit jeweils ähnlichen Worten. An 2 Stellen ((7:81 und (27:55)) wird der Tadel ergänzt durch den arabischen Ausdruck
„شَهْوَةً - šahwatan - bei einem Begehren“.
An den beiden anderen Stellen ((26:165, 166) und (29:29)) ist er jedoch nicht vorhanden.
In Übersetzungen des Qur'âns (von Muslimen sowie Nicht-Muslimen) wird dieser Ausdruck immer im sexuellen Sinn wiedergegeben wie:
in Begierde, im Gelüst, in lüsterner Begier, mit Lust, wollüstig, lüstern, für die Befriedígung eurer sexuellen Begierde, ihr nähert euch Männern in euren Begierden und Ähnliches.
Und einige Übersetzer (Muslime wie auch Nicht-Muslime) fügen diesen Ausdruck sogar bei den Versen (26:165) und (29:29) – teils in Klammern - ein, wo dieser Ausdruck garnicht benutzt wird. Vielleicht, um „Missverständnisse“ beim Leser zu vermeiden?
Hier alle 4 Stellen in deutscher Übersetzung:
(7:81):
"Ihr kommt zu den Männern bei einem Begehren anstatt/neben/, nicht zu den Frauen"
(27:55):
"Kommt ihr denn zu den Männern bei einem Begehren anstatt/neben/, nicht zu den Frauen?"
(26:165, 166):
"Kommt ihr denn in aller Welt zu den Männern
und lasst unbeachtet, was euch euer Herr an euren Partner(inne)n erschaffen hat?"
(29:29):
"Kommt ihr denn zu den Männern und begeht Wegelagerei? (…)."
Bei diesen Texten (in Übersetzungen und Kommentaren) zeigt sich deutlich, dass der Sodom-Mythos der Kirchenväter bis heute das Denken bestimmt, und es bleibt unberücksichtigt, dass das Wort شَهْوَة - šahwa - Begehren - in der Zeit vor den Qur'ân-Kommentaren im Arabischen eine etwas andere Bedeutung hatte. Eine Untersuchung der Verwendung des Wortstamms und seiner Ableitungen im Qur'ân zeigte es bereits.
DeepSeek | Die Frage an DeepSeek: Auf eine andere Frage: Gibt es den Einfluss des Korans, ca. 610 - 656 entstanden und ca. 644 - 656 kodifiziert, oder besser: gibt es Belege für den Einfluss der ältesten Koran-Kommentare auf die ältesten arabischen Wörterbücher, deren Verfasser ja nach dieser Zeit lebten? Beispiel: das Wort šahwa = شهوة antwortete DeepSeek (auszugsweise): "Autorität und Reinheit: Der Koran galt als das perfekte Arabisch. Für die Lexikografen (Wörterbuchautoren) war die Sprache des Korans der höchste Beweis für die Korrektheit eines Wortes, seiner Bedeutung und seines Gebrauchs. "Im Koran: ***** Wie bereits zuvor festgestellt auf der Unterseite "Fakten" bei einem Vergleich aller Stellem im Qur'ân, in denen es vorkommt: Das arabische Wort šahwa شهوة hat durch den Einfluss des Sodom-Mythos der Kirchenväter in den Qur'ân-Kommentaren und den darauf aufbauenden Wörterbüchern in der arabischen Sprache einen deutlich erkennbaren Bedeutungswandel durchlaufen, der das Verständnis des Qur'ân-Textes bis heute und damit z.B. auch moderne Qur'ân-Übersetzungen beeinflusst. |
Eine weitere Frage an DeepSeek zeigt die Richtigkeit unserer Sicht, wie sehr die Interpretation der Erzählung von Lot und seinem Volk im Qur'ân von dem Sodom-Mythos der Kirchenväter überlagert wurde:
DeepSeek | Die Frage: „Konkretisierung der Sünde: Die koranisch vage "Schändlichkeit" (al-fāḥishah) wurde durch die Isrā'īliyyāt eindeutig und spezifisch mit der homosexuellen Handlung identifiziert, wie sie im Sodom-Mythos zentral ist. Die Auslegungen von Kirchenvätern wie Augustinus, die Homosexualität als den Kern der Sünde von Sodom betrachteten, fanden auf diesem Weg indirekt Eingang in den Tafsīr. „Fazit |
9 Fazit der bisherigen Untersuchungen
Es gibt im Qur'ân kein Verbot und keine Verurteilung einer homosexuellen Lebensweise, und es gibt ebenso keinen authentischen Ḥadîṯ mit einer solchen Aussage.
Als jedoch die Muslime in der Frühzeit ihrer Geschichte die Levante einnahmen, traten als Folge davon so viele Christen und Juden zum Islam über, dass sie bald die Mehrheit der damaligen Muslime bildeten. Und anders als die arabischen Muslime besaßen sie auf Grund z.B. der organisierten Kirche, der sie zuvor angehörten, besonders wenn sie in ihr leitende Funktionen innehatten, eine Ausbildung in ihrem religiösen Denken. Sie waren daher nach ihrer Konversion gefragte Quellen für religiöses Wissen, und dazu gehörte leider auch der von den Kirchenvätern zuvor in mehreren Jahrhunderten ausgearbeitete Sodom-Mythos mit all seinen Absurditäten. So gelangten diese Vorstellungen in die alten Qur'ân-Kommentare und damit in das Denken der Muslime.
Meine Belege dafür finden sich in meinen Büchern und, in verkürzter Form, auf dieser Web-Seite, für jeden einseh-bar, überprüfbar und damit – gegebenenfalls – widerlegbar.
Die teilweise Verwendung von KI (= künstliche Intelligenz, Antworten überwiegend von ChatGPT aber auch von DeepSeek) mögen Zweifel wecken z.B. weil sie in unterschiedlicher kultureller Umgebung entstanden und die Autoren der jeweiligen Software möglicherweise einen gewissen Einfluss auf Entscheidungsprozesse der KI hinsichtlich der Bewertung der verwendeten Literatur hatten. ChatGPT entstand ja in einem Umfeld mit evange-likalen Einstellungen und Bestrebungen, sogar Kreationismus statt der Evolutionslehre als Schulfach durchzu-setzen, während DeepSeek in einem Umfeld entstand, das weniger christliche, eher atheistische Wurzeln hat. Aber der Vergleich bei einigen Fragen ergab ganz ähnliche Antworten, sodass man derartige Bedenken wohl vernachlässigen kann.
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